EZB-Milliarden Deutsche Banken kaufen sich wieder frei

Anfang 2012 haben sich deutsche Banken Milliarden von der EZB geliehen, um durch die Krise zu kommen. Schon jetzt wollen die Institute damit beginnen, das Geld zurückzuzahlen – denn viele haben es gar nicht gebraucht.
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Das Spiegelbild der Commerzbank in einer Pfütze. Quelle: Reuters

Das Spiegelbild der Commerzbank in einer Pfütze.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie deutschen Geldhäuser lösen sich langsam wieder vom Tropf der Europäischen Zentralbank. Ein Jahr nach den Milliardenspritzen der Währungshüter wollen die Institute nach Informationen aus Finanzkreisen schon im Januar mit der Rückzahlung beginnen. Anfang 2012 hatten sie sich das Geld eigentlich für drei Jahre zum Mini-Zins von damals einem Prozent geliehen, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Inzwischen müssen die Banken nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen, da der Leitzins gesunken ist.

Vor einem Jahr war die Nervosität groß - die Euro-Schuldenkrise steuerte einem neuen Höhepunkt zu, die Geldmärkte drohten einzufrieren: In zwei Tranchen besorgten sich Europas Finanzinstitute daher rekordverdächtige eine Billion Euro, allein an deutsche Häuser flossen nach Schätzungen von Analysten 69 Milliarden. EZB-Präsident Mario Draghi wollte mit den Geldspritzen - auch bekannt unter dem Schlagwort LTRO - verhindern, dass die Schuldenkrise das Finanzsystem infiziert und die Banken wie Jahre zuvor kaum mehr an Geld kommen.

Vom 30. Januar an haben die Banken nun wöchentlich die Möglichkeit, das Geld aus der ersten Tranche von 489 Milliarden Euro zurückzugeben. Analysten von Barclays schätzen, dass die deutschen Banken schon bei erster Gelegenheit 25 Milliarden zurückzahlen. Die Commerzbank, die sich insgesamt 16 Milliarden Euro bei der EZB besorgte, hat bereits angekündigt, im ersten Quartal mit der Rückzahlung zu beginnen.

Finanzvorstand Stephan Engels will die zehn Milliarden Euro, die sein Haus in der ersten Runde genommen hatte, bis Ende März komplett tilgen. Deutschlands zweitgrößte Bank könne sich inzwischen günstiger refinanzieren als über die EZB, hatte er im November gesagt. Das würde im Grundsatz auch für die sechs Milliarden aus der zweiten Tranche gelten. Ihr Kreditgeschäft hat die Commerzbank ohnehin geschrumpft und braucht daher weniger Refinanzierungsmittel.

Die Deutsche Bank, die sich Finanzkreisen zufolge bis zu zehn Milliarden Euro bei der EZB besorgt hat, hält sich zu ihren Plänen offiziell noch bedeckt. Generell wolle das Institut das Geld nicht auf einen Schlag, sondern in kleinen Schritten zurückgeben, sagte ein Insider.

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Welche Banken die meisten Stellen streichen
Banken in London
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Barclays, Großbritannien - 3700 Stellen

Die Barclays Bank hat turbulente Monate hinter sich. Die Briten sind am Libor-Skandal beteiligt, Bankchef Bob Diamond nahm seinen Hut. Der neue Vorstandschef Antony Jenkins arbeitete einen umfassenden Umbau des Unternehmens aus. Die Bank kürzt 3700 Stellen. 1900 der Stellenstreichungen entfallen auf das Filialgeschäft. 1800 Arbeitsplätze fallen im Investment-Banking weg. Das Geldhaus beschäftigt insgesamt 23.000 Investmentbanker.

Die Zahlen basieren auf einer Zusammenstellung der Agentur Bloomberg (außer Barclays und Commerzbank). Es wurden ausschließlich Zahlen aus Unternehmensangaben und von Bloomberg zusammengetragene Daten berücksichtigt. Haben Banken eine Bandbreite von Arbeitsplätzen angekündigt, wurde die Obergrenze berücksichtigt. Stand: April 2013,

File photo of office workers waling past an ANZ Bank sign in central Sydney
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Australia & New Zealand Bank, Australien – 1000 Stellen

Die Australia & New Zealand Bank baut Stellen in vierstelliger Größenordnung ab. Das Institut (im Bild eine Filiale in Sidney) mit Sitz in Melbourne ist das viertgrößte in Australien. In Neuseeland ist die Bank die mit Abstand größte Geschäftsbank.

huGO-BildID: 4841795 Pedestrians stand outside a branch of the National Australia Bank (NAB) in central Sydney, 11 May 2005. NAB, Australia's bigges
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National Australia Bank (NAB) - 1400 Stellen

Auch Down Under hat die Finanzbranche Probleme. Die größte Bank Australiens, die National Australia Bank, kündigte Ende April den Abbau von 1400 Arbeitsplätzen an.

