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Finanzaufsicht Bafin Deutsche Bank soll Risikomanagement für Korrespondenzbanken bis Jahresende überprüfen

Im Umgang mit dem Geldwäscheskandal um die Danske Bank hat es offenbar Pannen bei der Deutschen Bank gegeben. Die Bafin hat ihr daher enge zeitliche Informationsfristen gesetzt.
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Die Aufsichtsbehörden sind unzufrieden mit dem deutschen Geldhaus. Quelle: AP
Logo der Deutschen Bank

Die Aufsichtsbehörden sind unzufrieden mit dem deutschen Geldhaus.

(Foto: AP)

FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin erwartet von der Deutschen Bank nach Handelsblatt-Informationen schnelle Fortschritte bei der Aufarbeitung des Danske-Bank-Skandals. Die Bankenaufseher hatten das Geldhaus Mitte Februar aufgefordert, sein Risikomanagement im Korrespondenzbankenbereich zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.

Dabei hat die Behörde der Bank eine enge Frist gesetzt. Bereits bis zum Jahresende soll diese Aufgabe erledigt sein, erfuhr das Handelsblatt von mehreren mit dem Sachverhalt vertrauten Personen.

Verantwortlich für die Anordnung und den engen Zeitplan ist den Informationen zufolge die zögerliche Informationspolitik der Deutschen Bank im bislang größten europäischen Geldwäscheskandal rund um die Danske Bank. Das Institut hatte die Bafin erstmals am 19. November über Transaktionsvolumina mit Danske informiert, als auch ein Whistleblower das dänische Parlament darüber in Kenntnis setzte.

Ein Insider betonte, die Volumenangaben des Whistleblowers hätten auch die Deutsche Bank überrascht und seien dieser unbekannt gewesen. Das Institut habe daraufhin die Angaben überprüft und die Behörden darüber schnellstmöglich informiert. Die Bank und die Bafin wollten das auf Anfrage nicht kommentieren.

Interne Untersuchungen

Die Bafin habe nach der späten Information durch die Bank Regulierungsvorständin Sylvie Matherat sowie Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie einbestellt. Der Termin sei für beide Manager nicht schön gewesen, hieß es. Besonders groß soll der Ärger der Bafin über Regulierungschefin Matherat gewesen sein, weil sie für die Beziehung zu den Behörden zuständig ist.

Matherat hatte nach Medienspekulationen von Transaktionsvolumina über insgesamt 160 Milliarden Euro mit der Danske Bank verteilt über zehn Jahre betont, dass diese Summen in Relation zum gesamten Geschäft der Bank gering seien. „Wir wickeln jeden Tag Bankgeschäfte mit einem Volumen von 450 bis 500 Milliarden Euro ab“, sagte sie im November auf einer Handelsblatt-Konferenz.

Diese Sichtweise trug zum Eindruck bei, dass die Managerin die politische Brisanz dieser Summe unterschätzt habe. Über das Frankfurter Geldhaus flossen rund vier Fünftel aller verdächtigen Danske-Transfers.

Die Deutsche Bank war Korrespondenzbank der estnischen Danske-Filiale, die im Zentrum des Skandals steht, und hat dafür gesorgt, dass die Gelder in den internationalen Zahlungsverkehr, etwa in ausländischen Währungen, gespeist wurden.

Die Deutsche Bank wickelte für Danske Estland vor allem Dollar-Zahlungen ab. Im Jahr 2015 kappten die Frankfurter ihre Verbindungen zum Ableger der dänischen Bank, weil ihr verdächtige Zahlungen auffielen. Unklar ist, ob die Deutsche Bank früher hätte merken müssen, dass es verdächtige Transfers gab. Dieser Frage geht die Bank in einer internen Untersuchung nach. Auch Aufsichtsbehörden im In- und Ausland interessieren sich dafür.

Position weiter geschwächt

Die Probleme und Pannen im Umgang mit dem Danske-Skandal könnten auch personelle Konsequenzen für die Deutsche Bank haben: Matherat steht seit Längerem unter scharfer Beobachtung. Die Kritik der Bafin an ihr habe ihre Position weiter geschwächt, hieß es.

Matherats Problem sind nicht ihre unbestrittenen fachlichen Kompetenzen – als ehemalige Aufseherin der Banque de France ist sie mit Regulierungsfragen bestens vertraut. Doch der 56-Jährigen wird vorgeworfen, sich zu wenig um operative Details gekümmert zu haben und nicht durchsetzungsstark genug gewesen zu sein. Es gibt intern wachsende Zweifel daran, dass die Managerin ihren bis 2023 laufenden Vertrag erfüllen wird.

Das Frühjahr ist ein traditionell kritischer Zeitpunkt für angeschlagene Vorstände der Bank: Häufig trifft der Aufsichtsrat personelle Entscheidungen im Vorfeld der Hauptversammlung. Im vergangenen Jahr mussten Vorstandschef John Cryan und IT-Chefin Kim Hammonds im April die Bank verlassen.

Die Aufsichtsbehörden sind seit Längerem unzufrieden mit den Geldwäsche-Kontrollsystemen der Deutschen Bank. Im vergangenen Herbst hatte die Bafin deshalb einen Sonderbeauftragten installiert, der die Behörde darüber informieren soll, in welchem Tempo und mit welchem Erfolg die Bank ihre Kontrollsysteme verbessert.

Bis Ende Juni etwa soll die Bank rund 20.000 Kunden aus der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte erneut durchleuchtet und auf Basis der neuesten Geldwäsche-Richtlinie bewertet haben. Betroffen sind von dieser ersten Etappe der Überprüfung Kunden, die als hochriskant eingestuft wurden. Für Kunden mittleren Risikos hat die Bank bis Juni 2020 Zeit, für diejenigen mit geringem Risiko bis Sommer 2021.

Das Risiko im Korrespondenzbanken-Geschäft fährt die Bank seit einiger Zeit herunter, wie der neue Geldwäschebeauftragte des Instituts, Stephan Wilken, vor Kurzem in einer Anhörung des EU-Parlaments betonte: Seit 2016 hat das Geldhaus die Verbindung zu 40 Prozent seiner Korrespondenzbanken gekappt, bei hochriskanten Geschäftspartnern waren es sogar 60 Prozent. Aus mehreren Ländern zog sich das Institut zurück.

Mehr: Was der Bafin-Exekutivdirektor Pötzsch im Interview über Geldwäsche sagt, lesen Sie hier.

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