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Finanzdienstleister Das Leerverkaufsverbot bei Wirecard-Aktien endet – Was jetzt zu beachten ist

Zwei Monate durfte es keine neuen Leerverkäufe beim Zahlungsdienstleister Wirecard geben. Ab der Nacht zum Karfreitag könnten sie wieder erlaubt sein.
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Wirecard: „Die schweren Zeiten sind noch nicht überstanden“

MünchenEine Maßnahme wie diese hatte es am deutschen Aktienmarkt noch nie gegeben. Am Morgen des 18. Februar – einem Montag – hatte die Börsenaufsicht Bafin per Allgemeinverfügung Investoren verboten, neue Leerverkaufspositionen bei Wirecard einzugehen oder bestehende Positionen aufzustocken.

Zuvor gab es mehrere Berichte in der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ zu Hinweisen über kriminelle Machenschaften in deren Niederlassung in Singapur.

Heftige Kursschwankungen und der Verdacht, spekulative Anleger hätten frühzeitig von der Veröffentlichung gewusst und sich per Leerverkäufen positioniert, ließen die Aufseher ungewöhnlich heftig reagieren. Am Dienstag erstattete die Bafin deswegen sogar Anzeige beim Landgericht München gegen mehrere Personen, unter anderem gegen Journalisten der „Financial Times“.

Auf fallende Kurse bei Wirecard konnte somit lange nicht gewettet werden. Am Donnerstag um 24 Uhr endet die Maßnahme. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die sich Anleger jetzt stellen.

Was ist in den vergangenen zwei Monaten passiert?

Mit dem Verbot von Leerverkäufen ist keinesfalls Ruhe im Kurs von Wirecard eingekehrt. Den größten Ausschlag gab es mit einem Plus von rund 30 Prozent am 27. März, als Wirecard eine dreiseitige Zusammenfassung von Feststellungen der Kanzlei Rajah & Tann aus Singapur veröffentlichte. Die Anwälte hatten zwar Verstöße festgestellt, die allesamt auf mangelnde interne Kontrollen hindeuten.

In der Summe wirkten die Auswirkungen auf die Bilanzen früherer Jahre aber gering. Vertrauen in die Aktie ist anschließend trotzdem nicht eingekehrt. Stattdessen bröckelte der Kurs in den folgenden Tagen kontinuierlich, erst seit wenigen Tagen geht es wieder bergauf. Viele Anleger vermissen weiterhin Klarheit über die Vorfälle aus dem vergangenen Jahr sowie eine konsequente Aufarbeitung durch das Management.

Wie geht es jetzt weiter?

Ab Freitag können Anleger nach aktuellem Stand wieder Leerverkaufspositionen aufbauen oder bestehende ausbauen. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Börsenaufsicht Bafin das aktuelle Leerverkaufsverbot nicht um einen weiteren Monat verlängert. Diese Möglichkeit gibt es im Rahmen der europäischen Leerverkaufsverordnung, auf die sich die Behörde beruft.

Läuft das Leerverkaufsverbot jedoch aus, dürften Auswirkungen an der Börse ab Dienstag zu spüren sein. Wegen des Osterfestes findet erst dann wieder Handel statt. Laut dem Datenanbieter IHS Markit lag der Anteil frei handelbarer Aktien, die verliehen waren, zuletzt bei rund 14 Prozent. Bei keinem anderen Dax-Wert ist der Wert so hoch.

Was machen die Großinvestoren?

Die US-Bank Goldman Sachs hatte vor wenigen Tagen ihren Anteil an Wirecard massiv erhöht. Lag die Summe der Anteile zuvor bei 1,72 Prozent der Aktien, so sind es nun 6,87 Prozent. Allerdings wird der Großteil davon über indirekte Investments wie Derivate, Optionen und Swaps gehalten. Der Wirecard-Aktie hatte diese Meldung deutlichen Auftrieb gegeben. Größter Einzelaktionär ist weiterhin Chef und Gründer Markus Braun mit 7,05 Prozent der Aktien.

Nach Goldman Sachs als neuer Nummer zwei unter den Großanlegern folgt Blackrock mit einem Anteil von 6,03 Prozent, der amerikanische Asset-Manager Artisan Partners mit 5,24 Prozent, das britische Fondshaus Jupiter mit 5,0 Prozent, die Citigroup mit 4,93 Prozent sowie die Fondsgesellschaft von Artisan Partners mit 3,02 Prozent.

Was machen die Hedgefonds?