Moody's rating agency downgrades 15 international banks
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Société Générale, Frankreich – 1580 Stellen

Die französische Großbank kündigte im Januar an, mehr als 1500 Mitarbeiter abzubauen. Die Geschäftsbank mit Sitz in Paris hat weltweit rund 150.000 Angestellte.

File photo of the headquarters of Morgan Stanley is seen in New York
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Morgan Stanley, USA – 1700 Stellen

Die US-Investmentbank hatte zuletzt einen Milliardenverlust hinnehmen müssen. Die Mitarbeiter sollen weniger Geld erhalten – und es werden auch Stellen abgebaut. Die Bank kündigt den Abbau von 1700 Jobs im Investment-Banking an.

Pressekonferenz des Vorstandes der Deutschen Bank
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Deutsche Bank – 1900 Stellen

Die neuen Co-Chefs der Bank, Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain, stellen Deutschlands größtes Kreditinstitut neu auf. Vor allem im Investment-Banking wird gespart. 1900 Stellen werden gestrichen. Vor allem Banker in London und New York müssen gehen.

Irland greift Banken mit bis zu 7,5 Milliarden Euro unter die Arme
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Allied Irish Bank – 1900 Stellen

Die verstaatlichte Allied Irish Bank will rund ein Sechstel ihrer Stellen abbauen. In der Finanzkrise erhielt das Institut mehr als 20 Milliarden Euro Staatshilfe.

Die Pfandbriefbank pbb, Nachfolgerin der in der Finanzkrise kollabierten Hypo Real Estate (HRE), hatte bei der EZB ebenfalls zugegriffen und sich bei den beiden Tranchen jeweils rund zwei Milliarden Euro geholt. Vom LTRO I könnten nun im Januar bereits 20 Prozent vorzeitig zurückgezahlt werden, verlautete aus Kreisen des Instituts. Die Immobilienbank habe genügend Liquidität, auch weil sie 2012 deutlich weniger Neugeschäft gemacht hat als geplant.

Die Wiesbadener Konkurrentin Aareal Bank, die beim LTRO II Kreisen zufolge mit einer Milliarde Euro zugegriffen hatte, kann erst beim zweiten Termin Ende Februar Geld zurückgeben. Nach Angaben von Insidern ist darüber aber noch nicht entschieden. Die VW -Finanztochter Volkswagen Financial Services, die sich zwei Milliarden Euro geliehen hatte, wollte sich nicht zu ihren Rückzahlungsplänen äußern.

"Für viele Institute war der LTRO eine Rückversicherung, die man am Ende gar nicht gebraucht hat", sagte ein Banker. "Und das Gute daran ist: Wer Geld genommen hat, dessen Image hat noch nicht einmal gelitten." In der Tat hat sich die Lage auf dem Refinanzierungsmarkt deutlich entspannt, nachdem EZB-Chef Draghi im Juli erklärt hatte, die Euro-Zone um jeden Preis zu verteidigen. Etliche Großbanken können sogar wieder unbesicherte Anleihen bei Investoren platzieren.

Selbst in Euro-Schuldenländern wie Spanien und Italien sehen sich manche Banken gut genug gerüstet, um einen Teil des EZB-Geldes zurückzugeben. Schließlich ist eine frühzeitige Rückzahlung auch ein wichtiges Signal der Stärke an Investoren und Ratingagenturen. Wie die EZB die wöchentlichen Daten veröffentlicht, ist noch offen.

  • rtr
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1 Kommentar zu "EZB-Milliarden: Deutsche Banken kaufen sich wieder frei"

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  • "Inzwischen müssen die Banken nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen, da der Leitzins gesunken ist."

    Das dürfte doch ein Fall für ein wachsames Bundeskartellamt sein. Aber von dort hört man nichts. Zumindest habe ich davon noch nichts gehört.

    Vielleicht ist es aber auch schon wegen besonderer Leistungen aufgelöst. Aufgefallen wäre es jedenfalls nicht.

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