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Experten in Alarmbereitschaft Warnruf vor Libra: Wie gefährlich ist Facebooks Kryptowährung?

Facebook will eine eigene globale Kryptowährung einführen. Aufseher und Zentralbanker sind in Alarmbereitschaft, sie fürchten um die Stabilität des Geldsystems. Beim G20-Treffen soll das Thema auf die Agenda.
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Facebooks Kryptowährung: Wie gefährlich ist Libra? Quelle: AFP
Mark Zuckerberg

Der Facebook-Chef hat hochfliegende Pläne.

(Foto: AFP)

New YorkEs könnte die Finanzwelt, wie wir sie bisher kannten, revolutionieren: Der neue Facebook-Coin Libra soll die erste stabile Kryptowährung der Welt werden, die dank der Verbreitung des sozialen Netzwerks Milliarden Menschen erreicht. Das größte soziale Netzwerk weltweit mit seinen 2,4 Milliarden Nutzern hat vergangene Woche ein erstes Konzeptpapier zu seiner digitalen Währung Libra veröffentlicht.

Nächstes Jahr schon sollen Nutzer mit Libra zahlen können, wenn alles so läuft wie geplant. Die Libra Association könnte bis zum Start auf 100 Mitglieder steigen. Alle zahlen eine Startgebühr von zehn Millionen Dollar und haben gleich viele Stimmrechte. Das ist wichtig für Facebook, um nicht den Eindruck zu erwecken, das von Mark Zuckerberg geführte Unternehmen habe zu viel Einfluss auf die Organisation.

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Dass die Währung das Wohlwollen von Aufsehern braucht, ist dem sozialen Netzwerk durchaus bewusst. „Libra muss richtig reguliert werden, sonst kann es nicht existieren“, sagte Facebooks Cheflobbyist Nick Clegg auf einer Podiumsdiskussion in Berlin. Facebook hat vor der offiziellen Vorstellung von Libra bereits erste Gespräche mit Aufsehern und Notenbankern geführt.

Wie sich jetzt zeigt, war das auch nötig – und könnte dennoch nicht genug gewesen sein. Die Kritik vonseiten der Politik an Libra wächst derzeit rasant – Facebooks Coin könnte sogar auf der Agenda der Staats- und Regierungschefs beim G20-Treffen landen, wie Randal Quarles, der Chef des Finanzstabilitätsrats FSB, eines internationalen Gremiums von Finanzregulierern, in einem Brief gefordert hat. „Neue Arten von Kryptowährungen, die zum Bezahlen im Einzelhandel eingesetzt werden können, müssten von den Behörden genau beobachtet werden, um sicherzustellen, dass auch für sie ein hoher Regulierungsstandard gilt“, stellte Quarles klar.

Er ist auch der Vizepräsident der US-Notenbank Federal Reserve und dort vor allem für das Thema Finanzregulierung zuständig. Das FSB würde gemeinsam mit anderen Aufsehern die Lage genau beobachten und wenn nötig einschreiten, so Quarles. „Wir denken über zusätzliche multilaterale Antworten nach“, heißt es weiter in dem Brief. Und Quarles ist längst nicht der einzige Kritiker.

Klar ist: Die Regulierer wollen verhindern, dass ihnen der Einfluss entgleitet oder Libra Schlupflöcher nutzt, weil die derzeitigen Regulierungen nicht für Kryptowährungen gemacht sind. Schließlich läuft das Libra-System weitgehend am klassischen Finanzsystem vorbei.

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Die Bank von England, die Federal Reserve, alle großen Zentralbanken und Aufseher müssten eine Aufsicht über dieses Projekt haben, forderte der Chef der Bank von England, Mark Carney. „Es muss sicher sein, oder es wird nicht passieren.“ Ähnlich äußerte sich Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. „Sollte Libra in größerem Umfang verwendet werden, sind weitreichende Implikationen für die Finanzbranche, für die Finanzstabilität und für die Geldpolitik nicht auszuschließen“, erklärte er.

Auch der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny glaubt, dass Libra angesichts der möglichen Größenordnung und der internationalen Ausrichtung „umfassende Regulierung auf internationaler Ebene erfordert.“ Grundsatz müsse dabei sein, dass gleiche Risken auch gleiche Regulierung und Aufsicht erfordern. So würden sich Fragen des Konsumentenschutzes und der Verhinderung von Geldwäsche und illegaler Aktivitäten stellen.