Die größte Leerverkaufsposition von einem Anteil von 1,50 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals von Wirecard hält Slate Path Capital mit Sitz in New York. Der Hedgefonds hatte in den Tagen vor Inkrafttreten des Leerverkaufsverbots seinen Anteil kontinuierlich ausgebaut. Daneben ist der britische Hedgefonds Odey Asset Management aktuell mit einem Anteil von 0,56 Prozent investiert.

Der hatte nach dem überraschenden Bekanntwerden des Leerverkaufsverbots in zwei Schritten seinen Anteil reduziert. Zuvor waren es 0,77 Prozent. Eine Verkleinerung der Position war auch danach gesetzlich erlaubt. Weitere Hedgefonds, die gegen Wirecard spekulieren, sind offiziell nicht bekannt. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es sie aber. Sie müssen jedoch erst ab einem Anteil von einem halben Prozent ihre Position melden.

Wie können spekulative Anleger von starken Kursbewegungen profitieren?

Bei solch heftigen Kursausschlägen, wie es sie bei Wirecard gab, ergeben sich für Anleger außergewöhnliche Chancen. Diesen stehen allerdings Risiken bis hin zum Totalverlust gegenüber. Deshalb sollten hier auch nur geübte Anleger mitmischen. Eine Möglichkeit dazu wäre der Erwerb von Optionsscheinen auf die Aktie. Viele Banken wie Unicredit, die DZ Bank, die Commerzbank oder Goldman Sachs bieten sie an.

Dabei muss der Anleger zunächst entscheiden, ob er auf steigende (Call-Optionsscheine) Aktienkurse oder auf fallende (Put-Optionsscheine) Kurse setzen will. Dazu legt er für sich einen Basiswert fest, über den er über einen gewissen Zeitraum auf die erwartete Kursbewegung in der Aktie spekuliert. Der Anleger erwirbt damit das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis in Zukunft kaufen oder verkaufen zu können. Geht die Spekulation auf, zahlt ihm die Bank am Ende den Gewinn aus.

Wie ist die Wirecard-Aktie bewertet?

Für das laufende Jahr ergibt sich nach dem Kurssturz nun ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 und von 20 für das kommende Jahr. In der Hochphase der Aktie waren es zeitweise mehr als 70. Für Dax-Verhältnisse ist die Wirecard-Aktie auch auf dem jetzigen Niveau noch teuer.

Nur Adidas, Beiersdorf und Infineon bewegen sich in ähnlichen Größenordnungen. Benchmark für Wirecard ist aber der Technologiesektor, der stets höher bewertet ist als andere Branchen. Dort liegen die KGVs derzeit im Schnitt bei über 40, Wirecard ist in Relation dazu also unterdurchschnittlich bewertet.

Wie laufen operativ die Geschäfte bei Wirecard?

Beinahe täglich meldet der Zahlungsdienstleister neue Verträge oder den Ausbau von Geschäftsbeziehungen. In den vergangenen Tagen gab es Übereinkünfte mit dem Messengerdienst Telegram, dem Telekomunternehmen O2 sowie der japanischen Fluglinie ANA. In diesem Tempo dürfte es weitergehen. Demnach haben sich die Kunden offenbar bislang nicht von den vielen kritischen Berichten zu Wirecard abschrecken lassen. Ob dies langfristig so bleiben wird, dürften allerdings erst die kommenden Monate zeigen.

Was ist von der Veröffentlichung des Jahresberichts zu erwarten?

Ursprünglich sollten der Geschäftsbericht sowie die endgültigen Zahlen bereits am 4. April veröffentlicht werden. Das wurde wegen der turbulenten Zeiten auf den 25. April verschoben. Da vorläufige Zahlen bereits seit dem 30. Januar auf dem Tisch liegen, dürften die Überraschungen gering ausfallen. So ist das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 568,3 Millionen Euro gestiegen.

Beinahe im Gleichschritt kletterte der Umsatz um 40 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Ganz ähnlich verlief die Entwicklung im Schlussquartal 2018, als der vorläufige konsolidierte Umsatz um 36 Prozent auf 637,5 Millionen Euro wuchs. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg in dieser Zeit um rund 37 Prozent auf 172,9 Millionen Euro. Für das laufende Jahr wird ein operatives Ergebnis von 740 bis 800 Millionen Euro erwartet.

Bald können Anleger wohl wieder Leerverkaufspositionen aufbauen oder bestehende ausbauen. Quelle: dpa
Wirecard

Bald können Anleger wohl wieder Leerverkaufspositionen aufbauen oder bestehende ausbauen.

(Foto: dpa)


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