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Finanzierung Gegen hohe Kosten für Zahnspangen schützt oft auch eine Versicherung nicht

Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen trägt eine Zahnspange. Die sind oft teuer. Dabei ist ihr Nutzen nicht einmal bewiesen.
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Die Kosten für eine optisch hochwertige Zahnspange können 1.000 Euro schnell übertreffen. Quelle: Getty Images
Feste Zahnspange mit Brackets und Draht

Die Kosten für eine optisch hochwertige Zahnspange können 1.000 Euro schnell übertreffen.

(Foto: Getty Images)

MünchenWas viele Eltern seit Langem vermuten, hat das Gesundheitsministerium zu Jahresbeginn bestätigt: Es gebe nach Auswertung verschiedener Studien derzeit „keine ausreichende Evidenz für den patientenrelevanten Nutzen kieferorthopädischer Leistungen“, hieß es in einem Schreiben aus dem Haus von Minister Jens Spahn an den Bundestag.

Anders ausgedrückt: Der Nutzen von teuren Zahnspangen, bei denen die Eltern bis zum Abschluss der Behandlung gewöhnlich einen hohen Eigenanteil zahlen müssen, ist nicht bewiesen. Insgesamt zahlten die Kassen im Jahr 2017 die gewaltige Summe von 1,15 Milliarden Euro für kieferorthopädische Leistungen.

Generell ist die Frage, ob ein Kind eine Zahnspange benötigt oder nicht, vom Einzelfall abhängig. Den Behandlungsplan, den der Kieferorthopäde im Vorfeld der oft mehrjährigen Therapie bespricht, sollten die Eltern kritisch hinterfragen. Hier die wichtigsten Antworten zu Kosten und Eigenanteil, Zusatzversicherungen und Vertragsbedingungen.

Wie ist die Ausgangslage? Seit 1989 führt das Institut der Deutschen Zahnärzte Studien zur Mundgesundheit durch. Nie hatten Kinder dabei so gesunde Zähne wie heute. Eine Zahnspange ist jedoch bei einer Zahnfehlstellung nötig, die heute oder später Kauen, Beißen, Atmen oder Sprechen beeinflussen kann. Der Kieferorthopäde teilt dafür je nach Schwere in fünf kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG) ein. Die Kassen zahlen ab KIG drei bis fünf, für leichte Fehlstellungen in den Klassen eins und zwei müssen die Betroffenen selbst aufkommen. Schätzungen zufolge trägt mittlerweile mehr als jedes zweite Kind in Deutschland eine Spange.

Was kostet die gesamte Behandlung? Experten der Stiftung Warentest errechneten Werte zwischen 4.000 und 7.000 Euro für die Behandlung. Betroffene können diese Summe durch Sonderwünsche nach oben treiben. Gleiches gilt, wenn Operationen nötig werden. Geklärt werden muss im Vorfeld durch eine sogenannte Mehrkostenvereinbarung, welche Kosten der Patient privat tragen muss. Immer öfter bieten Ärzte dafür einen Ratenplan an.

Was zahlen die Kassen? Grundsätzlich übernehmen sie nur das, was medizinisch notwendig ist, also keine Schönheits-OPs. Das gilt auch für optisch schöneres Material, das viele aus ästhetischen Gründen wählen. Bei einer Kassenbehandlung liegt der Eigenanteil pro Quartal bei 20 Prozent, am Ende der Behandlung bekommen die Eltern nach Einreichen einer Bescheinigung und aller Belege das Geld erstattet. Dazwischen müssen sie häufig 1.000 Euro und mehr vorschießen. Ist ein zweites Kind in Behandlung, liegt der Eigenanteil bei zehn Prozent. Operationen werden komplett von der Kasse übernommen. Ebenfalls entstehen keine Kosten bei losen Spangen für die Nacht.

Was bringt eine Zusatzpolice? Die Zahl der Angebote für kieferorthopädische Leistungen ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Sie sind jedoch immer Teil einer Zahnzusatzversicherung, die einen Anteil bei teurem Zahnersatz übernimmt. Selbst wenn in einer Police Leistungen für Kieferorthopädie enthalten sein sollten, gibt es in vielen Fällen eine Obergrenze, die sich zwischen 1.000 und 2.000 Euro bewegt. Alles darüber zahlt man selbst. Und auch hier gilt: Es wird nur das bezahlt, was medizinisch notwendig ist.

Wann sollte eine Zusatzpolice abgeschlossen werden? Es nützt nichts mehr, wenn der Zahnarzt bereits eine Fehlstellung festgestellt hat. Dann zahlt die neu abgeschlossene Versicherung nicht. Experten empfehlen deswegen bei Kindern bereits ab einem Alter von vier bis fünf Jahren den Abschluss, gewöhnlich beginnen Behandlungen mit etwa zehn Jahren. Die Kosten liegen je nach Anbieter zwischen dem niedrigen und dem mittleren zweistelligen Euro-Bereich pro Monat. Hier kommen über die Jahre Summen zusammen, die die Überlegung nahelegen, ob es nicht sinnvoller wäre, selbst monatlich einen Betrag für eventuelle Behandlungen zurückzulegen.

Was mache ich mit der Police nach Abschluss der Behandlung? Am besten kündigen. Und irgendwann Mitte 30 erneut eine Zahnzusatzversicherung abschließen, die für spätere Reparaturen aufkommt. Stehen solche bereits an, ist es auch hier für eine Erstattung zu spät.

Wie finde ich den passenden Kieferorthopäden? In der Regel kennt der behandelnde Zahnarzt die Kollegen. An seine Empfehlung ist der Patient aber nicht gebunden. Eine gute Quelle sind die Krankenkassen. Sie beobachten sehr genau, welcher Kieferorthopäde sinnvolle und wer überflüssige Leistungen anbietet.

Was passiert bei Abbruch der Behandlung? Wer während einer Behandlung Probleme mit seinem Kieferorthopäden hat und deshalb die Therapie abbricht, bekommt den bis dato gezahlten Eigenanteil nicht zurück. Die Rückerstattung ist auch eine Art Durchhalteprämie.

Kann ich den Kieferorthopäden während der Behandlung wechseln? Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei Umzug. Der Wechsel muss stets in Abstimmung mit der Krankenkasse erfolgen.

Wie sieht es bei Erwachsenen aus? Immer öfter entschließen sich auch Menschen mittleren Alters zu einer Zahnspange. Die Kosten tragen sie dann gewöhnlich komplett selbst. Nur in Ausnahmefällen zahlen die Kassen, wenn beispielsweise eine starke Fehlstellung das nötig macht.

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