Feier für Rolf Breuer Ein Hauch von Deutschland AG

Die Geburtstagsfeier der Uni-Forschungsgesellschaft CFS für Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer wirkt wie eine Zeitreise in die Vergangenheit des Finanzplatzes. Vom Brexit kaum ein Wort – und ein Thema bleibt ganz tabu.
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Der Ex-Deutsche-Bank-Chef fordert eine bessere Aktienkultur in Deutschland.
Rolf Breuer

Der Ex-Deutsche-Bank-Chef fordert eine bessere Aktienkultur in Deutschland.

FrankfurtEin Hauch von Deutschland AG wehte am Donnerstag durch die Flure des Kasinos der Frankfurter Goethe-Universität. Die Gesellschaft für Kapitalmarktstudien, modern-englisch Center for Financial Studies (CFS), hatte zu einer Art Geburtstagssymposium für ihren langjährigen Vorstands- und Präsidiumschef Rolf-E. Breuer geladen. Breuer prägte als Chef der Deutschen Bank und Fürsprecher des Frankfurter Finanzplatzes die Wirtschaft in einer Zeit, als deutsche Großkonzerne noch enge Verbündete waren.

Das spiegelt sich in der Liste der Gäste und Redner an diesem nasskalten Novemberabend wider. Gekommen ist ein Who’s who der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Die früheren Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper und Jürgen Fitschen sind da, der frühere Vorstands- und Aufsichtsratschef der Commerzbank, Martin Kohlhausen, der Privatbankier Friedrich von Metzler, der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch und Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

Wo die Chefs der Deutschen Bank weiter Karriere machten
Anshu Jain
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Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Anshu Jain, hat einen neuen Job: Nach einem Intermezzo als Berater für die Fintech-Firma Social Finance aus dem Silicon Valley wird Jain nun „President“ bei der US-amerikanischen Investmentbank Cantor Fitzgerald mit Sitz in New York City. Dort soll er sich um den Ausbau des Asien-Geschäftes kümmern. Anshu Jains Karriere endet also nicht mit dem Ausstieg aus der Deutschen Bank. Damit ist er als Ex-Deutsche-Bank-Chef in guter Gesellschaft ...

Josef Ackermann
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Der Schweizer Bankmanager Josef („Joe“) Ackermann war von 2002 bis 2012 Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Geldhauses. 2010 übte er parallel Tätigkeiten für die Zurich Insurance Group (damals noch Zurich Financial Services AG) aus und wechselte nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank vollständig dort hin. Von Ende März bis August 2013 war er Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group. Seit Ende 2014 ist Ackermann Aufsichtsratsvorsitzender der Bank of Cyrus.

Rolf E. Breuer
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Rolf E. Breuer war von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher und von 2002 bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank – und sorgte mit seinen kritischen Äußerungen zur Mediengruppe Kirch für Furore. Nach seiner Amtsniederlegung ist Breuer im Ruhestand, übt aber zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten aus: Der heute 69-Jährige war und ist laut FAZ Mitglied in mehr als 30 Kuratorien und Gremien, unter anderem sitzt er im Hochschulrat der Goethe-Universität Frankfurt und ist Förderer der Komischen Oper in Berlin. Gemeinsam mit anderen Ex-Vorständen der Deutschen Bank teilt er sich ein Büro in Frankfurt.

Hilmar Kopper
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Der 1935 in Polen geborene Hilmar Kopper war von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Danach wechselte er in den Aufsichtsrat von DaimlerChrysler, wo er von 1998 bis 2007 Vorsitzender war. Später wurde Kopper Chefkontrolleur der HSH Nordbank, später dann Aufsichtsratsvorsitzender. Ende Februar 2013 legte er sein Amt nieder.

Wilfried Guth
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Der Neffe von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard, Wilfried Guth, war von 1976 bis 1985 einer der beiden Vorstandssprecher und bis 1990 Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Dem Kontrollgremium gehörte er bis 1995 an. Auch bei anderen Spitzenunternehmen wie Allianz, Siemens oder Henkel hatte er Aufsichtsratsmandate inne. Guth starb am 15. Mai 2009 im Alter von 89 Jahren. Auf Wilfried Guth folgte Alfred Herrhausen an der Spitze der Deutschen Bank. Herrhausen war ab 1985 gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Christians Vorstandssprecher, ab 1988 alleiniger Vorstandschef. Weltweites Aufsehen erregte sein Tod: Als Herrhausen am 30. November 1989 sein Haus in Bad Homburg vor der Höhe verließ, um mit dem Dienstwagen zur Arbeit zu fahren, wurde er Opfer eines Bombenattentates. Später bekannte sich die linksterroristische RAF zu dem Mord.

