Finanzbranche Banken hinken beim Umbau ihrer Geschäftsmodelle für die neue digitale Bankenwelt hinterher

Digitalisierung ist für eingesessene Geldhäuser kein Fremdwort mehr. Allerdings geben branchenfremde Unternehmen und Start-ups die Schlagzahl vor.
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Tech-Giganten sind den Banken dicht auf den Fersen. Quelle: E+/Getty Images
Digitalisierung in der Bankenlandschaft

Tech-Giganten sind den Banken dicht auf den Fersen.

(Foto: E+/Getty Images)

FrankfurtWenn es um die Digitalisierung geht, gibt es für die Banken eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Bei der Automatisierung ihrer Prozesse kommen die Geldhäuser zügig voran. Konten lassen sich schneller eröffnen, Kredite kurzfristiger abschließen, und auch komplexere Produkte wie Baufinanzierungen wickeln die Institute in deutlich kürzerer Zeit ab.

Die schlechte Nachricht lautet allerdings, dass die Banken bei den wirklich wichtigen Themen wie dem Umbau ihrer Geschäftsmodelle für die neue digitale Bankenwelt ins Hintertreffen geraten.

„Den Privatkundenbanken ist es bisher nicht richtig gelungen, den Abstand auf die digitalen Vorreiterunternehmen zu verkürzen“, warnt Wolfgang Hach, Partner der Beratungsgesellschaft Roland Berger. Die Institute würden zwar ihre bestehenden Geschäftsmodelle und Prozesse digitalisieren, aber die Umsetzung tiefgreifender Innovationen stehe noch am Anfang.

„Die Banken überlassen es derzeit oftmals anderen Spielern, insbesondere den großen Technologieanbietern und Fintechs, die Zukunft des Geschäfts mit Privatkunden zu gestalten“, meint Hach.

Ihr Defizit ist den Privatkundenbanken durchaus bewusst: In einer Umfrage von Roland Berger unter 60 Banken aus zehn Ländern zu den Innovationstreibern der Branche nennen nur zwei Prozent die klassischen Banken, 47 Prozent dagegen große Technologieanbieter. Auch als Treiber für den Aufbau von Banking-Plattformen nennen die Befragten sich selbst erst an vierter Stelle nach den Tech-Giganten, Direktbanken und Fintechs.

Dabei sind sich die Experten einig, dass die digitale Plattformökonomie auch die Finanzbranche revolutionieren wird. „Die Bedeutung wächst. Ich gehe davon aus, dass Amazon und Google künftig auch Finanzdienstleistungen anbieten werden“, meint Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing.

Mihm ist überzeugt, dass neben den Tech-Riesen auch spezialisierte Vergleichsportale wie Finanzcheck oder Interhyp „eine wichtige Rolle spielen“ werden.

Die Zeit für die Banken drängt, wie der Blick auf andere Branchen zeigt, die der Wandel in Richtung Plattformökonomie innerhalb kürzester Zeit umgekrempelt hat. So verkaufen zum Beispiel Fluggesellschaften heute viele Flüge nicht mehr direkt, stattdessen läuft der Vertrieb über Plattformen wie Opodo oder Kayak.

Eine ähnliche Entwicklung ist in der Finanzindustrie nach Meinung von Roland Berger bereits in vollem Gange. Insbesondere bei Produkten für Privatkunden verfügen Plattformen bereits über signifikante Marktanteile, die in Summe über 30 Prozent des Neugeschäfts ausmachen – mit schnell wachsender Tendenz.

„Wichtig ist, dass Plattformen mit Vermittlergeschäft neutral sind“, meint Berater Mihm. Eine Plattform, die nur die Produkte einer Bank oder einer Bankengruppe anbiete, greife zu kurz. Die Kunden würden erwarten, dass sie Informationen zu einer Vielfalt von Produkten verschiedener Anbieter erhalten.

Einige heimische Banken reagieren bereits auf diesen Trend. So hat die Deutsche Bank mit ihrem Zinsmarkt eine Plattform für Festgelder geschaffen, auf der die Anleger auch Angebote anderer Banken finden. Außerdem haben die Frankfurter ein neues Firmenkundenportal namens Blueport gestartet, an das auch zunächst drei Fintechs angebunden sind.

Harter Ausleseprozess

Aber nicht jede Bank wird die Möglichkeit haben, ihr eigenes Ökosystem um Finanzthemen und ihre eigene Plattform aufzubauen. Das wissen die Institute auch selbst. Eine Umfrage der Beratungsfirma Sopra Steria Consulting unter 109 Topbankern ergab, dass 54 Prozent davon ausgehen, dass künftig wenige große Banking-Plattformen den Markt beherrschen werden.

Ebenfalls mehr als die Hälfte rechnet damit, dass die Plattformen „große Marktanteile zulasten von Filial- und Direktbanken“ gewinnen werden. 

„Nicht jede Bank kann mit eigenen digitalen Angeboten oder gar einer eigenen Plattform erfolgreich sein, schon alleine deshalb, weil Plattformen nur dann attraktiv sind, wenn viele Nutzer und Angebote zusammenkommen“, warnt auch Sebastian Steger, Partner bei Roland Berger. Für viele Banken bedeutet das, dass sie eine strategische Grundsatzentscheidung fällen müssen.

Wollen sie den Kontakt zum Kunden behalten, vor allem als Produktlieferant auftreten oder sich als Technologieführer etablieren?

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