Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Europäische Banken Warum sich Deutsche Immobilienbanken besser schlagen als Deutsche Bank und Coba

Gemessen an den ungünstigen Rahmenbedingungen schlagen sich deutschen Immobilienbanken noch gut. Ihre Entwicklung zeigt, woran es Universalbanken fehlt.
Kommentieren
Deshalb schlagen sich Deutsche Immobilienbanken besser als Coba & Co. Quelle: dapd
Deutsche Pfandbriefbank)

Die Aktie der Immobilienbank verzeichnet seit Januar ein Kursplus von 16,8 Prozent.

(Foto: dapd)

Frankfurt Mit europäischen Bankenaktien konnten Anleger in diesem Jahr nicht viel Geld verdienen. Seit Jahresbeginn haben die Bank-Aktien im Stoxx 600 rund zehn Prozent an Wert verloren. Gerade einmal neun von 47 Instituten weisen für diesen Zeitraum eine positive Kursbilanz aus, etwa die italienische Mediobanca oder Schweizer Institute wie Julius Bär. Commerzbank und Deutsche Bank liegen dagegen um knapp 14 beziehungsweise um 12 Prozent im Minus.

Gemessen an dieser ungünstigen Großwetterlage haben sich die im MDax gelisteten deutschen Immobilienbanken noch gut geschlagen. Zwar gaben auch ihre Kurse am Mittwoch nach. Seit Jahresbeginn hat die Aareal Bank, die am Dienstag ihre Quartalszahlen vorlegte, allerdings „nur“ 4,7 Prozent verloren, die Deutsche Pfandbriefbank (Pbb), die am Montag Zahlen veröffentlicht hatte, verzeichnete seit Januar sogar ein Kursplus von 16,8 Prozent.

Damit sind die Institute, die vor allem Gewerbeimmobilien wie Hotels oder Einkaufszentren finanzieren, so etwas wie die Einäugigen unter Blinden.

Die Aareal Bank etwa bekräftigte ihr Jahresziel – einen Betriebsgewinn von 240 bis 280 Millionen Euro – obwohl es zu mehr Kreditausfällen im zweiten Quartal kam. Der Nettogewinn blieb allerdings stabil und so sieht sich der Wiesbadener Immobilienfinanzierer auf Kurs. Dass der Aktienkurs dennoch leicht gesunken ist, hat nach Ansicht von Finanzvorstand Marc Heß viel mit der allgemein düsteren Lage der europäischen Banken zu tun.

Die Schwäche der europäischen Banken habe zwei Ursachen, erklärte Heß am Dienstag in einer Telefonkonferenz: die sich eintrübenden konjunkturellen Erwartungen und der extrem niedrige Kapitalmarktzins, der den Zinsüberschuss, die Haupteinnahmequelle europäischer Banken, unter Druck setzt. Davon könne sich auch die Aareal Bank „nicht ganz freimachen“.

Sie kann es aber besser als die Universalbanken, die mit Privatkundeneinlagen zu kämpfen haben und viele Kredite an Unternehmen ausreichen, meint Philipp Häßler, Analyst bei Pareto Securities: „Die niedrigen Zinsen treffen andere Banken stärker als Pfandbriefbank und Aareal Bank, weil andere Banken mehr Privatkundeneinlagen haben, die sie oft nicht vollständig als Kredite weiterreichen können“, sagt er. Auch die Aareal Bank hat der Europäischen Zentralbank (EZB) in den ersten sechs Monaten sechs Millionen Euro für dort geparkte Einlagen gezahlt – doch bei klassischen Banken sind diese Summen eben höher.

Furcht vor Kreditausfällen

Auch die Furcht vor steigenden Kreditausfällen schadet Universalbanken im Moment stärker. Die Wirtschafsdaten fallen zunehmend schlechter aus, damit wächst die Gefahr von Unternehmenspleiten. „Den Investoren wird zunehmend bewusst, dass die Kreditausfälle wahrscheinlich steigen werden, gerade bei Firmenkunden“, meint Häßler.

Kreditausfälle würden zwar auch die Immobilienbanken treffen, allerdings seien Immobilienkredite auch besser besichert als viele Firmen- oder Konsumentenkredite.

