Europas größte Bank HSBC zeigt, wie es geht

Die britische Großbank HSBC steht besser da als viele Konkurrenten, die enttäuschende Zahlen vorlegen. Vor allem in Asien wächst das Geschäft der HSBC. Die Quartalszahlen ließen die Anleger trotzdem kalt.
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HSBC: Europas größte Bank zeigt, wie es geht Quelle: Reuters
HSBC in Hong Kong

Die Bank hatte sich im Zuge der Finanzkrise einer Schrumpfkur unterzogen. Dies zahlt sich zunehmend aus.

(Foto: Reuters)

LondonDer designierte HSBC-Chef John Flint kann im Februar eine Bank auf Wachstumskurs übernehmen. Die Erträge der britischen Großbank stiegen im abgelaufenen Quartal zum dritten Mal in Folge - um zwei Prozent auf 13 Milliarden Dollar. Besonders das Asiengeschäft wächst, allein in der chinesischen Provinz Guangdong vergab die Bank neue Kredite in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar.

Die Strategie des scheidenden Vorstandschefs Stuart Gulliver scheint sich auszuzahlen. Er hatte in den vergangenen Jahren systematisch die weniger profitablen Teile der weit verzweigten Bank abgestoßen, sich aus 18 Ländern zurückgezogen und das Haus stärker auf Asien ausgerichtet. Nun steht Europas größte Bank besser da als viele Konkurrenten.

Die wertvollsten Banken weltweit
Marktkapitalisierung der weltgrößten Privatbanken
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Die Marktkapitalisierung gibt den aktuellen Börsenwert einer Firma an. Sie ergibt sich, wenn man den aktuellen Aktienkurs mit der gesamten Aktienanzahl multipliziert. Die Marktkapitalisierung ist somit abhängig von den Erwartungen am Aktienmarkt an die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens und kann entsprechend stark schwanken. Welche Großbanken seit der Finanzkrise in den Augen der Anleger stark nachgelassen haben oder auf der Überholspur sind.

Platz 59: Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das größte Kreditinstitut Deutschlands. Seit über einem Jahr wird die Bank allein von John Cryan geführt. Die großen Herausforderungen betonte der Vorstandschef einmal mehr bei der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“. Seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 hat die Deutsche Bank in den Augen der Anleger am Aktienmarkt deutlich nachgelassen. Anfang 2007 lag die Marktkapitalisierung noch bei 53,03 Milliarden Euro. 2017 sind davon nur noch 27,8 Milliarden Euro übrig.

Platz 15: BNP Paribas
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Die französische Großbank entstand im Jahr 2000 aus der Fusion der Banque Nationale de Paris und der Paribas. Hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung gehört die BNP Paribas zu den 15 größten Banken weltweit. Selbst die Finanzkrise konnte der Geschäftsbank nicht viel anhaben – im Gegenteil. Im Januar 2007 lag ihre Marktkapitalisierung bei 76, 9 Milliarden Euro. Und obwohl der Wert ab Beginn der Krise zeitweise sank, hat die Bank 2017 79,8 Milliarden Euro sogar zugelegt.

Platz 14: Toronto-Dominion Bank
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Die Bank of Toronto, aus der später die Toronto-Dominion Bank entstand, wurde 1855 von einer Gruppe Kaufleute und Müller gegründet. Heute arbeiten bei der kanadischen Großbank weltweit über 80.000 Menschen. Die Erfolgsgeschichte spiegelt sich auch in der Entwicklung der Marktkapitalisierung wider. Die Finanzkrise konnte ihr in der Hinsicht nichts anhaben. 32,6 Milliarden Euro betrug die Marktkapitalisierung vor der Krise im Januar 2007, 2017 nun satte 84,6 Milliarden Euro.

Platz 13: China Merchants Bank
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Die China Merchants Bank kann eine ähnliche Erfolgsgeschichte vorweisen. Vor 30 Jahren fing sie mit einem Kapital von 100 Millionen Yuan (ca. 128.000 Euro) und 30 Mitarbeitern an. Die Marktkapitalisierung lag Anfang des Jahres 2007 noch bei 23,36 Milliarden Euro, nach Beginn der Krise im selben Jahr bereits bei 50,25 Milliarden Euro. Heute kann die chinesische Großbank eine Marktkapitalisierung von 85,7 Milliarden Euro verzeichnen.

