Euribor-Manipulationen Banken müssen 485 Millionen Euro Strafe zahlen

Die EU-Kommission hat Strafen von insgesamt 485 Millionen Euro gegen Crédit Agricole, HSBC und JPMorgan Chase verhängt – wegen Zinsmanipulationen. Am meisten zahlen muss JP Morgan Chase.
Update: 07.12.2016 - 13:53 Uhr Kommentieren
Die Bank muss den größten Teil der Strafe wegen Euribor-Manipulationen zahlen. Quelle: dpa
JPMorgan Chase

Die Bank muss den größten Teil der Strafe wegen Euribor-Manipulationen zahlen.

(Foto: dpa)

BrüsselDie drei Großbanken Crédit Agricole, HSBC und JPMorgan Chase sollen wegen Zinsmanipulationen insgesamt 485 Millionen Euro Strafe an die EU-Kommission zahlen. Dies teilte EU-Wettbewerbskommisssarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel mit. „Die Banken müssen sich an geltendes Recht halten, so wie jedes andere Unternehmen im Binnenmarkt“, sagte Vestager. Ziel sei der Schutz der Kreditmärkte und letztlich der Verbraucher. Das französische Institut Crédit Agrigole kündigte Widerspruch an.

Für die EU-Kommission ist es der Abschluss jahrelanger Ermittlungen zum sogenannten Euribor-Skandal, in den auch die Deutsche Bank verwickelt war. Deutschlands größtes Geldhaus und andere Banken hatten den Fall für sich 2013 mit einem Vergleich mit der EU-Kommission abgeschlossen. Auf die Deutsche Bank entfiel damals eine Strafe von insgesamt 725 Millionen Euro, weil sie nicht nur an der Manipulation des Euribor, sondern auch des internationalen Pendants Libor beteiligt gewesen war. Die jetzt bestraften Häuser hatten den Vergleich damals nicht akzeptiert.

In den Jahren 2005 bis 2008 hatten sich nach Erkenntnissen der EU-Kommission insgesamt sieben Banken über die gewünschte Höhe des Referenzzinssatzes Euribor abgestimmt, der für sogenannte Derivate relevant ist. Die Abkürzung steht für Euro Interbank Offered Rate. Der Satz soll die Kosten widerspiegeln, wenn sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er wird auf Grundlage von Bankangaben täglich neu von einer Berechnungsstelle festgesetzt.

Nach Erkenntnissen der Kommission sprachen sich jedoch Händler der sieben Banken in Chatrooms im Internet ab, um den Zinssatz zu ihren Gunsten zu verfälschen und damit möglichst hohe Profite einzustreichen. Das bedeutet aus Sicht der Kommission: Die sieben Banken haben auf dem Markt für Euro-Derivate zusammengearbeitet statt miteinander zu konkurrieren.

So solide sind Europas Banken
Italiener stimmen gegen Verfassungsreform
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Das Nein der Italiener hat nicht für die befürchteten Börsenturbulenzen gesorgt. Im Gegenteil: An zahlreichen Börsen stiegen sogar die Kurse – auch die der Bankentitel. Nur die italienischen Banken mussten Federn lassen, da die politische Krise auch die Bankenkrise verschlimmern könnte. Doch wie ist es um Europas Banken bestellt? Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hat die Geldhäuser in der EU genauer unter die Lupe genommen und sie mit einander verglichen. In der nachfolgenden Bildergalerie werden ausgewählte Ergebnisse der Studie vorgestellt. Unter anderem wird auf die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 Capital Ratio), die Ergebnisse, sowie der gesamten Kreditvergabe der Geldhäuser eingegangen.

Was bedeuten die EBA-Zahlen?
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Die harte Kernkapitalquote hat eine zentrale Bedeutung bei der Eigenmittelaustattung der Institute. So ist der überwiegende Teil der Mindestkapitalanforderungen durch hartes Kernkapital darzustellen. Je höher die Quote, umso sicherer die Bank. Basel III-Regeln schreiben vor, das künftig mindestens 4,5 Prozent an hartem Kernkapital zu halten. Darüber hinaus sind die Banken verpflichtet, über die Mindestkapitalanforderungen hinaus in „guten
Zeiten“ einen Kapitalpuffer aufzubauen. Der Puffer beträgt 2,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva. Anhand der gesamten Kreditvergabe lässt sich schätzen, wie groß das jeweilige Geldinstitut im Vergleich zur Konkurrenz ist. Auch hat die EBA Zahlen zum Gewinn und Verlust der Geldhäuser hinzugezogen.

Monte dei Paschi
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Für die älteste Bank der Welt kommt die politische Unsicherheit in Italien nach dem Verfassungsreferendum zur Unzeit. Die kriselnde Bank sitzt auf einem Berg hochriskanter italienischer Papiere. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, mit welchen Konsequenzen die Monte dei Paschi bei einem Regierungswechsel in Rom rechnen muss.