Aus Sicht von Felix Hufeld, dem Präsidenten der deutschen Finanzaufsicht Bafin, ist Libra eine große Herausforderung. „Wenn es abheben sollte als Produkt, als Geschäftsmodell, wird man politisch-regulatorisch darauf reagieren müssen“, sagte Hufeld im Frankfurter Wirtschaftsjournalistenklub ICFW. Es müsse unter anderem diskutiert werden, wie man Geldwäsche verhindern könne und wer eine solche Währung am Ende kontrolliere.

„Ich kann nur hoffen, dass es uns gelingt, mindestens europäisch, wenn nicht global ein paar Standards zu entwickeln“, sagte Hufeld. Das könne jedoch lange dauern. Positiv sei, dass man mit Facebook und der in der Schweiz angesiedelten Libra Association im Unterschied zum wilden Kryptouniversum zwei bekannte Ansprechpartner habe. „Man wüsste, wen man zur Not am Schlafittchen packen müsste, um was durchzusetzen.“

Drei große Baustellen

Experten sehen bei Libra mehrere Knackpunkte. So stellt sich die Frage, wie die private Kryptowährung in das bestehende regulatorische Korsett des Finanzsystems eingepasst werden soll. Der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau glaubt, dass Facebook für Libra vermutlich eine Banklizenz braucht. Falls das Projekt über die Abwicklung von Zahlungen hinausgehe, etwa ein Konto angeboten würde, müsse es auch wie eine Bank reguliert werden, sagte er dem französischen Wochenmagazin „L’Obs“. „Dafür ist in jedem Land eine entsprechende Banklizenz nötig, sonst ist der Betrieb illegal.“ Durch die Anonymität von Libra seien „die Risiken der Geldwäsche erhöht“.

Für Kryptodienstleister fordert das mächtige internationale Finanzgremium, die „Financial Action Task Force“ (FATF), ab diesem Juni einheitliche Lizenzierungs- und Registrierungsverfahren. Ab Kryptobeträgen von 1.000 Dollar müssen Firmen künftig die Kundenidentität prüfen und Transaktionen nachverfolgen. Dienstleister müssen auf Verlangen Guthaben einfrieren und Transaktionen stoppen. Das dürfte auch für Libra gelten.

Facebook und seine Partner müssten bei der Ausgabe neuer Coins ihre Kunden identifizieren, was bislang vor allem über den Personalausweis und andere staatliche Dokumente erfolgt. Doch wie will Facebook Millionen Kunden in Entwicklungsländern identifizieren, denen die nötigen Dokumente fehlen? Finanzkreisen zufolge setzt Facebook darauf, die Kundenidentifizierung durch schlaue Algorithmen auf Basis des eigenen Datenschatzes zu leisten. Ob das die Regulierer zufriedenstellt, ist jedoch fraglich.

Auch die Frage, was die Partnerunternehmen von Facebook alles mitbringen müssen, ist offen. Laut Experten wie Alireza Siadat von der Kanzlei Simmons & Simmons könnte insbesondere die EU-Regulierung zum Stolperstein werden. Bis Anfang 2020 muss hier die Fünfte EU-Geldwäscherichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Doch in Deutschland hat es der entsprechende Gesetzentwurf in sich

Demnach müsste jedes Unternehmen, das beim Geschäft mit Kryptowährungen wie Libra mitmacht, eine Lizenz der Finanzaufsicht Bafin beantragen – was auch für Facebooks Partner gelten würde. Die Vorstellung, dass sich beispielsweise der US-Fahrdienstvermittler Lyft jedoch allein für die Annahme von Libra-Coins bei der Bonner Behörde lizenziert, erscheint Experten als reichlich absurd.

Gravierende Einflüsse hätte eine erfolgreiche Einführung von Libra auf die Kompetenzen von Zentralbanken und die Staatsfinanzierung. Schließlich soll die Währung im Unterschied zu vielen anderen Coins durch Finanzanlagen gedeckt – und dadurch stabil – sein. Die sogenannten Libra-Reserven sollen aus Bankeinlagen bestehen sowie aus kurzfristigen Staatsanleihen stabiler Volkswirtschaften.

Die genaue Ausgestaltung ist jedoch noch offen. Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management, hat die möglichen Folgen durchgerechnet: Je nach Annahme könnte Libra demnach eine Marktkapitalisierung zwischen 100 und 500 Milliarden Dollar einnehmen. „Da dieses Volumen hinterlegt werden müsste, würde die Libra-Association über Nacht zu einem bedeutenden Nachfrager am Markt für Staatsanleihen werden“, sagt Sandner.

Zum Vergleich: Die USA wollen 2019 mehr als eine Billion Dollar an neuen Staatsanleihen ausgeben. Droht die Libra-Association künftig damit, Staatsanleihen einzelner Länder nicht mehr zu akzeptieren, könnten diese in eine Abhängigkeit vom privaten Konsortium geraten, weil es dann eine enorme Marktmacht besitzt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht denn auch zahlreiche Risiken durch Stablecoins wie Libra. „Insbesondere stellt sich die Frage, wie der Wert von Stablecoins garantiert werden kann“, sagte er in einer Rede.

Schweizer Jubel, deutsche Skepsis

Doch es gibt auch positive Stimmen. Kryptoenthusiasten hoffen auf einen späten Durchbruch für die virtuellen Währungen, von denen auch Bitcoin und Co. profitieren könnten. Der Kurs der wichtigsten und ältesten Kryptowährung hat seit der Vorstellung von Libra deutlich zugelegt und notierte am Mittwochnachmittag bei knapp 13.000 Dollar. So könnte der Facebook-Coin für inflationsgeplagte Staaten eine echte Erleichterung darstellen, hofften Kryptobefürworter im Netz: „Wenn ich Venezolaner wäre, würde ich doch eher heute als morgen mein Geld vor der Inflation in Sicherheit bringen und in Libra umtauschen.“

Die Hoffnung: Wenn sich dank Facebook mehr und mehr Nutzer an den Gebrauch von Kryptowährungen gewöhnen, könnte das auch den Gebrauch von Bitcoin und anderen digitalen Währungen fördern. „Viele sehen die Blockchain immer noch als Zukunftstechnologie. Libra jedoch zeigt eine alltägliche Anwendung“, sagt Adam Grimsley vom Londoner Kryptohedgefonds Prime Factor Capital.

Elektrisierend wirkten auf Beobachter die möglichen Folgen für die Entwicklungsländer. Laut Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der deutschen ING, könnte Libra Menschen einen Zugang zum Finanzsystem gewähren, die bisher kein Bankkonto besitzen – einfach über ein Facebook-Profil. „Wenn man es weiterdenkt, hat Libra natürlich durch die große Reichweite das Potenzial einer globalen Währung, definiert als Tauschmittel.“

Thomas Mayer, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, sagt: „Es ist in der Geschichte noch nie gelungen, technischen Fortschritt aufzuhalten – bei Libra wird es nicht anders sein. Die Kritik, die jetzt laut wird, erinnert an die Maschinenstürmerei aus dem 19. Jahrhundert.“ Politiker und Zentralbanker sorgten sich um ihre Macht über das Geld. Und die Banken stünden vor einer gewaltigen Herausforderung, weil sie aus ihrer Rolle als Abwickler von Zahlungen herausgedrängt würden, so Mayer.

Auch am Sitz der neuen Libra-Association, in der Schweiz, begrüßt man den Vorstoß von Facebook. Die Eidgenossen hoffen auf eine zentrale Rolle im Geldsystem der Zukunft. Die Genfer Stiftung soll die Reserven der Währung verwalten und ihre weitere Entwicklung vorantreiben, außerdem wie eine Notenbank als „Käufer in letzter Instanz“ für Stabilität sorgen. Dass die Schaltzentrale der neuen Währung ausgerechnet in dem Alpenland angesiedelt wurde, ist laut den Libra-Machern kein Zufall.

„In der Schweiz hat die Neutralität und Offenheit gegenüber der Blockchain-Technologie eine lange Geschichte, und der Verein soll eine neutrale, internationale Institution werden“, heißt es dazu im Konzeptpapier. In den vergangenen Jahren hatte sich in der Eidgenossenschaft eine ganze Reihe von Kryptofirmen angesiedelt. 2017 rief der damalige Bundesrat Johann Schneider-Ammann gar die „Krypto-Nation Schweiz“ aus.

