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EZB-Bericht über Finanzbranche Das große Banken-Sterben

Die europäische Bankenlandschaft schrumpft seit der Finanzkrise. Auch in Deutschland geht die Zahl der Geldhäuser zurück. Doch in der Euro-Zone liegt die Bundesrepublik weiter unangefochten an der Spitze.
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Deutsche Bank, Sparkassen, Volksbanken: Das große Bankensterben Quelle: Reuters
Ehemalige Zentrale der WestLB in Düsseldorf

Die WestLB zählt zu den wenigen Großbanken, die in Deutschland seit der Finanzkrise vom Markt verschwunden sind.

(Foto: Reuters)

FrankfurtÜber kaum ein Thema wird in der Finanzbranche so häufig und leidenschaftlich debattiert wie über Konsolidierung. Und die meisten Experten sind sich einig, dass mehr Zusammenschlüsse der schwächelnden europäischen Finanzbranche guttun würden. „Konsolidierung ist absolut notwendig“, findet etwa Daniele Nouy, die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB). „Und je schneller sie kommt, desto besser.“

Der Trend der Konsolidierung in Europa und gerade in Deutschland müsse sich beschleunigen, fordert auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan. „Denn Banken sind heute von Technologie getrieben und in vielen Bereichen ein reines Skalengeschäft“, betont der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Geldhaus. „Auf Dauer können nur Banken mit einer gewissen Größe bestehen, zumindest im Geschäft mit Privat- und kleinen Geschäftskunden.“

Die aktuellen Zahlen der EZB dürften Cryan somit gefallen. Denn die Zahl der Banken in der Euro-Zone ist seit der Finanzkrise 2008 um ein Viertel gesunken – auf 5073 Institute Ende vergangenen Jahres. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang von sieben Prozent. „Der Rationalisierungsprozess in der Bankenlandschaft der Euro-Zone hat sich 2016 fortgesetzt“, fassen die Autoren der Studie zusammen. Verantwortlich dafür sei unter anderem der Druck, Banken umzubauen und die Kosten zu begrenzen.

Höheres Tempo beim Filialsterben
Die Gründe für die Schließung der Filialen
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In den letzten beiden Jahren wurden in Deutschland etwa 2.200 Bankfilialen geschlossen. Ein Hauptgrund dafür ist die zunehmende Digitalisierung. Diese bringt zum Beispiel neue Technologien mit sich. Dadurch ändern sich auch die Kundenanforderungen, auf welche die Banken dann reagieren müssen. Neben diesen Gründen wollen die Banken selbstredend ihre Effizienz steigern. Außerdem spielt auch der demographische Wandel eine nicht unbedeutende Rolle.

(Quelle: KfW Research)

(Foto: dpa)
Die Zahlen
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Von 2001 bis 2015 nahm die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland durchgehend ab. Durchschnittlich wurden pro Jahr etwa zwei Prozent der Standorte geschlossen. 2002 wurden mit 5,6 Prozent prozentual die meisten Filialen aufgegeben. Zwischen 2006 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 0,5 Prozent und 1,7 Prozent. Seit 2013 steigen die Zahlen wieder, sodass 2015 vier Prozent der Standorte wegfielen.

(Foto: dpa)
Alle Kreditinstitutstypen sind betroffen
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Dass ein Kreditinstitutstyp besonders von dem Abbau betroffen ist, lässt sich nicht feststellen. Beispielsweise im Jahr 2015 wurden bei den Genossenschaftsbanken 3,9 Prozent der Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken waren es 3,8 Prozent und bei den Sparkassen 4,2 Prozent. Auch in den vorherigen Jahren sind die Unterschiede nicht gravierender.

(Foto: Reuters)
Fast alle Regionen betroffen
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Der innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die meisten Regionen in Deutschland von den Schließung der Filialen betroffen sind. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen ländlichen Regionen – seit 2000 wurden hier durchschnittlich 27 Prozent der Bankfilialen geschlossen – und Städten – hier waren es „nur“ 23 Prozent. Entgegen des allgemeinen Trends konnten auch einige Regionen einen Anstieg verzeichnen. Der Spitzenreiter dieser Regionen ist Frankfurt am Main (Bild) mit einem Anstieg von 59 Prozent.

