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Finanzbranche Investoren drücken bei Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank aufs Tempo

Einigen Investoren dauern die Verhandlungen zu lang. Die Banken sollen so schnell wie möglich eine Grundsatzentscheidung über eine Fusion treffen.
Update: 21.03.2019 - 17:06 Uhr 3 Kommentare
Finanzexperten sehen den Zusammenschluss der beiden Banken kritisch. Quelle: AFP
Deutsche Bank und Commerzbank

Finanzexperten sehen den Zusammenschluss der beiden Banken kritisch.

(Foto: AFP)

FrankfurtVier bis sechs Wochen haben sich die Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank Zeit gegeben, um eine Grundsatzentscheidung zu treffen, ob sie die beiden Geldhäuser in eine Fusion führen wollen. Doch einigen Investoren der Bank ist das zu lang. „Jede Woche zählt, weder Kunden noch wichtige Mitarbeiter haben Verständnis für eine lange Verhandlungsphase“, heißt es bei einem Anteilseigner.

„Je länger die Verhandlungen dauern, desto größer die Probleme, wenn sie scheitern“, warnt ein anderer. Die Unsicherheit schade beiden Instituten. In Bankenkreisen heißt es dagegen, eine Entscheidung mit einer derartigen Tragweite müsse sorgfältig geprüft werden.

Am Donnerstag trafen sich die Aufsichtsräte von Deutscher Bank und Commerzbank zu getrennten Sitzungen, die bereits vor Wochen anberaumt worden waren. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing habe die Aufsichtsräte über den Stand der Gespräche mit dem kleineren Konkurrenten informiert, hieß es kurz nach Ende der Sitzung am frühen Abend.

Sewing gilt mittlerweile als vorsichtiger Optimist, was die Übernahme des kleineren Frankfurter Nachbarn angeht, weil daraus ein Institut mit deutlich niedrigeren Kosten, spürbar höherem Marktanteil in Deutschland und auskömmlicheren Finanzierungsbedingungen entstehen könnte. Allerdings gebe es noch immer viele Details, an denen der Deal scheitern könnte, heißt es in Finanzkreisen.

Zudem hätte Sewing vor der Aufnahme offizieller Verhandlungen gerne noch die Integration der Bonner Tochter Postbank abgeschlossen. In der Aufsichtsratssitzung habe er betont, dass vor einer Entscheidung noch eine Reihe von Fakten geprüft werden müssten, heißt es. Commerzbank-Chef Martin Zielke gilt schon seit Längerem als offen für einen Deal mit der Deutschen Bank.

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Die Arbeitnehmerseite hat sich bereits deutlich gegen eine Fusion positioniert, weil sie voraussichtlich mehrere Zehntausend Arbeitsplätze kosten würde. Auch drei der fünf größten Investoren der Deutschen Bank sehen den Deal nach wie vor kritisch, weil sie fürchten, dass die Risiken der Fusion größer sind als der erhoffte Nutzen.

In der Branche stoßen die Fusionspläne allgemein allerdings auf große Skepsis. Das Forschungsinstitut ZEW hat 174 Finanzexperten befragt: Das Ergebnis: Lediglich gut 15 Prozent der Fachleute stimmen der Aussage zu, dass die Fusion gut für das deutsche Finanzsystem wäre. Dagegen stimmen knapp 65 Prozent dieser Aussage nicht zu.

Zwei Faktoren erklären dieses Ergebnis. Zum einen glaubt eine Mehrheit der Finanzmarktexperten, dass durch eine Zusammenlegung keine nennenswerten Größenvorteile entstehen, die eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der neuen Großbank zur Folge hätte. Knapp 55 Prozent stimmen der Aussage nicht zu, dass die neue Bank international konkurrenzfähiger wäre als die beiden Einzelinstitute.

Zum anderen befürchten fast 80 Prozent der Umfrageteilnehmer einen Anstieg der Risiken für die Stabilität des Finanzsystems, sollte es zur Fusion kommen. Diese Bedenken bedeuten allerdings kein kategorisches Nein, denn etwas mehr als die Hälfte der Experten zeigt sich überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft eine deutsche Großbank von globalem Format benötigt.

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3 Kommentare zu "Finanzbranche: Investoren drücken bei Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank aufs Tempo"

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  • - Fortsetzung -

    Dank Staats- und Notenbankgarantien und unzähligen Milliarden aus den Staatshaushalten dies- und jenseits des Atlantiks konnte auch die Deutsche Bank die Krise überleben und stand im Frühjahr mit einem Hebel von 1:50 angeschlagen, aber immer noch lebendig, in ihrer Ringecke. Hätten die zuständigen Behörden, also das Bundesfinanzministerium, die BaFin und später die EZB die Deutsche Bank damals gezwungen, ihr Risiko abzubauen; wahrscheinlich wäre alles gutgegangen und wir würden heute nicht über das Problem Deutsche Bank reden müssen. Doch es kam bekanntlich anders."
    https://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=34486

    Die Küngelei zwischen staatlichen Behörden und einem privaten Unternehmen, d.h. KORPORATISMUS, hat die "Deutsche" also erst zu dieser überaus gefährlichen Megabombe werden lassen.

  • @ Ingo Quentin
    "Wie schön, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. "

    Herr Quentin, man hat GAR NICHTS gelernt.
    Das größte Problem der "Deutschen" ist z.B. keine Überregulation, wie Einige meinen - denn diese bertifft alle Banken gleichermaßen.
    Natürlich hat man mit purem überregulatorischen Aktionismus wie Basel IV die Banken stranguliert:
    https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/basel-iv-vor-diesen-regeln-zittert-die-finanzbranche/20456522.html
    Das mit Abstand größte Problem der DB ist jedoch vielmehr ihr verantwortungsloser HEBEL. Schlägt dieser Hebel (Leverage) bei einem De-Leveraging zurück, dann hat sie sich nämlich sozusagen selber ausgehebelt.
    2016 bereits betrug der Hebel der Deutschen Bank 1:105 (!!!!!) - und das ist schlicht jenseits von gut und böse. Und wie konnte es zu einem solchen verantwortungslosen Hebel kommen (obwohl sogar der IWF bereits vor Jahren eindringlich gewarnt hatte)??
    "Betrug der Hebel zum Zeitpunkt von Johnsons Brandbrief noch 1:44, beträgt er heute 1:105. Heute müsste die Deutsche Bank also bereits einen technischen Konkurs vermelden, wenn sie ein einziges Prozent auf ihr gesamtes Kredit- und Wertpapierportfolio abschreiben müsste. Und dies ist in der momentan labilen volkswirtschaftlichen Situation weiß Gott keine allzu unrealistische Annahme. Die Lehman Brothers hatten am Vorabend ihres Zusammenbruchs übrigens einen Hebel von 1:31. (...)
    Vor der Finanzkrise träumte der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von 25% + x Eigenkapitalrendite, was auch im damals noch profitablen Banking halt nur über hohe Hebel möglich war. Also wurde der Hebel von einem gesunden Wert von 1:20 aus dem Jahre 2004 auf ein mehr als waghalsiges 1:70 im Krisensommer 2008 erhöht.

  • Hihi! Zur Hochzeit der "Finanzkrise" (wie immer auch Finanzen in die Krise kommen können), hiess es noch KEIN "too big to fail" mehr, keine unnötigen "systemischen" Risiken. Small is beautiful. Nun wird die nächste Großbankenfusion von der Politk befeuert. Wie schön, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.