Das spiegelt sich in Teilen auch in den Halbjahreszahlen von Aareal Bank und Pbb wider: Der Zinsüberschuss blieb stabil und stieg bei der Pbb sogar ein wenig. Die Pfandbriefbank war über ihren Geschäftsverlauf so zufrieden, dass sie vor kurzem sogar ihre Jahresziele erhöht hat – ein in der Branche rar gesäter Optimismus. Der italienische Unicredit hat dagegen vor kurzem die Ertragsziele angesichts einer steigenden Risikovorsorge und sinkender Erträge gekappt.

Das bedeutet nicht, dass Immobilienbanken vor Kreditausfällen immun sind. Bei der Wiesbadener Aareal Bank kam es zu geplatzten Engagements, vor allem in Großbritannien. Das 2,7 Milliarden Euro große Engagement in Italien etwa und das 3,8 Milliarden Euro schwere Portfolio in Großbritannien liegen vielen Investoren wegen der Italienkrise und dem drohenden Brexit schwer im Magen. Da im ersten Quartal aber praktisch nichts schief ging, ändert sich aber auch nichts an den Jahresprognosen des Instituts.

Die Aareal Bank verweist darauf, dass sie sich gut überlegt, was für Immobilienprojekte sie unterstützt. Das Institut achtet etwa darauf, nur Bestandsimmobilien zu finanzieren. Außerdem verlangt die Bank von Investoren auch einen ordentlichen Eigenkapitalanteil bei den Finanzierungen. „Es waren vor allem Entwicklungsfinanzierungen, die in der vergangenen Krise Probleme hatten“, sagt Finanzvorstand Heß.

Für Banken, die im Immobilienbereich aktiv sind, wirkt sich die Geldpolitik außerdem nicht allein negativ aus: „Die Geldpolitik ist Fluch, aber auch Segen“, räumt Heß ein. Denn auf die Immobilienmärkte wirke die Zinspolitik auch unterstützend – sie treibt die Preise nach oben und motiviert Investoren dort einzusteigen.

Analystenempfehlungen im Vergleich

Das alles schlägt sich auch in den Analystenempfehlungen nieder: Zwei Drittel der Finanzprofis empfehlen die Pfandbriefbank zum Kauf, kaum einer rät dazu, die Finger davon zu lassen. Bei der Aareal Bank sind die Analysten zurückhaltender und sind in zwei von drei Fällen nur neutral.

Damit liegt die Aareal Bank aber noch immer vor der Commerzbank, die prozentual gesehen weniger Kauf- und Halteempfehlungen aufweist, dafür aber mittlerweile vier Verkauf-Urteile kassiert hat. Am Montag und Dienstag erst fiel die Aktie des Instituts auf ein Rekordtief. Schlusslicht in Deutschland ist aber nach wie vor die Deutsche Bank, bei der es – neben zwei einsamen Kaufempfehlungen – nur das etwa gleich große Lager der „Halten“- und „Verkaufen“-Urteile gibt.

Das Fazit von Pareto-Analyst Häßler fällt jedenfalls für die Immobilienfinanzierer positiv aus: „Pbb und Aareal Bank haben funktionierende Geschäftsmodelle und sind attraktiv bewertet. Außerdem ist die Dividendenrendite relativ hoch und die Institute sind ausreichend kapitalisiert“, sagt er.

Damit ist auch gesagt, woran es Commerzbank und Deutsche Bank mangelt: Bei der Commerzbank stellt sich zunehmend die Frage, ob sie mit ihrem Geschäftsmodell genug verdient. Die Deutsche Bank muss noch beweisen, dass ihr Geschäftsmodell überhaupt funktioniert.

Mehr: Die Profitabilität vieler deutscher Institute lässt zu Wünschen übrig. Dazu schmälern noch die sinkenden Notenbankzinsen die Einnahmen der Banken.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Europäische Banken - Warum sich Deutsche Immobilienbanken besser schlagen als Deutsche Bank und Coba

0 Kommentare zu "Europäische Banken: Warum sich Deutsche Immobilienbanken besser schlagen als Deutsche Bank und Coba"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote