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Finanzbranche Unter fremdem Namen

Das sogenannte "White Labeling", der Einkauf von Finanzdienstleistungen boomt. Ein Beispiel für den Trend ist die neue Schweizer Bank Zweiplus, die Swiss Life als Kunden gewonnen hat. Weitere Kooperationen sollen folgen.
  • Nicole Bastian und Rolf Benders
Kunde der Bank Zweiplus: Der Versicherer Swiss Life. Foto: ap

Kunde der Bank Zweiplus: Der Versicherer Swiss Life. Foto: ap

FRANKFURT. Aus dem Supermarkt kennen wir sie alle: Produkte, die Hersteller für ein anderes Unternehmen herstellen und unter dessen Namen vertreiben. Doch auch in der Finanzbranche gewinnt dieses Phänomen - "White Labeling" genannt - immer größere Bedeutung. Jüngstes Beispiel ist die gerade gestartete Schweizer Bank Zweiplus, die unter anderem für den Strukturvertrieb AWD und jetzt auch den Versicherer Swiss Life in deren Namen Depotkonten führt. Weitere Kooperationen dieser Art sollen folgen und die Kundenzahl von 300 000 schnell steigern.

"Ich glaube, wir sehen gerade eine zweite Welle des White Labeling", sagt Guido Merz, Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Die Banken hätten stark in ihre Informationstechnik (IT) investiert und besäßen jetzt Systeme, die sie auch anderen anbieten könnten. So könnten sie ihre eigenen Investitionskosten schneller einspielen. Ein Beispiel sei auch die noch junge Berliner Quirinbank, die ihre Plattform Vermögensverwaltern zur Verfügung stelle.

Auch die Bank Zweiplus, die zu gut 57 Prozent der Schweizer Privatbank Sarasin gehört und zu gut 42 Prozent der AIG Private Bank, nutzt die IT-Infrastruktur von Mehrheitseigner Sarasin. "Wir wollen weitere Banken und Versicherungen auf die Plattform nehmen", sagte Sarasin-Chef und Zweiplus-Verwaltungsratsvorsitzender Joachim Strähle dem Handelsblatt. Die Versicherer können so Kunden, denen sie ihre Policen auszahlen, gleich ein Konto für die Verwaltung des Vermögens anbieten. Die Banklizenz liefert Zweiplus, auf dem Kontoauszug steht die jeweilige Versicherung oder der Strukturvertrieb.

"Zweiplus kann sehr schnell wachsen", meint Strähle. Allein aus dem bestehenden Netz kämen 4 000 Konten im Monat hinzu. Neue Partner sollen folgen. "Im ersten Schritt wollen wir die Schweiz, Deutschland, Österreich und Osteuropa in Angriff nehmen."

Der Trend zur Allfinanz gibt dem White Labeling einen Schub. "Ich rechne damit, dass immer öfter Versicherer auch Bankdienstleistungen anbieten werden und sich dafür eines White-Label-Partners bedienen", prognostiziert Finanzexperte Andreas Pratz von AT Kearney. "Sich eine ganze Bank zu kaufen ist dazu heute nicht nötig." Seiner Ansicht nach werden sich Outsourcing und White Labeling überall dort durchsetzen, wo hohe Investitionen und damit entsprechend hohe Geschäftsvolumina erforderlich sind, die nicht jeder Anbieter selbst aufbringen kann.

Auf diesen Trend setzt auch die auf White Labeling spezialisierte BIW Bank mit mehr als 50 Beschäftigten und 230 Mill. Euro Bilanzsumme. "Wir ermöglichen durch unsere Lizenz unseren Kunden, das Bankgeschäft zu betreiben", beschreibt BIW-Chef Dirk Franzmeyer das Geschäftsmodell. So treten die Investmentboutique Bank M oder die Sylvia Quandt & Cie. nach außen wie eigenständige Institute auf, tatsächlich sind sie rechtlich betrachtet "unselbständige Niederlassungen" der BIW Bank. Begonnen hat BIW 2005 damit, den Deutschlandableger der Onlinebank E-Trade zu betreiben, 2006 kam der Billigbroker Flatex dazu. Für 2009 rechnet Franzmeyer damit, einen weiteren Broker in Deutschland ins Geschäft zu bringen. Auch neue Segmente sollen hinzukommen: "Wir führen Gespräche, demnächst auch Geldautomaten für einen Kunden zu betreiben."

Je nach Finanzsegment hat sich White Labeling unterschiedlich stark durchgesetzt. Im Zahlungsverkehr sind nach Angaben des Finanzexperten Pratz bereits mehr als 50 Prozent des Marktes ausgelagert. Im Kommen sei das Asset Management. Hier kaufen sich Anbieter quasi Fondsmanager von außen, die unter der eigenen Marke Fonds steuern. Am Anfang stehe der Prozess noch in der Baufinanzierung, wo schätzungsweise erst zwei Prozent über White Labeling abgedeckt seien. Unternehmensberater Merz warnt aber vor einer zu großen Euphorie der White-Labeling-Anbieter etwa bei der Depotverwaltung. "Viele Spieler stehen da erst am Anfang. Die Frage wird sein, wer genug Masse auf sich versammeln wird." Ähnlich wie in der Wertpapierabwicklung für andere Institute könnten sich am Ende nur wenige Spieler durchsetzen.

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