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Ex-Kunsthändlerin Christine Novakovic wird neue UBS-Europachefin

Die Südtirolerin hat sich im UBS-internen Machtkampf durchgesetzt. Novakovic führt künftig die Europa-Tochter der Schweizer Großbank – und empfiehlt sich für höhere Aufgaben.
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UBS: Christine Novakovic neue Europachefin der Schweizer Großbank Quelle: UBS
Christine Novakovic

Die Bankerin aus Südtirol hat sich durchgesetzt.

(Foto: UBS)

Frankfurt Christine Novakovic rückt weiter auf in der Hierarchie der UBS. Zusätzlich zu ihrer Position als Chefin der Vermögensverwaltung in Europa, dem Nahen Osten und Afrika übernimmt sie ab September den Chefposten bei der UBS Europe SE, wie die Schweizer Großbank dem Handelsblatt bestätigte.

„Dieses Setup ermöglicht es uns, die Managementstruktur zu rationalisieren und zu vereinfachen, den internen Koordinierungsaufwand zu reduzieren und schnellere und flexiblere Entscheidungen in Bezug auf Märkte und Kunden zu ermöglichen“, erklärt Aufsichtsratschef Roland Koch in einem Memo an die Mitarbeiter.

Novakovic besetzt damit eine Schlüsselrolle innerhalb der UBS. Die UBS Europe SE war Ende 2016 gegründet worden und hat die regulatorische Verantwortung für elf europäische Länder inne. Zum März 2019 wurde die Londoner Einheit auf die Frankfurter Europe SE verschmolzen, um die UBS im Investmentbanking für den Brexit zu wappnen.

Im mit Abstand wichtigsten UBS-Standbein, der Vermögensverwaltung, hatte der alte Chef der Europe SE, Thomas Rodermann, nichts zu sagen. Die operative Verantwortung lag hierfür bei Novakovic als „Head Wealth Management EMEA“. Rodermann sollte sich nach dem Willen Novakovics auf die operative Führung der deutschen und österreichischen Filialen beschränken, was dem machtbewussten Manager laut Insidern gegen den Strich ging.

Im April kam es zum Bruch, Rodermann kündigte seinen Abschied an. Ende November geht er ganz, den Chefposten gibt er nun bereits zum 31. August ab.

Die UBS versucht derweil, den Gerüchten über eine Schlammschlacht um die Nachfolge entgegenzutreten. Offiziell spricht sie von einer Trennung „im besten gegenseitigen Einvernehmen“. „Christl Novakovic und Thomas Rodermann pflegten zu jedem Zeitpunkt einen respektvollen und professionellen Umgang innerhalb der Bank“, betonte ein Sprecher.

Mit der Berufung Novakovics schaffen die Schweizer nun jedenfalls Klarheit. Die operative wie regulatorische Leitung des europäischen Vermögensverwaltungsgeschäfts liegt damit in einer Hand.

Anders als Rodermann wird Novakovic nicht „Vorstandssprecherin“, sondern CEO genannt. „Thomas Rodermann war als Sprecher des Vorstandes ,primus inter pares', also gleichberechtigt mit den anderen Vorstandsmitgliedern. Die Rolle von Christl Novakovic wird demgegenüber erweitert“, so der Sprecher.

Novakovic berichtet weiter an Martin Blessing, den Co-Vorstand für das globale Wealth Management. Dieser erklärt: „Die Zusammenführung der Verantwortung für die UBS Europe SE und für das gesamte europäische Wealth-Management-Geschäft ist ein logischer Schritt, der uns dabei helfen wird, unsere Wachstumspläne sowohl in Deutschland als auch in Europa weiter zu beschleunigen.“

Bewegte Karriere

Die 55-jährige Novakovic gilt als gut vernetzt und hat sich in Zürich eine Hausmacht aufgebaut, mit der sie sich gegenüber dem in Frankfurt verwurzelten Rodermann durchgesetzt hat. Sie stammt aus Südtirol und hat bereits eine bewegte Karriere hinter sich.

Novakovic hat BWL und Europäisches Wirtschaftsrecht studiert. Mit 37 – damals hieß sie noch Christine Licci – wurde sie Chefin der Citibank. 2003 kürte sie die „Wirtschaftswoche“ zum „Manager des Jahres“. 2005 wurde sie Vorstand bei der Hypovereinsbank (HVB), schied jedoch binnen Jahresfrist wieder aus, als die HVB von der italienischen Unicredit aufgekauft wurde.