Friedrich Wilhelm Christians
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Friedrich Wilhelm Christians, dessen Berufswunsch eigentlich Diplomat gewesen war, fand während seines Praktikums bei der Deutschen Bank Gefallen am Bankgeschäft. Der „Außenpolitiker“ war 1985 der erste westliche Wirtschaftsvertreter, der mit Michail Gorbatschow sprach und danach einen 3,5-Milliarden-Mark-Kredit einfädelte. 1965 wurde er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen, 1976 stieg er gemeinsam mit Wilfried Guth zum Vorstandssprecher auf, bis er 1988 in den Aufsichtsrat wechselte. Bis zu seinem Tod blieb er der Deutschen Bank treu.

Franz Heinrich Ulrich
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Nach seinem Jura-Examen trat Franz Heinrich Ulrich 1936 in die Deutsche Bank ein, bis er 1939 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Obwohl er im Krieg schwer verwundet wurde, arbeitete er danach als persönlicher Mitarbeiter von Hermann Josef Abs bei der Deutschen Bank weiter. Als dessen Nachfolger Karl Klasen Anfang 1970 zur Deutschen Bundesbank wechselte, wurde Ulrich alleiniger Vorstandssprecher und anschließend Aufsichtsratsvorsitzender bis zum Juli 1984. Wegen der Spätfolgen seiner schweren Kriegsverletzung zog er sich danach in den Ruhestand zurück.

Grußworte hat sich der Jubilar, der Anfang November seinen 80. Geburtstag feierte, verbeten. Er habe sich stattdessen eine „spannende Diskussion“ über Kapitalmarktentwicklungen gewünscht, leitet Jan-Pieter Krahnen, CFS-Direktor und Professor an der Goethe-Universität, die Gesprächsrunde ein. Die Herren auf dem Podium lassen dann allerdings mehr das Gestern aufleben, als nach vorne zu schauen. In einer launigen Fünf-Minuten-Rede wird Breuer später fein anmerken, „der zweite Teil der Diskussion“ habe ihn „begeistert“, weil es da um die Zukunft gegangen sei. Genauer um die deutsche Aktienkultur, die Breuer international noch immer für „nicht satisfaktionsfähig“ hält.

Vor allem der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch, heute Aufsichtsrat der Europa-Einheit der Schweizer Großbank UBS, hielt ein Plädoyer für die Aktie und wandte sich gegen zu hohe Hürden für die Beratung beim Aktienkauf. Koch geißelt die „Schutzwälle“, die nicht so hoch sein dürften, dass niemand mehr wisse, was sich hinter diesen Schutzwällen befinde. Und er kritisiert Hindernisse, „als ob einer tendenziell mit Sprengstoff handelt, dabei will er nur eine Aktie kaufen“. Dafür erhält er Szenenapplaus im Saal.

Das dürften Worte ganz nach dem Geschmack Breuers gewesen sein. Bei der Gesellschaft für Kapitalmarktstudien saß er Jahrzehnte in Vorstand und Präsidium. „Seit 1886“, wie deren heutiger Präsident, Otmar Issing, versehentlich sagt. Erst beim zweiten Mal fällt Issing auf, dass er sich um 100 Jahre verrechnet hat. Aber Breuers Engagement war auch so lange genug, um sich den Spitznamen „Mr. Finanzplatz“ redlich zu verdienen.

Von „Finanzplatz“, „Börse“ und „Aktienkultur“ ist an diesem Abend so viel die Rede, dass man ganz vergessen könnte, dass Breuer auch jahrelang Chef der Deutschen Bank war. Er leitete die Internationalisierung des größten deutschen Finanzinstituts ein. Im Rückblick muss man allerdings sagen: Er war auch ein sehr kostspieliger Vorstandsvorsitzender für die Bank.

An der Frankfurter Universität mag Breuer in erster Linie Mr. Finanzplatz sein, in der breiten Öffentlichkeit ist vor allem ein Satz über den früheren Medienmogul Leo Kirch in Erinnerung geblieben. „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte er im Februar 2002 in New York einem Bloomberg-Reporter.

Breuer sprach nur aus, was die meisten ohnehin dachten. Aber weil Kirch Deutsche-Bank-Kunde war und weil sein Medienimperium bald darauf Insolvenz anmeldete, landete der Fall vor Gericht. Kirch machte Breuers Aussagen für die Pleite verantwortlich. „Der Rolf hat mich erschossen“, hat er einmal über Breuer gesagt. Nach jahrelangem Prozessieren zahlte die Bank den Kirch-Erben am Ende 925 Millionen Euro. Breuer beteiligte sich an dem Schaden für die Bank mit 3,2 Millionen Euro.

Die Kirch-Affäre beendete Breuers Bankerlaufbahn. Denn als der Bundesgerichtshof Leo Kirch 2006 grundsätzlich den Anspruch auf Schadensersatz zusprach, trat Breuer von seinem Posten als Aufsichtsratschef der Bank zurück. Auf die Frage, wie sehr es ihn belaste, dass er mit diesem Satz immer wieder zitiert werde, sagte er vor kurzem in einem dpa-Interview: „Daran habe ich mich gewöhnen müssen. Man darf das nicht zu sehr an sich herankommen lassen.“

Die Kapitalerhöhungen der Deutschen Bank
April 1999
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Um den Erwerb der US-Investmentbank „Bankers Trust“ zu finanzieren, griff der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer zu einer Kapitalerhöhung von 3,3 Milliarden Euro. Dabei wurden etwa 80 Millionen Aktien ausgegeben.

