Eurohypo und Essen Hyp Commerzbank bündelt die Kräfte

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller strafft die Konzernstruktur. Das Management will die Minderheitsaktionäre der Tochter Eurohypo hinausdrängen und die zweite Tochter Essen Hyp enger anbinden. Das geht aber nicht ohne personelle Veränderungen vonstatten. Ein bekannter Name geht.
Klaus-Petre Müller zentralisiert die Commerzbank. Foto: dpa

Klaus-Petre Müller zentralisiert die Commerzbank. Foto: dpa

FRANKFURT. Am Mittwoch gab die Bank überraschend bekannt, die Minderheitsaktionäre der Immobilientochter Eurohypo zwangsweise abfinden zu wollen. Außerdem rückt möglicherweise eine Fusion der Eurohypo mit der Schwestergesellschaft Essen Hyp näher: Wie das Unternehmen mitteilte, wird Essen-Hyp-Chef Hubert Schulte-Kemper, der sich immer gegen eine Zusammenlegung der beiden Commerzbank-Töchter verwahrt hatte, zum Jahresende zurücktreten. Wolfgang Groth, der bislang als Leiter der Liquiditätssteuerung bei der Eurohypo tätig ist, rückt in den Vorstand auf und übernimmt von Schulte-Kemper das Kapitalmarktgeschäft. Außerdem wird Essen-Hyp-Vorstand Michael Fröhner das Unternehmen verlassen.

Die Commerzbank besitzt derzeit über 95 Prozent der Eurohypo-Anteile und 51 Prozent an der Essen Hyp. Nach der Zwangsabfindung bei der Eurohypo müsste sie sich die restlichen Anteile an der Essen Hyp sichern, um die Töchter zusammenzulegen. Die restlichen 49 Prozent an der Essen Hyp liegen bei der Schuppli-Gruppe. Eine schnelle Zusammenlegung ist, auch angesichts des Verbleibs von Schulte-Kemper im Amt bis Ende des Jahres, nicht zu erwarten.

Analysten halten eine enge Verzahnung oder eine Zusammenlegung der beiden Commerzbank-Töchter für gut. „Für die Commerzbank ist es unter bankbetriebswirtschaftlichen Aspekten sinnvoll, die Hypothekentöchter zusammenzulegen“, sagt Jörg Birkmeyer, Leiter des Researchs für Bankenanleihen bei der DZ Bank. Beide Töchter hätten zum Beispiel im Staatskreditgeschäft ein ähnliches Geschäftsmodell. Von daher sei es für die Commerzbank zu aufwendig, zwei Hypothekentöchter zu haben. Die Essen Hyp sei zwar auf die Staatsfinanzierung konzentriert und die Eurohypo auf die Immobilienfinanzierung, dennoch gebe es große Überschneidungen. Alles andere als eine Zusammenlegung „sei politische Kleinkrämerei“, sagt ein anderer Experte.

Der offenbar bevorstehende Rückzug Schulte-Kempers ist jedenfalls eine große Überraschung. Bei der Feier zu seinem 60. Geburtstag im April 2006 hatte es vor 850 Gästen noch geheißen, er werde die Bank noch viele Jahre begleiten. Nachdem die Commerzbank die Eurohypo im November 2005 übernommen hatte, betonte Schulte-Kemper, er könne sich eine Zusammenlegung von Essen Hyp und Eurohypo nicht vorstellen. Die Commerzbank-Töchter sind sich gegenseitig nicht grün. Inoffiziell gab es auch in der jüngsten Vergangenheit des Öfteren hämische Kommentare.

Schulte-Kemper – in der Bank als HSK bekannt – hatte die Hypothekenbank in Essen 1987 gegründet. Das Geld dafür bekam er von dem inzwischen weit über 80-jährigen Finanzinvestor Wolfgang Schuppli. Die Essen Hyp ist auf die Staatsfinanzierung spezialisiert und hat sich zu einer der profitabelsten Hypothekenbanken in Deutschland entwickelt. Vor allem im Vergleich zur Eurohypo hielt sich Schulte-Kemper das gerne zugute.

Essen-Hyp-Chef ist Schulte-Kemper seit 1990. Er gilt als charismatisch und überzeugend – mit einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung. So ließ der engagierte Katholik auf seinem Geburtstag eine Glückwunschadresse des Papstes verlesen und ist sehr stolz darauf, dass er 2004 und 2005 Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl als Zugpferd für die Investorenpräsentation der Essen Hyp gewinnen konnte.

Die Strategie

Frankfurt first: Die Commerzbank setzt offiziell vor allem auf den deutschen Heimatmarkt. Zuletzt verkaufte sie die britische Fondstochter Jupiter und startete eine groß angelegte Privatkundenkampagne. Da es kaum Zukaufsmöglichkeiten auf dem heimischen Privatkundenmarkt gibt, will die Bank nun aus eigener Kraft wachsen.

Auslandsauftritt: Trotz der auf Deutschland ausgerichteten Strategie der Bank ist sie auch im Ausland stark vertreten. Durch den Zukauf der Eurohypo wurde sie mit einem Schlag Europas größter Immobilienfinanzierer. Mit der BRE Bank ist die Commerzbank außerdem in Polen aktiv, und auch das Russland-Engagement soll ausgebaut werden.

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