(Foto: dpa)
Europäischer Durchschnitt
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Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei der Filialdichte angeht – mit 3,5 Filialen pro 10.000 Einwohner – im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Spanien mit 6,7 Standorten und Schlusslicht sind die Niederlande mit einer Filiale, hier wurden zwischen 2000 und 2015 66 Prozent der Zweigstellen geschlossen. In Ländern wie Frankreich und Portugal wurde das Filialnetz entgegen des Trends sogar deutlich ausgebaut.

(Foto: dpa)
Immer weniger Standorte
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Setzt sich der Trend weiter fort und das Tempo, in welchem die Banken geschlossen werden, bleibt weiterhin so hoch, werden im Jahr 2035 etwa 52 Prozent der Filialen geschlossen sein, die noch im Jahr 2000 existierten. Nebenbei müssen die Kreditinstitute die fortschreitende Digitalisierung bewältigen und versuchen, dass trotz des Rückbaus der Filialnetzes die Qualität und Quantität der Versorgung der Kunden nicht leidet.

(Foto: dpa)

Laut den EZB-Daten ging die Zahl der Banken von 2015 auf 2016 in allen Ländern der Euro-Zone zurück. In absoluten Zahlen sei der Rückgang in den Niederlanden (minus 112), in Deutschland (minus 71) und in Österreich (minus 64) am größten gewesen. Auf längere Sicht habe es in den Niederlanden sowie in Griechenland, Zypern und Spanien die stärksten Einschnitte gegeben.

Deutschland ist mit 1702 Banken nach wie vor einsame Spitze in der Euro-Zone. Mit weitem Abstand folgen Österreich (614), Italien (610) und Frankreich (480).  Prozentual ist die Zahl der Banken in Deutschland weniger stark gesunken als in den meisten anderen Ländern. Seit 2008 betrug der Rückgang in der Bundesrepublik 14 Prozent, von 2015 auf 2016 lediglich vier Prozent.

Kleine Fusionen statt großer Deals

Grundsätzlich ist die sinkende Zahl der Banken in der Euro-Zone nicht auf große Übernahmen zurückzuführen. Stattdessen gibt es neben einigen Bankschließungen vor allem Zusammenschlüsse innerhalb großer Bankengruppen. In Deutschland ist dabei der genossenschaftliche Finanzsektor mit den Volks- und Raiffeisenbanken der treibende Faktor. Alleine dort gab es im vergangenen Jahr 49 Fusionen. Die Zahl der Genossenschaftsbanken fiel in der Folge erstmals unter die Marke von 1.000 – auf 972 Institute.

Bei zahlreichen Bankern aus dem Sektor kommt diese Entwicklung nicht gut an. Die Stimmung bei vielen Volks- und Raiffeisenbanken sei schlecht, klagte Uwe Fröhlich, der Präsident des Branchenverbands BVR, im vergangenen Jahr. Grund seien die steigenden Belastungen durch regulatorische Vorgaben und die Niedrigzinspolitik der EZB. Immer mehr kleine Institute seien deshalb überfordert und müssten mit benachbarten Banken fusionieren. „Ein erfolgreiches Genossenschaftsbankenmodell wird zu Strukturreformen getrieben“, klagt Fröhlich. „Das ist ein Konsolidierungsprozess, der nicht ohne Schmerzen abläuft.“

Bis es zu großen, grenzüberschreitenden Bankfusionen kommt, wie sie EZB-Chefaufseherin Nouy vorschweben, dürfte es dagegen noch einige Zeit dauern. Die italienische Großbank Unicredit und andere Geldhäuser haben zuletzt zwar grundsätzliches Interesse an der Commerzbank signalisiert. Viele Finanzmanager und Bankenaufseher sind jedoch der Ansicht, dass es derartige Deals nicht vor 2019 geben wird. Denn fast alle Großbanken in der Euro-Zone sind derzeit noch gut damit beschäftigt, intern ihre Hausaufgaben zu erledigen.

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