Auch die Experten der Ratingagentur S&P räumen Libra große Chancen ein. „Wir glauben, dass Libra das Potenzial hat, eine Reihe von Finanzdienstleistungsaktivitäten umzukrempeln“, schreiben diese in einer aktuellen Studie. Die Banken treffe die neue Konkurrenz demnach zunächst vor allem im Zahlungsverkehr. Dort stünden für die Institute nicht nur zwischen zehn und fünfzehn Prozent ihrer globalen Erlöse auf dem Spiel. Die Banken liefen Gefahr, die wichtige Schnittstelle zu den Kunden zu verlieren. Die S&P-Analysten betonen jedoch auch, dass regulatorische Fragen geklärt sein müssten, um den Erfolg sicherzustellen. Sie halten es auch für möglich, dass der Start verschoben werden könnte, um alle Unklarheiten zu beseitigen.

Volker Wieland, Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung, sieht als wichtigsten Vorteil die große Zahl an Menschen, die bereits Facebook nutzen. Fraglich sei allerdings, wer sicherstelle, dass man jederzeit große Beträge von Libra in staatliche Währungen wechseln könne, ohne dass der Wert nachgebe. „Insofern dürfte es als Wertaufbewahrungsmittel, eine zentrale Funktion von Währungen, kaum taugen“, so Wieland.

Während Politiker in anderen Ländern kräftig gegen Facebooks Pläne austeilten, äußerten sich Schweizer Politiker denn auch sehr optimistisch: Es gehe darum, die „Blockchain-Revolution zu begleiten“, sagte der Genfer Staatsrat Pierre Maudet. Auch die Schweizer Notenbank zeigt sich offen. „Wir wussten alle, dass eines Tages etwas wie Libra auftauchen würde“, sagte Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied im Direktorium, auf einer Veranstaltung der Kryptobranche.

Moser lobte das Konzeptpapier von Facebook: „Das Whitepaper macht einen sehr professionellen Eindruck und zeigt, dass Facebook die Regeln befolgen und mit den jeweiligen Regulatoren zusammenarbeiten will.“

In Deutschland stößt der Plan jedoch auf deutlich weniger Gegenliebe. Die vielleicht wichtigste Äußerung zu Libra kam hier aus Bielefeld. Dort sprach CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer vor 400 Unternehmern der Modebranche. Thema ihrer Rede waren auch Plattformunternehmen wie Facebook.

Diese „sind für die Modebranche besonders schlimm“, referierte Kramp-Karrenbauer – und verwies auf den CDU-Gegenvorschlag eines sogenannten E-Euros. „Gestern haben unsere Digitalpolitiker ein Gegenmodell zu Libra entwickelt. Wenn wir es zulassen, dass ein Unternehmen eine eigene Währung aufbaut, dann reicht das Monopol noch viel weiter, eben auf die Zahlungsabwicklung. Wir müssen uns heute um dieses wichtige Thema kümmern, denn es wird die Geschäftsbeziehungen in der Zukunft massiv betreffen.“

Mehr: Führende Unions-Politiker wollen Kryptowährungen nicht China oder privaten Konzernen aus den USA überlassen – und denken an einen eigenen Stablecoin.

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4 Kommentare zu "Experten in Alarmbereitschaft: Warnruf vor Libra: Wie gefährlich ist Facebooks Kryptowährung?"

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  • Es ist erstaunlich und sehr traurig zugleich, dass die Weltöffentlichkeit Blockchain zu einer alternativlosen Zukunftstechnologie gekürt hat. Anscheinend hat man vor den immensen Druck der Medien kapituliert. Pokamun-Hype noch mal. Dabei ist Blockchain lediglich eine moderat komplexe Datenstruktur, eine Liste deren Elemente in- und aneinander verkettet sind. Bitcoin und andere benutzen diese Datenstruktur in deren Implementation. Die Alternativlosigkeit dieser Struktur und deren Anwendung, ist von mir (https://www.researchgate.net/publication/326834665_Directed_Acyclic_Graphs_Data-Flow_And_Distributed_Ledgers, https://www.researchgate.net/publication/332109334_Network_for_Information_Exchange_NIX_-_Stage_2_-) und Tausende andere infrage gestellt. Es scheint aber ein extrem schwieriges Unterfangen zu sein, die nackte Wahrheit als solche wahrzunehmen.
    Libra ist konzipiert, um für die Investoren durch Transaktionsgebühren Geld zu generieren (siehe https://libra.org/en-us/whitepaper). Die Transaktionsgebühren sind proportional zu der benötigten Rechenkapazität angekoppelt. Daher sind die nötige Ineffizienz und unnötige Komplexität inhärent zu Libra‘s Design. „Libra Libre“ ohne diesen Interessenkonflikt, kann nur durch eine Nicht-Profit-Organisation entwickelt werden.

