Europäische Banken HSBC mit überraschendem Quartalsverlust

Europas größte Bank HSBC spürt das langsamere Wirtschaftswachstum in China. Das britische Geldhaus verfehlt mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen der Analysten. Im vierten Quartal 2015 steht ein Verlust zu Buche.
Update: 22.02.2016 - 10:43 Uhr
HSBC hat am Montag einen Gewinnrückgang für 2015 gemeldet. Quelle: dpa
HSBC-Geldautomaten

HSBC hat am Montag einen Gewinnrückgang für 2015 gemeldet.

(Foto: dpa)

HongkongDie Konjunkturabkühlung in China bremst die Großbank HSBC. Der Vorsteuergewinn stieg im vergangenen Jahr lediglich um ein Prozent auf 18,87 Milliarden Dollar, wie das britische Geldhaus, das aber traditionell stark in Asien präsent ist, am Montag mitteilte. Damit wurden die Analystenerwartungen deutlich verfehlt. Im vierten Quartal fiel sogar überraschend ein Vorsteuerverlust 858 Millionen Dollar an. An der Londoner Börse stürzten HSBC-Aktien daraufhin um fast fünf Prozent ab.

Auch der Verfall von Rohstoffpreisen setzte HSBC zu. Der Weg für Banken werde „holpriger“, so das Institut, das in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Rechtsstreitigkeiten, hohen Strafen und dem Abbau tausender Stellen Schlagzeilen machte. Die roten Zahlen im Schlussquartal gingen auf den Verkauf des Brasilien-Geschäfts, Wertberichtigungen bei Derivaten sowie Sonderlasten im Zuge von Rechtsstreitigkeiten und dem Umbau des Konzerns zurück. Aktivitäten in der Türkei, die zum Verkauf standen, sollen wegen zu niedriger Offerten nun doch im Konzern behalten werden. Die entsprechende Einheit soll stattdessen restrukturiert werden.

Die Einäugigen unter den Blinden

NATIXIS S.A. ACTIONS PORT. EO 11,20

WKN
ISIN
FR0000120685
Börse
FSE

-0,03 -0,50%
+5,86€
Chart von NATIXIS S.A. ACTIONS PORT. EO 11,20
Natixis
1 von 9

An den Börsen rumpelt es für die Banken derzeit gewaltig. Nicht nur griechische oder spanische Bankenaktien taumeln. Auch für deutsche Finanzinstitute geht es nach unten. Die Deutsche Bank-Aktie verlor seit dem 1. Januar 40 Prozent. Die kleinere Konkurrentin Commerzbank büßte rund 33 Prozent ein. Da ist die französische Natixis eine der wenigen Banken, die Anleger erfreuen – mit vergleichsweise moderaten Verlusten.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -17,9 Prozent.

SKANDINAVISKA ENSKILDA BANKEN NAMN-AKTIER A (FRIA) SK 10

WKN
ISIN
SE0000148884
Börse
FSE

-0,02 -0,28%
+8,60€
Chart von SKANDINAVISKA ENSKILDA BANKEN NAMN-AKTIER A (FRIA) SK 10
Skandinaviska Enskilda Banken (SEB)
2 von 9

Die schwedische SEB will die Anleger beruhigen: „Zurzeit nehmen wir Chinas Entwicklung zu einer flexibleren Wechselkurspolitik noch nicht als Zeichen einer Teilnahme im weltweiten Währungskrieg wahr“, meldet die Bank. Für die Aktie geht es dennoch nach unten.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -16,3 Prozent.

DNB ASA NAVNE-AKSJER A NK 10

WKN
ISIN
NO0010031479
Börse
FSE

-0,21 -1,27%
0,00€
Chart von DNB ASA NAVNE-AKSJER A NK 10
DNB ASA
3 von 9

Auch die norwegische DNB ASA sendet beruhigende Signale aus: Ottar Ertzeid, Mitglied der DNB Lenkungsgruppe, hat 5.000 Firmenaktien gekauft. Jetzt gehören ihm 210.000 Aktien der größten Finanzgruppe Norwegens. Um das Papier ins Plus zu holen, ist der gute Wille aber wohl nicht genug.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -16,1 Prozent.