CET1 Ratio (2016): 11,8 Prozent; 11,8 Prozent (2015)

Kreditsumme (2016): 110,8 Milliarden Euro; 114,0 Milliarden Euro (2015)

Gewinn/Verlust (2016): 0,3 Milliarden Euro; 0,4 Milliarden Euro (2015)

Unicredit
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Die italienische Unicredit plant demnächst bis zu 13 Milliarden Euro bei Investoren einzusammeln. Nach dem Referendum in Italien dürfte das schwieriger werden. Laut der Studie der EBA ist der Gewinn zum 30. Juni 2016 bereits auf 1,6 Milliarden Euro gesunken. Zum 31. Dezember 2015 betrug er noch rund zwei Milliarden Euro.

CET1 Ratio (2016): 10,3 Prozent; 10,4 Prozent (2015)

Kreditsumme (2016): 539,6 Milliarden Euro; 527,5 Milliarden Euro (2015)

Gewinn/Verlust (2016): 1,6 Milliarden Euro; 2,0 Milliarden Euro (2015)

BNP Paribas
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Die französische Investmentbank kann auf einer soliden Kernkapitalquote in Höhe von 11,1 Prozent beziehungsweise knapp 70,4 Milliarden Euro bauen (Stand: 30. Juni 2016). Allerdings ist der Gewinn der BNP Paribas im ersten Halbjahr 2016 gefallen, während die Kreditsumme in Italien, die nun als potenziell gefährdend gilt, von 4,1 auf 4,2 Milliarden Euro gestiegen ist.

Kernkapitalquote (CET1 Ratio fully loaded, Stand: zum 30. Juni 2016): 11,1 Prozent; 10,9 Prozent (zum 31. Dezember 2015)

Kreditsumme (zum 30. Juni 2016): 540,0 Milliarden Euro; 511,7 Milliarden Euro (zum 31. Dezember 2015)

Gewinn/Verlust (zum 30. Juni 2016): 4,6 Milliarden Euro; 7,0 Milliarden Euro (zum 31. Dezember 2015)

Credit Agricole
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Auch die Credit Agricole hat ihre Kreditsumme in Italien im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Waren es zum 31. Dezember 2015 noch 1,71 Milliarden Euro, stieg die Summe zum 30. Juni 2016 auf 1,74 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote hingegen sank leicht.

CET1 Ratio (2016): 13,6 Prozent; 13,7 Prozent (2015)

Kreditsumme (2016): 336,2 Milliarden Euro; 339,8 Milliarden Euro (2015)

Gewinn/Verlust (2016): 2,9 Milliarden Euro; 6,4 Milliarden Euro (2015)

Commerzbank
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Bei der teilverstaatlichten Frankfurter Bank kriselt es bereits seit Jahren. Bedenklich ist dabei die gesunkene Kernkapitalquote der Commerzbank. Dazu gesellen sich ein sinkender Gewinn und eine zurückgehende Kreditvergabe der zweitgrößten Bank Deutschlands.

CET1 Ratio (2016): 11,6 Prozent; 12,1 Prozent (2015)

Kreditsumme (2016): 118,9 Milliarden Euro; 128,0 Milliarden Euro (2015)

Gewinn/Verlust (2016): 0,5 Milliarden Euro; 1,2 Milliarden Euro (2015

„Auf den Finanzmärkten muss es Wettbewerb geben“, betonte Vestager. „Die Finanzprodukte, die von diesem Kartell betroffen sind - Derivate, die auf Euro-Zinssätzen basieren - sind nicht nur sehr wichtig für die Banken, sondern auch für viele Unternehmen in der EU.“ Sie würden von Firmen genutzt, um sich gegen finanzielle Risiken abzusichern. „Sie können sich vorstellen, was auf dem Spiel steht, wenn dieser Markt von einigen wenigen manipuliert wird“, sagte die Kommissarin.

Von der Gesamtsumme muss die US-Bank JPMorgan Chase mit gut 337 Millionen Euro bei weitem den größten Anteil schultern. Gegen Crédit Agricole verhängte die Kommission knapp 114,7 Millionen Euro Buße. HSBC soll lediglich rund 33,6 Millionen Euro zahlen, weil die Banker nur einen Monat an den Absprachen beteiligt gewesen sein sollen.

Crédit Agricole erklärte, man sei überzeugt davon, nicht gegen Wettbewerbsrecht verstoßen zu haben. Deshalb werde man die Entscheidung der Kommission anfechten. Auf Grundlage der EU-Entscheidung könnten vom Kartell geschädigte Marktteilnehmer ihrerseits klagen. Die individuellen Schäden sind allerdings laut Vestager kaum zu beziffern.

  • dpa
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