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Euribor-Zinsmanipulation Londoner Gericht warnt Banker – lange Strafen für zwei Barclays-Händler

Zwei weitere Barclays-Händler wurden im Euribor-Prozess zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Der Richter will damit andere Banker abschrecken.
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Zwei ehemalige Barclays-Händler müssen wegen einer Verschwärung zur Zinsmanipulation ins Gefängnis. Quelle: dpa
Neue Urteile im Euribor-Prozess

Zwei ehemalige Barclays-Händler müssen wegen einer Verschwärung zur Zinsmanipulation ins Gefängnis.

(Foto: dpa)

London Ein Londoner Gericht hat zwei weitere ehemalige Barclays-Händler wegen einer Verschwörung zur Zinsmanipulation ins Gefängnis geschickt. Der 41-jährige Italiener Carlo Palombo, der auch britischer Staatsbürger ist, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Der 62-jährige Brite Colin Bermingham erhielt fünf Jahre. Beide können bei guter Führung nach der Hälfte der Zeit entlassen werden.

Mit den langen Strafen wolle er auch eine Botschaft an die Finanzbranche senden, sagte Richter Malcolm Gledhill am Montag bei der Verkündung des Strafmaßes.

Eine zwölfköpfige Jury hatte Palombo und Bermingham bereits vergangene Woche für schuldig befunden. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass die beiden zusammen mit Händlern anderer Banken versucht haben, zwischen 2005 und 2009 den Leitzins der Eurozone, den Euribor, zu manipulieren. Ihre ebenfalls angeklagte frühere Barclays-Kollegin Sisse Bohart wurde freigesprochen.

Für die drei Händler war es bereits der zweite Prozess, nachdem die Jury sich im ersten Prozess im Sommer 2018 nicht auf ein Urteil einigen konnte. Er musste daher mit den gleichen Anklagepunkten und einer neuen Jury wiederholt werden.

Ursprünglich hatte das Serious Fraud Office (SFO), die britische Behörde für schwere Wirtschaftsverbrechen, elf Händler verschiedener Banken angeklagt. Darunter waren auch sechs Mitarbeiter der Deutschen Bank. Vier der Angeklagten waren jedoch in Deutschland geblieben und hatten sich gegen eine Auslieferung gewehrt.

Der fünfte Deutschbanker war im ersten Prozess im vergangenen Juli freigesprochen worden. Der sechste, der ehemalige Starhändler Christian Bittar, hatte sich schuldig bekannt und sitzt derzeit eine fünfjährige Haftstrafe in einem Londoner Gefängnis ab. 

Der Franzose Bittar war laut Staatsanwaltschaft zusammen mit seinem Freund Philippe Moryoussef der Kopf der Verschwörung. Der ehemalige Barclays-Händler Moryoussef hatte sich vor Prozessbeginn nach Paris abgesetzt und wurde in Abwesenheit zu acht Jahren Haft verurteilt.

Schon bei der Strafverkündung für Bittar und Moryoussef im Juli 2018 hatte Richter Gledhill erklärt, dass er eine „klare Botschaft der Abschreckung an andere in der Finanzwelt“ schicken wolle. Er hatte damals auch deren Arbeitgeber scharf kritisiert. Die Banken seien „weit hinter den Standards zurückgeblieben“, sagte er. „Die Führungskräfte hätten dies stoppen müssen.“

Der nun verurteilte Palombo war der Junior-Händler an Moryoussefs Trading-Desk bei Barclays. Die Anklage lautete auf Verschwörung zum Betrug. Die Staatsanwaltschaft wies mittels Chat-Protokollen, Telefonmitschnitten und E-Mails nach, dass die Händler Absprachen getroffen haben, um den Euribor in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

Der Euribor-Satz wird jeden Vormittag festgelegt. Damals, in den Jahren 2005 bis 2009, lief das so, dass 48 Panel-Banken mitteilten, zu welchem Zinssatz sie Geld an andere Banken verleihen würden. Daraus wurde ein Durchschnitt ermittelt. Von diesem Referenzzins hängen die Zinsen für Finanzprodukte in Höhe von 180 Billionen Dollar ab – vom Festgeld bis zum Immobilienkredit.

Im Prozess wurde klar, dass die Banken häufig den Zinssatz meldeten, der im Interesse ihrer eigenen Händler war. So konnten sie versuchen, den Durchschnitt zu heben oder zu senken – und ihre Handelsgewinne erhöhen. Die Staatsanwaltschaft musste den Händlern nicht nachweisen, dass sie den Zinssatz tatsächlich beeinflusst und Profit daraus geschlagen haben. Die Jury musste nur zu dem Schluss kommen, dass es Absprachen gab.

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