September 2008
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Ab 2002 übernahm der Schweizer Josef Ackermann das Steuer bei der Deutschen Bank. Im September 2008 übernahm die Deutsche Bank 29,75 Prozent an der Deutsche Postbank AG. Um dies zu finanzieren, platzierte die Deutsche Bank insgesamt 40 Millionen Namensaktien bei den institutionellen Anlegern. Der Bruttoemissionserlös belief sich damals auf rund 2,2 Milliarden Euro.

März 2009
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Bereits sechs Monate nach der letzten Kapitalerhöhung gab die Deutsche Bank im März 2009 etwa 50 Millionen neue Aktien aus – im Wert von 958 Millionen Euro. Diese erneute Kapitalerhöhung diente weiterhin der Finanzierung der Übernahme einer Minderheitsbeteiligung an der Deutsche Postbank AG.

Oktober 2010
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Insgesamt drei große Kapitalerhöhungen gehen auf das Konto von Vorstandschef Josef Ackermann. Im Oktober 2010 wurden 308,6 Millionen neue Stückaktien ausgegeben, weshalb sich das Grundkapital der Deutschen Bank um 790 Millionen auf knapp 2,4 Milliarden Euro erhöhte. Der Bruttoemissionserlös betrug 10,2 Milliarden Euro. Grund dieser Kapitalerhöhung war weiterhin die Postbank. Sie sollte konsolidiert werden, außerdem sollte die Kapitalbasis der Deutschen Bank generell gestärkt werden.

April 2013
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Im April 2013 war nicht mehr Josef Ackermann Vorstandschef der Deutschen Bank, sondern Jürgen Fitschen (r.) und Anshu Jain steuerten die Geschicke der Bank. Es wurden 90 Millionen neue Aktien bei den Anlegern platziert, wodurch sich der Bruttoemissionserlös auf 2,96 Milliarden Euro belief. Diese Erhöhung diente allein der Stärkung des Eigenkapitals.

Juni 2014
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Das Duo Jain und Fitschen verantwortete im Juni 2014 eine weitere, große Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Die Anzahl der ausgegebenen Stammaktien erhöhte sich um 359,8 Millionen. Der Brutto-Emissionserlös belief sich auf 8,5 Milliarden Euro. Die Doppelspitze war noch bis 2015 im Amt, seit 2016 leitet John Cryan die Geschicke der Deutschen Bank.

März 2017
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Vorstandschef John Cryan plant aktuell eine Kapitalerhöhung in Höhe von acht Milliarden Euro. Die Deutsche Bank brauche das Geld, um die künftigen Anforderungen der Aufseher zu erfüllen, aber auch, um eine massive Umstrukturierung zu finanzieren. Unter anderem soll die Führungsspitze der Bank neu geordnet werden.

Auf der akademischen Feier am Donnerstagabend wird diese Episode aus Breuers Laufbahn ausgespart. „Das wird seinem Wirken nicht gerecht“, sagt Roland Koch auf die Frage, wie er darüber denkt, dass dieser Satz bis heute eng mit Breuers Namen verknüpft ist.

Zum Outlaw hat die Kirch-Affäre Breuer nicht gemacht. Der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer etwa ist wegen der akademischen Ehrung Breuers von Erlangen nach Frankfurt angereist. Er kennt Breuer noch aus Zeiten, in denen die Deutsche Bank wie selbstverständlich immer einen Aufsichtsrat von Siemens stellte. Auch Breuer saß im Aufsichtsrat des Industriekonzerns. „Breuer hat nicht viel gesagt, aber was er gesagt hat, war ein Volltreffer“, sagt von Pierer über seinen früheren Aufsichtsrat, mit dem er noch immer freundschaftlich verbunden ist.

Breuer selbst hat inzwischen ohnehin sehr viel Distanz zu seinem früheren Leben als Banker aufgebaut. Die Frage, ob er all die Umbrüche in der Finanzszene manchmal gerne selbst mitgestalten würde, verneint er. „Ich bin zehn Jahre aus dem Geschäft, die Welt dreht sich heute schneller als früher, das könnte ich gar nicht verantworten“, sagt er dem Handelsblatt.

Kunst, Kultur, Musik, das habe ihm schon in seiner Berufszeit viel bedeutet und das nehme jetzt einen größeren Raum ein. Er interessiere sich nicht mehr so für Finanzthemen. „Ich verwalte auch mein Vermögen nicht selbst, das lasse ich verwalten“, sagt er. Diese Aufgabe überlässt er allerdings einem Menschen, keinem Robo-Advisor. So viel Tradition muss sein.

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