Svenska Handelsbank

WKN
ISIN
Börse

Chart von Svenska Handelsbank
Svenska Handelsbank
4 von 9

Noch eine skandinavische Bank, die derzeit mit fallenden Kursen zu kämpfen hat. Verglichen aber mit Banken europäischen Kollegen wie Credit Suisse (-43,7 Prozent) oder Unicredit (-45,2 Prozent), sieht es für die Svenska Handelsbank noch vergleichsweise gut aus.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -15,7 Prozent.

BANCO DE SABADELL S.A. ACCIONES NOM. SERIE A EO -,125

WKN
ISIN
ES0113860A34
Börse
FSE

-0,04 -2,58%
+1,36€
Chart von BANCO DE SABADELL S.A. ACCIONES NOM. SERIE A EO -,125
Banco Sabadell
5 von 9

Sabadell baut sein Digitalgeschäft aus, meldeten die spanischen Tageszeitungen. Doch die Kunden bleiben skeptisch. Die Aktie verliert.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -14,6 Prozent.

Bankinter

WKN
ISIN
Börse

Chart von Bankinter
Bankinter
6 von 9

Die spanische Bankinter konnte ihren Nettogewinn 2015 um satte 36 Prozent steigern und übertraf damit die Vorhersagen der Analysten. Doch in diesem Jahr bleiben die Anleger auch hier skeptisch.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -11,7 Prozent.

JYSKE BANK A/S NAVNE-AKTIER DK 10

WKN
ISIN
DK0010307958
Börse
FSE

-0,20 -0,43%
+46,26€
Chart von JYSKE BANK A/S NAVNE-AKTIER DK 10
Jyske Bank
7 von 9

Trotz teilweise negativen Leitzinsen in ihren Heimatmärkten hat das Ansehen der skandinavischen Banken bei den Anlegern nicht so stark gelitten wie bei ihren deutschen, griechischen und italienischen Gegenspielern. Ein Beispiel ist die dänische Jyske Bank. Mit einem Verlust von 10,9 Prozent seit dem 1. Januar zählt sie noch zu den Gewinnern unter den Banken-Aktien.

Kursveränderung seit 1. Januar 2016: -10,9 Prozent.

Erst vergangene Woche hatte das HSBC-Management nach monatelangen Überlegungen entschieden, den Sitz der Bank in London zu belassen und damit nicht nach Hongkong umzuziehen. Hintergrund der Überprüfung war die britische Bankenabgabe. HSBC wurde 1865 in der einstigen britischen Kronkolonie gegründet, um den Handel zwischen Asien und Europa zu finanzieren. Der Beitrag des Asien-Geschäfts zum Vorsteuergewinn von Europas größtem Kreditinstitut lag 2015 bei 83,5 Prozent und damit höher als 2014.

China spielt dabei eine Schlüsselrolle. Im Juni will die Bank Details ihrer neuen Strategie veröffentlichen, mit einer weiteren Expansion in der Volksrepublik. Die konjunkturelle Abkühlung mache dies aber schwieriger, sagte HSBC-Chairman Douglas Flint. Chinas Wirtschaft war 2015 so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Bei Banken platzen mehr Kredite als bisher.

HSBC teilte zudem mit, wie andere Institute auch von der US-Aufsichtsbehörde SEC wegen seiner Rekrutierungspraxis in Asien unter die Lupe genommen zu werden. Der Ausgang sei offen, könne aber signifikante Folgen haben. 2013 hatte die SEC eine Ermittlung gegen die US-Großbank JP Morgan eröffnet. Dabei geht es vor allem um die Einstellung und Förderung von Kindern einflussreicher Politiker und Manager in China, um dadurch an Großprojekte zu gelangen.

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