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Finanzbranche NordLB ist eine weitere Zerreißprobe für die öffentlich-rechtlichen Banken

Die dringend benötigte Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Bankensektors ist in weite Ferne gerückt. Und die NordLB bleibt ein Problemfall.
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Die von der Schiffskrise gebeutelte Bank braucht dringend frisches Kapital. Quelle: dpa
NordLB in Hannover

Die von der Schiffskrise gebeutelte Bank braucht dringend frisches Kapital.

(Foto: dpa)

FrankfurtSo etwas wie Revolutionsstimmung liegt in der Luft, als Sparkassenpräsident Helmut Schleweis im Oktober seine Pläne für eine Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Finanzsektors vorstellt. Bei einem Treffen mit den Sparkassen-Obleuten und Verbandsvorstehern in Brüssel wirbt er erstmals in größerem Kreis für seine Idee einer Super-Landesbank.

Nach Schleweis' Vorstellungen soll sich die Frankfurter Helaba zunächst mit der kriselnden NordLB aus Hannover zusammenschließen. Im zweiten Schritt soll das fusionierte Institut dann mit der Stuttgarter LBBW, dem Fondsanbieter Deka und dem Immobilienfinanzierer Berlin Hyp verschmelzen. Es entstände ein Mega-Institut mit einer Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro, das hinter der Deutschen Bank zum zweitgrößten Geldhaus der Republik aufsteigen würde.

Die Berliner Politik und die Finanzaufsicht sind angetan von den Plänen. Sie setzen darauf, dass ein starkes öffentlich-rechtliches Spitzeninstitut entsteht, das effizienter arbeiten und deutsche Unternehmen auch bei Geschäften im Ausland besser unterstützen kann.

Doch die Hoffnungen sollten sich nicht erfüllen. Inzwischen sind die Fusionsgespräche zwischen der Helaba und der NordLB gescheitert. Die Schaffung einer Super-Landesbank ist in weite Ferne gerückt – und das Problem NordLB nach wie vor nicht gelöst. Die von der Schiffskrise gebeutelte Bank braucht dringend frisches Kapital, die Rede ist von gut 3,5 Milliarden Euro. Und die Zeit drängt. Die Finanzaufsicht will spätestens im Februar eine Lösung auf dem Tisch haben.

Zwei Optionen erscheinen derzeit am wahrscheinlichsten: Entweder Finanzinvestoren beteiligen sich an der NordLB und schießen zusammen mit dem Mehrheitseigner Niedersachsen frisches Geld in die Bank. Oder es kommt zu einer öffentlich-rechtlichen Auffanglösung.

Die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, die rund 65 Prozent an dem Geldhaus halten, sollen dabei 2,5 Milliarden Euro beisteuern, Landesbanken und Sparkassen rund 1,2 Milliarden Euro. Gegen diese Auffanglösung gibt es allerdings in der weit verzweigten Sparkassen-Familie an vielen Ecken und Enden Widerstand. Viele Branchenkenner gehen davon aus, dass alle Beteiligten bis zur letzten Minute um jeden Euro kämpfen werden. Der nächste Krisengipfel steigt am kommenden Donnerstag in Berlin.

Im kleinen Kreis schütteln öffentlich-rechtliche Spitzenmanager oft nur mit dem Kopf, wenn sie sich zum Zustand des Sektors äußern. Manche sprechen von einem „Hühnerhaufen“, andere von einem „dysfunktionalen Gebilde“, das früher oder später in die nächste Krise schlittern wird. Schleweis, der seit Anfang 2018 an der Spitze der Sparkassen steht, hat die Strukturen des Sektors selbst als „nicht zukunftsfähig“ bezeichnet.

Zerschlagene Hoffnungen

Für den deutschen Bankenmarkt sind das keine guten Nachrichten: Zwei von drei Säulen sind alles andere als stabil. Im privaten Sektor hinken die beiden verbliebenen Großbanken der internationalen Konkurrenz weit hinterher. Und die öffentlich-rechtlichen Finanzinstitute wurschteln in ineffizienten Strukturen vor sich hin, stehen bei jeder größeren Krise vor einer Zerreißprobe.

Da ist der genossenschaftliche Finanzsektor ein Lichtblick. Die Volks- und Raiffeisenbanken haben es in vielen Schritten geschafft, ihre Spitzeninstitute zu verschmelzen. Neben der DZ Bank kommt die Gruppe mit einer Bausparkasse und einem Versicherer aus.

Natürlich gibt es auch bei den Genossen weiteren Verbesserungsbedarf, doch die Zahlen sprechen für sich. 2017 fuhr die DZ-Bank-Gruppe einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro ein und stellte ihre Konkurrenten aus dem privaten und öffentlich-rechtlichen Finanzsektor in den Schatten.

Einige Finanzmanager gehen davon aus, dass irgendwann auch im privaten und öffentlich-rechtlichen Sektor jeweils nur noch ein großes Institut übrig bleiben wird. Denn steigende Aufwendungen für das Befolgen der Regulierungsvorschriften und für IT erhöhen den Druck, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen. Hinzu kommen die Niedrigzinsen und der harte Wettbewerb um Privat- und Firmenkunden in Deutschland.

Dass sich an dem schwierigen Marktumfeld durch eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank grundlegend etwas ändern wird, glauben die wenigsten. „Heute kämpfen bei Ausschreibungen zum Teil 20 Banken um einen Kredit“, sagt ein Bankchef. „Wenn es zu einer Deutschen Commerzbank kommen sollte, wären es immer noch 19.“

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