Novakovic verabschiedete sich damals mit harten Worten aus der Branche: Natürlich gebe es auch Vorstände, mit denen sie gerne zusammenarbeite. „Aber häufiger sind die anderen, die sich im Job aufbrausend und herrschsüchtig geben, die echte Kotzbrocken sind.“ In vielen Banken herrsche „nur noch Zockerei“. Sie heiratete erneut, zog in die Schweiz und wurde Kunsthändlerin. Mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Hunden lebt sie in Zürich. „Ich fühlte mich endlich frei“, sagte sie später dem Handelsblatt über ihren Berufswechsel. Er sollte von kurzer Dauer sein.

2011 kehrte Novakovic zurück in die Finanzwelt, kümmerte sich bei der UBS um Schweizer institutionelle und Unternehmenskunden, später um das inländische Investmentbanking. Warum die Rückkehr? „Weil sich die Bankenwelt zum Glück verändert hat“, so ihre Begründung. Durch die Finanzkrise habe ein Umdenken stattgefunden, Banken sähen sich wieder stärker als Dienstleister ihrer Kunden.

Schwächelndes Deutschland-Geschäft

In ihrer neuen Position als Chefin der Europe SE muss Novakovic nun unter anderem das schwächelnde Deutschland-Geschäft auf Vordermann bringen. Die UBS-Landesgesellschaft hat jahrelang Verluste geschrieben. Vorgänger Rodermann drückte mit einem Sanierungsprogramm 2016 die Kosten zwar um 40 Millionen Euro nach unten, wodurch er im Jahr darauf erstmals eine schwarze Null erreichte. Im Jahr 2018 dürfte das Deutschland-Geschäft einen minimalen Verlust erwirtschaftet haben.

Doch mit der nötigen Rückendeckung aus Zürich könnte Novakovic nun auf Angriffskurs gehen. Beobachtern zufolge könnte das auch Übernahmen beinhalten. „Deutschland ist und bleibt ein Kernmarkt von UBS in Europa. Wir sehen großes Potential, unseren Marktanteil in den kommenden Jahren noch deutlich auszubauen“, erklärte ein Sprecher. Die Kosteneffizienz werde weiter verbessert, ein Personalabbau sei nicht geplant.

Aktuell ist UBS mit rund 38 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen die Nummer drei im Geschäft mit reichen deutschen Kunden, das unter einem hohen Margendruck leidet. Viele kleinere Privatbanken und Vermögensverwalter konkurrieren hierzulande um Marktanteile.

Wie erfolgreich sich Novakovic bei der Leitung des Europageschäfts schlägt, dürfte auch über ihre weitere Karriere in der Schweizer Großbank entscheiden. Diese steht vor herausfordernden Quartalen.

Die UBS, die nach der Finanzkrise konsequent das Geschäft mit vermögenden und schwerreichen Privatkunden ausgebaut und dafür das Investmentbanking zurückgefahren hat, stößt derzeit an die Grenzen des eigenen Geschäftsmodells. Die Betreuung großer Vermögen verspricht zwar stetig fließende Erträge, im nun bevorstehenden Börsenabschwung drohen aber Mittelabflüsse und Ertragseinbrüche. Im zweiten Quartal zogen UBS-Kunden unterm Strich rund zwei Milliarden Dollar ab.

Erst im Frühjahr hatten Gerüchte die Runde gemacht, Aufsichtsratschef Axel Weber treibe die Suche nach einem Nachfolgekandidaten für den seit 2011 amtierenden UBS-Vorstandschef Sergio Ermotti voran. Der Schweizer tauchte wiederum als möglicher Kandidat für den Spitzenposten bei der britischen Großbank HSBC auf.

Gut möglich ist also, dass das Stühlerücken bei der UBS weitergeht – eine Etage höher. Christine Novakovic könnte sich das aus bevorzugter Position anschauen.

Mehr: Im Juni sprach UBS-Chef Sergio Ermotti mit dem Handelsblatt über die Konsolidierung der Bankenbrache und verriet, warum er es in Frankfurt auf einen milliardenschweren Rechtsstreit ankommen lässt.

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