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Federal Reserve Deutsche Bank fällt als einziges Institut beim US-Stresstest durch

Die Aufseher bemängeln erneut „erhebliche Schwächen“ bei der Datenverarbeitung und bei internen Kontrollen. Auch große US-Banken schnitten schlechter ab.
Update: 29.06.2018 - 01:27 Uhr 4 Kommentare

Setzen, Sechs! Deutsche Bank fällt bei Stresstest durch

New York Weiterer Rückschlag für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Das Frankfurter Institut ist erneut durch den Stresstest der US-Notenbank Federal Reserve gefallen.

Die Fed begründete die Entscheidung – ähnlich wie bereits in den Jahren 2015 und 2016 – mit „erhebliche Schwächen“ bei der Fähigkeit der Bank, Daten zu verarbeiten. Das gelte auch für die „Kontrollmechanismen, die den Prozess der Kapitalplanung unterstützen“, teilte die Fed am Donnerstag mit. Schwächen gebe es zudem bei den „Annäherungen und Annahmen, die die Bank verwendet, um Erträge und Verluste unter Stress vorherzusagen.“

Als Konsequenz darf die US-Holding der Frankfurter vorerst kein Kapital zurück an die Zentrale überweisen und muss bei den internen Prozessen nachbessern. Die Deutsche Bank ist das einzige Geldhaus, dessen Kapitalpläne abgelehnt wurden. Alle anderen 34 Institute haben bestanden. Das heißt sie dürfen wie geplant über Aktienrückkäufe und Dividenden Kapital an ihre Aktionäre ausschütten.

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Das Ergebnis für die Deutsche Bank war erwartet worden. Schon lange hat das Frankfurter Institut Probleme mit den US-Regulierern. Erst vor Kurzem sickerte durch, dass die Fed die US-Aktivitäten der Bank bereits im vergangenen Jahr mit einem schlechten Rating versehen hatte. Daraufhin landete das Institut auf der Liste der „Problembanken“ bei der US-Einlagensicherung FDIC.

Fed-Aufseher machten deutlich, dass es bei dem Test lediglich um das US-Geschäft und nicht um die Deutsche Bank als Ganze gehe. Die amerikanische Zwischenholding jedoch habe immer noch eine ganze Reihe an Defiziten bei der Kapitalplanung, was auch Umsatz- und Verlust-Modelle betreffe, ebenso wie das Risikomanagement und interne Audit-Funktionen, hieß es. Die Fed legt seit der Finanzkrise jedoch darauf besonderen Wert.

„Die Regulierer erwarten zunehmend, dass Banken ausreichende interne Kontrollen haben. Das soll sicherstellen, dass die etablierten Prozesse solide sind“, erklärt McKinsey-Berater Lorenzo Sorino.

Die erste Runde der Stresstests vergangene Woche hatte die Bank bestanden. Damals ging es um quantitative Aspekte. Die Frankfurter haben die US-Zwischenholding, DB USA, mit ausreichend Kapital ausgestattet, so dass Kapitalniveaus nicht das Problem sind. Die zweite Runde der Tests am Donnerstag zielte dagegen auf qualitative Aspekte ab.

Die amerikanische Zwischenholding habe „erhebliche Investments“ getätigt, um die Probleme zu beheben, teilte das Institut mit. Sie „macht weiter Fortschritte bei einer Reihe von Programmen“, versicherte die Bank. Man wolle weiterhin konstruktiv mit den Aufsehern zusammenarbeiten.

Aktionäre von US-Banken können sich auf üppige Ausschüttungen freuen

Die Aktionäre vieler US-Banken können sich nun auf üppige Ausschüttungen einstellen. Den großen Wall-Street-Häusern geht es so gut wie lange nicht mehr. Sie schreiben – auch dank der Steuerreform – Rekordgewinne, profitieren von steigenden Zinsen, einer wachsenden US-Wirtschaft und von Mega-Deals. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren.

Citigroup etwa hob die Dividende um 13 Cent auf 45 Cent an und kündigte Aktienrückkäufe in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar an. Wells Fargo hob die Dividende um vier Cent auf 43 Cent an und will Aktien im Wert von bis zu 24,5 Milliarden Dollar zurückkaufen.

Ein paar Banken jedoch müssen konservativer sein als geplant. Amerikas größtes Finanzhaus JP Morgan Chase, American Express, sowie zwei Regionalbanken haben ihre Ausschüttungspläne in der vergangenen Woche nach unten korrigiert.
JP Morgan gab sich dennoch großzügig: Das Institut wird die Dividende von 56 auf 80 Cent anheben und bis zu 20,7 Milliarden Dollar an Aktien zurückkaufen.

Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die Depotbank State Street dürfen lediglich das Niveau vom Vorjahr halten, während die anderen Institute spendabler sein dürfen. Grund dafür sei bei Goldman und Morgan Stanley vor allem ein einmaliger Effekt, der auf die US-Steuerreform zurückzuführen ist. Das habe dazu geführt, dass die Häuser unter dem größtmöglichen Stress-Szenario vorgeschriebene Kapitalquoten unterschritten hätten, erklärte die Fed. Die Firmen würden jedoch unter normalen Umständen ihre Nachsteuergewinne in den kommenden Monaten steigern können und somit langfristig von der Steuerreform profitieren.

Bei State Street hatte die Fed im Stresstest ein Kontrahentenrisiko festgestellt, „das große Verluste produziert hat“, erklärten die Aufseher. Doch es sei relativ einfach für das Institut, das Problem zu beheben.

Den Bankaktien gaben die Stresstest-Ergebnisse einen willkommenen Auftrieb, nachdem der S&P Financials Index zuletzt 13 Tag in Folge gesunken war und damit einen neuen Negativ-Rekord aufgestellt hatte. Die Papiere von Citigroup und JP Morgan lagen nachbörslich gut zwei Prozent im Plus, Wells Fargo, zuletzt von mehreren Skandalen geplagt, stieg um drei Prozent.

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4 Kommentare zu "Federal Reserve: Deutsche Bank fällt als einziges Institut beim US-Stresstest durch"

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  • Noch steuern die Amerikaner den Kurs der Deutschen Bank (5,1% des Aktienvolumens waren am 4.6.2018 in Shortposition) mit Unterstützung auch einiger deutscher Medien. Es bleibt zu hoffen das dieses ehemalige deutsche Flaggschiff wieder Fahrt aufnimmt und seinen Kurs wieder selbst bestimmt. Ich glaube an Hr. Sewing.

  • @Herr Helmut Metz
    Die EZB und auch die deutsche Politik sind KEINE FREUNDE der deutschen Bank und auch nicht anderer deutschen Banken:
    Die Commerzbank musste für die Bürgschaften durch die Bundesrepublik Deutschland 9 - in Worten NEUN - Prozent Zinsen zahlen!
    Die Negativzinsen für EZB Einlagen kosten der Deutschen Bank und der Commerzbank pro Jahr mehrere 100 Millionen Euro!

    Die Überregulierung der Banken und die damit verbundenen unsinnigen Einschränkungen im Geschäftsmodell (davon profitieren hochriskante Hedgefonds) und die hohen Kosten für die externen Bankenregulierer schaden den Banken bei den Erlösen wie bei den Kosten.

    Also bitte weder die EZB noch die deutsche Politik als "Bankenfreund" bezeichnen - sie sind es nicht. Bei der deutschen Politik sehe ich vor allem Unfähigkeit, personifiziert in Merkel.

  • Das ist die später Revanche der Amerikaner:
    Die Deutsche Bank hat 2006/2007 als EINZIGE Bank vor den Asset-backed-securities, den Giftpapieren, gewarnt und so eine noch schlimmere Kirse verhindert.
    Danke Herr Ackermann, Sie waren mutig!

    Ich hoffe Herr Sewing ist ebenso mutig und reduziert das US-Geschäft und die US-Boni. Es kann nicht sein, dass die Aktionäre immer Geld geben dürfen: Für Strafzahlungen und für die exorbitanten US-Boni für hochspekulative US-Investmentbänker.

  • Heute sehen Sie HÄRTESTE MARKTMANIPULATION beim Aktienkurs der Deutschen Bank (wie auch bei fast allen Bankaktien). Da wird sich erst gar nicht mehr um irgendwelche Verschleierung / Tarnung geschert.
    Die DB fällt gestern beim US-Stresstest durch, und heute ist die Bank fast der größte Top-Performer im DAX? Die EZB macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Da muss es hinter den Kulissen tatsächlich lichterloh brennen.
    Ja, da stehen halt ca. 55 BILLIONEN EUR an Derivate-Exposure auf der Kippe.
    In der Medizin wäre die Deutsche Bank ein Patient mit apallischem Syndrom (schwerste Form der Enthirnungsstarre). Ohne Beatmung und Intensivmedizin durch die EZB mausetot.
    Das wird sie trotzdem bald sein - und zwar INKLUSIVE DER EZB. Der die Agonie des Finanzsystems endlich erlösende Tod wird jedoch aus einer ganz anderen Richtung kommen. Das können die sozialistischen Zins- und Makroklempner bei den Zentralbanken nun nicht mehr verhindern.
    Dazu demnächst mehr hier bei Ihrer Truman Show...

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