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Finanzdynastie Trotz höherem Gewinn: Castell-Bank leidet unter Niedrigzinsen  

Die Fürstliche Castell’sche Bank muss in mehreren Geschäftsbereichen Einbußen hinnehmen. Nun setzt sie mit einem Generationenfonds auf Nachhaltigkeit.
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Fürstlich Castell’sche Bank stellt Jahreszahlen für 2018 vor Quelle: Castell-Bank
Vorstand der Castell-Bank

Die Privatbank will ihren Kunden mit einem Generationenfonds mehr Möglichkeiten bieten.

(Foto: Castell-Bank)

Frankfurt1774 war sowohl für Johann Wolfgang von Goethe als auch für das Adelsgeschlecht Castell ein prägendes Jahr. Der Dichter hatte seinen Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ geschrieben, während die Fürstenfamilie eine Privatbank gründete. Das ist nun 245 Jahre her.

Doch für die bis heute bestehende Fürstliche Castell’sche Bank  war „Leid“ 2018 wieder einmal ein Stichwort – vor allem aufgrund der Turbulenzen an den Kapitalmärkten Ende des vergangenen Jahres und der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

„2018 war ein herausforderndes Jahr an den Kapitalmärkten“ sagte Sebastian Klein, Vorstandvorsitzender der Fürstlich Castell‘schen Bank bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Frankfurt. Zwar stieg der Gewinn des Geldhauses 2018 um eine halbe Million Euro auf 2,8 Millionen Euro, von einem „robusten Jahresüberschuss“ sprach Klein. Doch bei den immer wichtigeren Provisionserlösen musste die Bank einen Rückgang um 1,5 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro hinnehmen, auch weil die unter dem Stichwort Mifid II bekannte neue EU-Regulierung die Kunden verunsicherte.

„Wir hatten eine Erhöhung der Provisionserlöse geplant, aber die haben wir nicht geschafft“, sagte Vorstandsmitglied Klaus Vikuk. Auch bei den Zinserlösen musste die Bank Einbußen hinnehmen, der Zinsüberschuss sank im Vergleich zum Vorjahr um fast zwei Millionen Euro.

„Wir gehen davon aus, dass kurzfristig schon gar nicht, mittelfristig auch nicht und langfristig nur sehr begrenzt die Zinsen wieder steigen könnten“, erklärte Klein. Das Geschäft mit Firmenkrediten ging leicht zurück. Das sei vor allem dem hohen Wettbewerbsdruck geschuldet: Sparkassen und Volksbanken schöpften viele Kunden ab, indem sie Kreditangebote mit Zinsen von nur einem Prozent anböten. Im mittelständischen Bankgeschäft könne da auf privater Seite keiner mithalten.

Auch die Castell-Bank könne sich einen solchen nicht kostendeckenden Wettbewerb nicht erlauben, so Vikuk. Fallende Erträge und steigende Personalkosten belasteten die Effizienz der Bank.

2018 musste das Geldhaus 90 Cents ausgeben um einen Euro einzunehmen. „Das ist sicherlich kein Wert, der uns erfreut“ meinte Vikuk. Vor zwei Jahren lag das Aufwands-Ertrags-Verhältnis noch bei 80 Prozent. Hauptsitz der Bank ist Würzburg.

Offizieller Unternehmenssitz des Instituts um ihre Inhaber Ferdinand Fürst zu Castell-Castell und Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen, ist wie schon zu Gründungszeiten die Gemeinde Castell. Die Anzahl der Standorte ist seit dem Jahresbeginn gesunken, drei Filialen der Bank hat man geschlossen. Elf Bankniederlassungen bleiben dem Geldhaus noch.

Das habe vor allem mit einem sich verändernden Kundenverhalten zu tun, so Vikuk: „Wir spüren, dass der Kunde nur noch eine Filiale aufsucht, wenn er eine klassische Beratung braucht.“ Gleichzeitig steige die Nachfrage nach digitalen Angeboten. Außerdem folgt die Castell-Bank nun auch dem Nachhaltigkeitstrend der Finanzbranche.

Seit dem 2. Mai bietet das Geldhaus einen „Generationsfonds“ als Anlagemöglichkeit an, vier Millionen Euro beträgt das Volumen bereits. Man setze bei diesem Produkt „auf ethische und umweltfreundliche Rahmenbedingungen“, sagte Pia Weinkamm, seit diesem Jahr die erste Frau im Vorstand der Castell-Bank. Die Juristin arbeitete zuvor bereits 17 Jahre bei der Privatbank. Man halte eine Rendite von zwei bis 2,5 Prozentüber die Jahre für möglich, zwei Prozent der Erträge könnten womöglich ausgeschüttet werden.

Im Vorjahr noch überschattete ein interner Betrugsfall die Bilanzpräsentation der Castell-Bank. Ein Spitzenberater des Geldinstitutes hatte Kunden um fast sieben Millionen Euro geprellt. „Zivilrechtlich haben wir 95 Prozent aufgearbeitet“, berichtete Vorstandschef Klein.

Das Geldinstitut entschädigte die geprellten Kunden, insgesamt drei Millionen Euro kostete die Castell-Bank der Fall. Das Landgericht Nürnberg verurteilte den ehemaligen Filialleiter, der 30 Jahre für die Bank tätig war, wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung zu siebeneinhalb Jahren Haft.

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