Fahrenschon-Nachfolger Helmut Schleweis soll Sparkassen-Präsident werden

Die Sparkassen-Finanzgruppe hat sich auf einen Nachfolger für den zurückgetretenen Präsidenten Georg Fahrenschon verständigt. Das Amt soll Helmut Schleweis übernehmen, ein Sparkassen-Urgestein.
Update: 28.11.2017 - 18:13 Uhr 1 Kommentar
Der künftige Sparkassen-Präsident in den Räumen der Sparkasse Heidelberg (Aufnahme aus dem Jahr 2010). Quelle: Bernhard Kreutzer
Helmut Schleweis

Der künftige Sparkassen-Präsident in den Räumen der Sparkasse Heidelberg (Aufnahme aus dem Jahr 2010).

(Foto: Bernhard Kreutzer)

BerlinDie Sparkassen-Finanzgruppe hat sich auf einen Nachfolger für den zurückgetretenen Präsidenten Georg Fahrenschon verständigt. Helmut Schleweis soll neuer Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes werden (DSGV). Der 63-Jährige ist derzeit Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Heidelberg und in Personalunion Bundesobmann, also der ranghöchste Interessenvertreter der Sparkassen im DSGV. „Das ist eine Überraschung“, sagte ein Sparkassenfunktionär. In den vergangenen Wochen wurden Schleweis allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt.

Auf jeden Fall ist er ein Sparkassen-Urgestein und kennt die Organisation bis ins Detail. Der gebürtige Heidelberger führt die ortsansässige Sparkasse seit 2002. Seit 2009 ist er zudem Bundesobmann im Spitzenverband.

Anders als seine Vorgänger Fahrenschon und Heinrich Haasis ist Schleweis in Berlin politisch allerdings kaum verdrahtet. Auch bricht seine Berufung mit einer ungeschriebenen Tradition: Üblicherweise sind die DSGV-Präsidenten Mitglieder der CDU/CSU. Schleweis steht zwar den bürgerlichen Parteien nahe, hat aber kein Parteibuch.

Mit der Entscheidung demonstriert der DSGV Handlungsfähigkeit in schwierigen Zeiten. Denn einen Tag vor der geplanten Wiederwahl Fahrenschons am 8. November platzte die Bombe. Der ehemalige bayerische Finanzminister hatte es nicht für nötig befunden, die Verbandsgremien darüber zu informieren, dass die Staatsanwaltschaft München gegen ihn schon vor Monaten Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung erlassen hatte. Erst durch Presseberichte wurde die Steueraffäre bekannt.

Fahrenschon räumte ein, eine „Riesendummheit“ begangen zu haben, auch wenn er nicht vorsätzlich Steuern hinterzogen haben will. Er wolle sein Bestes geben, um das verloren gegangene Vertrauen wiederzugewinnen, kündigte er an. Doch dafür war es zu spät. Massiver Druck führte schließlich dazu, dass Fahrenschon seine Ämter am 24. November niederlegte. Vier Tage später haben die Präsidenten der Sparkassen-Regionalverbände nun einstimmig beschlossen, Schleweis als DSGV-Präsidenten vorzuschlagen.

Noch vor Weihnachten soll er gewählt werden. „Mit Helmut Schleweis übernimmt einer der profiliertesten und erfahrensten Sparkassenmanager die Aufgaben des DSGV-Präsidenten“, sagte Thomas Mang, Vizepräsident des DSGV. Die strategische Ausrichtung werde in beste Hände übergeben. Schleweis selbst sprach angesichts der einstimmigen Nominierung von einem „großen Vertrauensbeweis“, der eine gute Grundlage für die schwierigen Aufgaben biete, „die vor uns liegen“.

Die offizielle Wahl Schleweis’ erfolgt durch die Mitgliederversammlung. Sie besteht aus den elf Regionalverbänden, den Landesbanken sowie den Vertretern der kommunalen Spitzenverbände, die die Träger der Sparkassen repräsentieren. Doch die Musik bestimmen eindeutig die Regionalverbände.

Da das Machtvakuum an der Spitze möglichst schnell geschlossen werden sollte, war klar, dass externe Kandidaten kaum Chancen hatten. Unmissverständlich erklärten Verbandsvorsteher, die anonym bleiben wollten, das Experiment mit dem ehemaligen Landesminister Fahrenschon für gescheitert – und machten sich für eine interne Lösung stark.

Regionalfürsten zieren sich

In dieser Gemengelage lief zunächst alles auf Vizepräsident Mang zu, der auch der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbands ist. Doch er wollte den DSGV nur für eine Übergangszeit führen – und nicht dauerhaft. In einem Brief erklärte Mang kürzlich, warum. So gelte er als Landesbanken-kritisch, was im Verband zu einer Zerreißprobe hätte führen können.

Nach Mangs Absage wurde in der Sparkassen-Finanzgruppe unter anderem Michael Breuer, der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands, als Kandidat für die Fahrenschon-Nachfolge gehandelt. Der ehemalige Europaminister des Landes Nordrhein-Westfalen ist CDU-Mitglied und sehr eloquent. Doch auch Breuer hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er nicht nach Berlin wechseln will. Gleiches galt für Peter Schneider, den Präsidenten des einflussreichen Sparkassenverbands Baden-Württemberg.

Somit war der Weg frei für Schleweis, der die Sparkassen-Familie so gut kennt wie kein Zweiter. Als langjähriger Bundesobmann werde Schleweis – im Gegensatz zu Fahrenschon – keinerlei Eingewöhnungsprobleme haben, sagte ein Sparkassen-Funktionär: „Er kennt die DSGV-Gremien in- und auswendig.“ In der Finanzgruppe wird davon ausgegangen, dass Schleweis dem DSGV maximal für eine sechsjährige Amtszeit als Präsident vorstehen wird. Schon in wenigen Jahren werde sich der Verband somit erneut auf die Suche nach einem neuen Präsidenten machen müssen, betont ein Funktionär. „Denn Schleweis ist schon 63 – er wird den Job nicht ewig machen.“

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