Platz 12: Commonwealth Bank of Australia
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Die Commonwealth Bank bezeichnet sich selbst als Australiens führende Bank. Zuletzt befand sich das Unternehmen jedoch aufgrund von Geldwäschevorwürfen in der Bredoullie. Die Marktkapitalisierung ist mit 86,4 Milliarden im Jahr 2017 trotzdem beträchtlich. Seit Januar 2007 hat sich die Bank damit um fast 50 Milliarden Euro gesteigert.

Platz 11: Banco Santander
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Im Jahr 2007 feierte die spanische Universalbank ihr 150-jähriges Bestehen. Gemessen an der Marktkapitalisierung zählt die Banco Santander damals wie heute zu den wertvollsten Banken weltweit. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei 87,3 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank und die britische Barclays hatten am Donnerstag enttäuschende Zahlen vorgelegt. Bei beiden brachen die Erträge im Anleihengeschäft um rund ein Drittel ein. Bei der HSBC gingen sie in diesem Bereich nur um fünf Prozent zurück.

Die leichte Schwäche im Anleihengeschäft wurde mehr als wettgemacht durch das Wachstum in den meisten anderen Bereichen. Die Kreditsumme in Asien wuchs im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 17 Prozent. Die Erträge aus dem Privatkundengeschäft stiegen global um 24 Prozent. Und selbst im Aktienhandel, bei dem sich die Konkurrenz schwertut, konnte die HSBC zulegen.

Der Vorsteuergewinn verfünffachte sich von 843 Millionen Dollar auf 4,6 Milliarden Dollar. Das lag an Einmaleffekten im Vorjahr, darunter die Abwicklung des Brasiliengeschäfts. Der bereinigte Vorsteuergewinn ging leicht von 5,5 Milliarden Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum auf 5,4 Milliarden Dollar zurück. 74 Prozent des Gewinns stammten aus dem Asiengeschäft.

Die Anleger reagierten verhalten auf die Zahlen, an den Börsen in Hongkong und London ging der Aktienkurs leicht zurück. Ein Grund: Die Ausgaben der HSBC steigen schneller als die Erträge. So hat die Bank stark in die Digitalisierung, vor allem ihre Mobile-Banking-App, investiert. Gulliver verteidigte die Ausgaben in einer Telefonkonferenz mit Analysten: „Es ist wichtig, dass wir in dem Wachstumsumfeld weiter investieren.“

In den vergangenen beiden Jahren hatte das Management die Anleger mit Aktienrückkäufen von insgesamt 5,5 Milliarden Dollar bei Laune gehalten. Gulliver kündigte am Montag zunächst keine weiteren an. Die Bank schwimmt jedoch in Kapital. Die Kernkapitalquote liegt mit 14,6 Prozent deutlich über den angestrebten 13 Prozent.

Das neue Führungsduo, Aufsichtsratschef Mark Tucker und ab Februar Vorstandschef Flint, werden wohl Gullivers Asienkurs fortsetzen. Beide haben langjährige Erfahrung auf dem Kontinent. Tucker war die vergangenen acht Jahre Chef des Versicherungskonzerns AIA. Flint hat im Laufe seiner HSBC-Karriere 14 Jahre in Asien verbracht.

Die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum: Die erwarteten Leitzinserhöhungen der Notenbanken in den USA, Großbritannien und der Eurozone werden Milliarden in die Kasse der HSBC spülen. Auch die Volatilität könnte zurückkehren - und damit die Aussicht auf höhere Margen im Handel mit Anleihen, Währungen und Aktien.

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  • Schon etliche deutsche Flaggschiffe erhielten insbesondere von der deutschen medialen u. politischen Elite den Schwarzen Peter und wurden bzw. werden jahrelang für Fehlverhalten oder aus zeitgeistlichen Motiven an den Pranger gestellt.
    Oft sehr zum Nutzen ausländischer Investoren, die aus einer anderen Perspektive die nach unten geprügelten Kurse nutzen.
    Dannach bedauern alle, dass deutsche Anleger keine Aktien wollen und große Unternehmensanteile in ausländischer Hand sind.

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