  • - solange auf 50,- Euro Umsatz/Person/Monat beschränken bis Systeme stabil,
    - dann + 50 ... 1 Jahr ... + 50 ....

  • - Fortsetzung -

    Grundsätzlich sind die Kryptowährungen aber etwas Wunderbares. Der Großmeister der Austrian Economics, Friedrich August von Hayek, würde sich über sie wie ein kleines Kind freuen. Vehement forderte er in "Choice in Currency" und insbesondere in seinem meisterhaften "Denationalisation of Money" die Einführung von konkurrierendem Privatgeld und ein "Free Banking". Hayek war damals jedoch sehr pessimistisch darüber, ob es jemals dazu kommen würde: er wusste nämlich sehr wohl, dass der staatliche Geldmonopolist niemals freiwillig auf sein Monopol verzichten würde. Erst das Internet und die revolutionäre Blockchain-Technologie ermöglichten es, konkurrierendes Privatgeld (nämlich die Kryptowährungen) zu emittieren.
    Und hier haben wir tatsächlich einen WIRKLICHEN WÄHRUNGSWETTBEWERB: einige Kryptowährungen legen den Fokus auf die Transaktionsgeschwindigkeit, andere auf die (technische) Begrenzung der Geldmengenausweitung (= Inflation), wieder andere auf die Privatsphäre und die Anonymität (wie sie das Bargeld bietet), oder auf die Integrierung von "Smart Contracts" - und dieser wunderbare Wettbewerb hat z.B. auch bereits Kryptowährungen geschaffen, die gegen eine zukünftige "Bedrohung" durch Quantencomputer "resistent" sind. Es ist also für (fast) jeden etwas dabei. Wie wunderbar kann Wettbewerb sein!
    Nur dem größten Feind der wirtschaftlichen Freiheit der Menschen, nämlich dem Geldmonopolisten, gefällt dieser Wettberwerb natürlich nicht. Und genau deshalb sind alle Forderungen des Geldmonopolisten nach einem "Freihandel" nichts anderes als heuchlerisch.

  • Ich habe BEWUSST keinen Facebook-Account - und werde mir daher auch BEWUSST nicht deren Kryptowährung zulegen, obwohl ich ansonsten ein sehr großer Fan der Kryptowährungen bin.
    Facebook verkommt nämlich zunehmend zu einem Meinungs- und Gesinnungsblockwart. Während momentan noch "echte" Menschen nicht-konformistische User-Meinungen mit Account-Sperren o.ä. gängeln, wird das vermutlich schon sehr bald von KI übernommen werden. Und wie heute schon totalitäre Regierungen "missliebigen" Bürgern das Konto sperren können, so könnte Facebook sowas eben auch bei "missliebigen" Meinungen mit dem Libra-Wallet machen:
    "Außerdem, so werben seine Propagandisten, soll die neue „Weltwährung“ – anders als der derzeitige Marktführer Bitcoin – durch einen Korb internationaler Währungen und Staatsanleihen (!) unterlegt sein. Weshalb man sich bei Facebook einbildet, das Vertrauen der Kundschaft ausgerechnet damit erringen zu können, dass man ihr jene schwindsüchtigen Fiat-Währungen als Sicherheit anbietet, aus denen die Kryptofans aus guten Gründen flüchten, scheint rätselhaft.
    Besonders kritisch aber ist ein ganz anderer Aspekt: Viele Facebook-Nutzer haben bereits unschöne Erfahrungen machen müssen. Jene Zeitgenossen nämlich, die auch nur geringfügig vom Pfad der politisch korrekten Tugend abgewichen sind, haben bereits erlebt, dass sie für einen oder mehrere Tage gesperrt – also vom Zugang zu ihrem Profil abgeschnitten wurden. Es besteht also die keinesfalls grundlose Befürchtung, dass die Facebook-Blockwarte am Ende in gleicher Weise auch mit dem Zugang zum Konto verfahren könnten."
    https://ef-magazin.de/2019/06/27/15267-geplantes-neues-facebook-geld-libra--der-letzte-schrei-aus-utopia-oder-die-neue-internet-weltwaehrung

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