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Finanzbranche Helaba und Deka könnten neuen Anlauf für Fusion nehmen

Vor vier Jahren scheiterte ein Zusammenschluss von Helaba und Deka wegen Streitigkeiten im Sparkassen-Lager. Doch mittlerweile bröckelt der Widerstand.
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Die Landesbank würde sich mit der Deka gut ergänzen. Quelle: dpa
Zentrale der Helaba in Frankfurt

Die Landesbank würde sich mit der Deka gut ergänzen.

(Foto: dpa)

FrankfurtSparkassen-Präsident Helmut Schleweis hat ein großes Ziel. Er möchte alle öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute zu einer Super-Landesbank verschmelzen, die der 64-Jährige Sparkassenzentralbank nennt. Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ist sich sicher, dass dieses Projekt früher oder später gelingen wird. „Ich prognostiziere Ihnen: Weil es die Sparkassen als wichtigste Partner und Kunden der Landesbanken wollen, wird es kommen“, sagte Schleweis kürzlich.

Der logische erste Schritt auf dem Weg zu einem öffentlich-rechtlichen Megainstitut wäre eine Fusion des Fondsanbieters Deka und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Helaba gehört mehrheitlich den Sparkassen, die Deka sogar zu 100 Prozent.

Die Sparkassen könnten mit beiden Instituten also selbstbestimmt die Konsolidierung ihres Sektors vorantreiben – ohne große Rücksichtnahme auf die Bundesländer, die bei der NordLB, der BayernLB und der LBBW den Ton angeben.

Nach Recherchen des Handelsblatts gibt es für eine Fusion von Helaba und Deka sogar schon eine Blaupause. Von Herbst 2014 bis Frühjahr 2015 hätten beide Institute bereits intensiv über einen Zusammenschluss beraten, berichten mehrere mit dem Thema vertraute Personen.

Die Beteiligten seien damals zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Kombination von Helaba und Deka betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre. Beide Banken und der DSGV äußerten sich dazu nicht.

Zu einer möglichen Fusion wurde damals Finanzkreisen zufolge auch eine rund 150 Seiten dicke Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Probeweise wurde zudem eine konsolidierte Bilanz erstellt. „Die Bilanzstrukturen von Deka und Helaba passen zusammen“, betont ein Beteiligter. Die Deka verfüge über viele Einlagen und Liquidität, die Helaba vergebe deutlich mehr Kredite.

Super-Landesbank light

Auch bei den Angeboten, die beide für die Sparkassen erbringen, sind die Institute komplementär. Die Deka hat ihre Stärken vor allem im Wertpapier- und Fondsgeschäft. Zudem hilft sie den Sparkassen beim Liquiditätsmanagement. Die Helaba ist dagegen im Kreditgeschäft und bei Projektfinanzierungen stärker. Außerdem bietet sie im Gegensatz zur Deka Zahlungsverkehrslösungen und Außenhandelsfinanzierung an.

Zusammen wären beide Institute also in der Lage, den Sparkassen eine Produktpalette anzubieten, wie sie DSGV-Chef Schleweis in etwa auch von seiner Sparkassenzentralbank erwartet. Es wäre quasi eine Super-Landesbank light, die man dann perspektivisch erweitern könnte.

Auch bei den Debatten 2014 und 2015 gab es Finanzkreisen zufolge bereits Überlegungen, dass man an das fusionierte Institut in einem zweiten Schritt noch den Immobilienfinanzierer Berlin Hyp und die Landesbank Berlin andocken könnte.

Das Projekt wurde vor vier Jahren laut Insidern vom damaligen DSGV-Chef Georg Fahrenschon, dem hessische Sparkassen-Präsidenten Gerhard Grandke sowie seinem Kollegen Rolf Gerlach vom Sparkassenverband Westfalen-Lippe vorangetrieben. Die drei trafen sich mehrmals zu Beratungen im 44. Stockwerk des Deka-Hochhauses in der Frankfurter Innenstadt. Auch Deka-Vorstandschef Michael Rüdiger und der damalige Helaba-Boss Hans-Dieter Brenner waren offen für eine Fusion.

Doch am Ende halfen alle guten Argumente und Fürsprecher nichts – der Zusammenschluss platzte wegen Streitigkeiten innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Sparkassen in Baden-Württemberg und Bayern wollten Finanzkreisen zufolge nicht, dass ein übermächtiger Konkurrent für die LBBW beziehungsweise die BayernLB entsteht.

Auch bei den Sparkassen in Niedersachsen und Ostdeutschland gab es kritische Stimmen. Und da die regionalen Sparkassen-Präsidenten im Deka-Verwaltungsrat grünes Licht für eine Fusion mit der Helaba geben müssten, stellte man das Vorhaben dort am Ende gar nicht erst zur Abstimmung. „Eine Fusion wäre betriebswirtschaftlich sinnvoll gewesen, war aber politisch nicht durchzusetzen“, sagt ein Insider.

Ob ein neuer Fusionsanlauf von Deka und Helaba heute von Erfolg gekrönt wäre, ist in der Sparkassen-Finanzgruppe umstritten. Viele Politiker und Bankenaufseher würden einen solchen Vorstoß begrüßen, denn sie sehen im Landesbankensektor Konsolidierungsbedarf. „Es gibt nicht genügend Funktionen für die verbliebenen Landesbanken“, sagte Raimund Röseler, der oberste Bankenaufseher der Bafin, am Dienstag im Handelsblatt-Interview.

Das Beste für uns wäre ein zentrales Institut, in dem keine Länder drin sind. Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands

Auch in der Sparkassen-Finanzgruppe bröckelt der Widerstand gegen Zusammenschlüsse von Spitzeninstituten. Die niedersächsischen Sparkassen haben sich ebenso für eine Sparkassenzentralbank ausgesprochen wie Michael Ermrich, der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands.

„Das Beste für uns wäre ein zentrales Institut, wo keine Länder drin sind.“ Ulrich Netzer, der Chef des bayerischen Sparkassenverbands, plädierte vergangene Woche ebenfalls für eine Zentralbank der deutschen Sparkassen. Sobald die kriselnde NordLB gerettet ist, könnte man aus Sicht von Netzer erste Schritte in Richtung Konsolidierung gehen.

Die meisten Sparkassen-Vorstände stehen ohnehin hinter den Fusionsplänen von Schleweis. „Als Sparkassenvorstand kann man das nur gut finden“, sagt Alexander Wüerst, der Chef der Kreissparkasse Köln. Man habe gute Erfahrung mit Verbundunternehmen gemacht, die von Sparkassen getragen werden. Die Deka unterstütze die Sparkassen unter anderem als Liquiditätsdrehscheibe und bei der Refinanzierung. Wüerst hält das für einen guten Ausgangspunkt für den Aufbau einer bundesweiten Sparkassenzentralbank.

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