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Finanzinstitut 4 Gründe, warum die Commerzbank vor dem Dax-Abstieg steht

Im September könnte Deutschlands zweigrößte Privatbank aus dem heimischen Leitindex fallen. Das sind die Gründe für den Niedergang.
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Dax: Vier Gründe, warum die Commerzbank absteigen könnte Quelle: dpa
Frankfurter Skyline

Der Commerzbank-Turm ist zwar das höchste Gebäude der Stadt, an den Märkten wird das Geldhaus aber wohl bald in der zweiten Liga spielen.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs wäre ein Symbol für den Niedergang der deutschen Großbanken. Die Commerzbank, 1870 von Kaufleuten in Hamburg gegründet, droht im September aus dem Dax zu fliegen. Der Abstieg aus dem deutschen Leitindex wäre für das Geldhaus, das seit dem Dax-Start vor gut 30 Jahren zu den wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland zählt, ein schwerer Rückschlag. Die Bank würde – passend zu ihrem Gründungsort – zum Hamburger SV der deutschen Wirtschaft.

„Natürlich wäre es als Gründungsmitglied des Dax schade, wenn wir nicht mehr dabei wären“, sagte Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels kürzlich. „Aber ich kann da im Moment relativ wenig machen, außer zu gucken, wie sich Markt und Marktkapitalisierung entwickeln.“ Die Marktkapitalisierung und das Handelsvolumen sind die entscheidenden Kriterien für die Mitgliedschaft in der ersten deutschen Börsenliga.

Und aktuell sieht es stark danach aus, als müsste die Commerzbank demnächst in der zweiten Börsenliga, dem MDax, mitspielen. Die Deutsche Börse will die Entscheidung über die künftige Zusammensetzung ihrer deutschen Indizes am Abend des 5. September verkünden. Ab dem 24. September werden die Änderungen dann in Kraft treten.

Der Niedergang der Commerzbank hat bereits Anfang des Jahrtausends mit der Übernahme des Staats- und Immobilienfinanziers Eurohypo sowie der Dresdner Bank begonnen. In der Finanzkrise wurde das Institut dann vom Staat vor dem Aus gerettet – und befindet sich seitdem quasi im Dauerumbau. Für den nun drohenden Dax-Abstieg gibt es im Wesentlichen vier Gründe.

1. Der Aufstieg von Wirecard

Anders als in der Fußballbundesliga steigen aus dem Dax nicht automatisch die schwächsten Teams ab. Einen Austausch gibt es gemäß den sogenannten Fast-Entry-Regeln etwa nur dann, wenn ein potenzieller Aufsteiger bei der Marktkapitalisierung und beim Handelsumsatz jeweils mindestens Platz 25 unter den börsennotierten Unternehmen in Deutschland belegt.

Aktuell erfüllt die Finanztechnologiefirma Wirecard beide Kriterien. Bei der Marktkapitalisierung liegt die Firma aus Aschheim bei München mit rund 23 Milliarden Euro auf Platz 24, beim Handelsumsatz auf Platz 25. Und das kommt nicht überraschend. Der Kurs der Wirecard-Aktie hat sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt. Die Commerzbank büßte dagegen rund 30 Prozent ein und ist aktuell nur rund zehn Milliarden Euro wert.

Wirecard wickelt weltweit Zahlungen ab und profitiert davon, dass immer mehr Menschen online einkaufen oder an der Kasse mit ihrem Handy bezahlen. Mitte August hob der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr bereits zum zweiten Mal an.

2. Schwindende Übernahmefantasien

Im Sommer 2016 hat die Commerzbank Finanzkreisen zufolge über einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank verhandelt. Im vergangenen Jahr fühlte dann die italienische Großbank Unicredit bei der Bundesregierung vor, ob diese sich einen Verkauf der Commerzbank nach Italien vorstellen könne. Und auch die französische BNP Paribas wird im Finanzsektor immer wieder als Interessent für „die Gelben“ gehandelt. Spekulationen über eine Übernahme haben im vergangenen Jahr maßgeblich dazu beigetragen, dass die Commerzbank-Aktie mit einem Plus von über 70 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax zählte.

 Doch mittlerweile sind die Übernahmefantasien weitgehend verflogen. „Ich glaube nicht, dass die Commerzbank kurzfristig über die Ladentheke gehen wird“, sagt ein Investor. „Das Institut, das die größten Synergien erzielen könnte, wäre die Deutsche Bank – aber die hat derzeit viele andere Probleme.“ Und Unicredit und BNP haben deutlich gemacht, dass sie die Commerzbank zumindest kurzfristig nicht übernehmen wollen.

Hinzu kommt, dass sich Bankenaufseher wie Raimund Röseler von der deutschen Finanzaufsicht Bafin kritisch zu großen Zusammenschlüssen geäußert haben. Und ob die Bundesregierung einem Verkauf der Commerzbank ins Ausland zustimmen würde, steht ebenfalls in den Sternen.

3. Niedrige Zinsen

Die Commerzbank leidet wie andere deutsche Geldhäuser unter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Hoffnungen mancher Aktionäre, dass es bald zu Zinserhöhungen kommen wird, haben sich nicht erfüllt. Vielmehr hat die EZB vor, den Leitzins noch über den Sommer 2019 hinaus auf dem Rekordtief von null Prozent zu halten.

Wie viele Einnahmen der Commerzbank wegen der Niedrigzinsen durch die Lappen gehen, zeigt eine Modellrechnung: Bei einem Anstieg der Marktzinsen um einen Prozentpunkt würde der Zinsüberschuss der Bank bereits im ersten Jahr um 500 bis 550 Millionen Euro steigen. Im vierten Jahr wären es nach Angaben des Geldhauses sogar 900 bis 1000 Millionen Euro.

4. Probleme bei der Umsetzung der Strategie

Das Institut hat im Rahmen seiner Strategie „Commerzbank 4.0“ angekündigt, 9600 Stellen zu streichen und rund 80 Prozent seiner Prozesse zu digitalisieren. Im Kundengeschäft setzt die Bank auf Wachstum, um die Belastungen durch die niedrigen Zinsen und den Margendruck im umkämpften deutschen Heimatmarkt wettzumachen. Doch bisher konnte das Geldhaus nicht zeigen, dass diese Strategie aufgeht.

Im Privatkundengeschäft will die Bank von Oktober 2016 bis Ende 2020 mindestens zwei Millionen neue Kunden gewinnen. Rund 800.000 hat sie inzwischen an Bord. Doch es gibt innerhalb und außerhalb des Geldhauses große Zweifel, ob es mit ihnen auch deutlich mehr verdienen kann. Die Erträge, die das Institut mit einem Neukunden im ersten Jahr im Schnitt eingefahren hat, sind von 2015 auf 2017 um über 30 Prozent gefallen.

Noch schlechter sieht die Lage im Firmenkundengeschäft aus. Die Sparte, die sich im Umbau befindet, leidet besonders unter dem harten Wettbewerb um deutsche Unternehmen. Hier gingen die Erträge im ersten Halbjahr um sechs Prozent zurück, das operative Ergebnis brach sogar um fast ein Drittel ein. Die Hoffnung auf eine Trendwende der Sparte 2018 hat die Commerzbank inzwischen aufgegeben. Statt mit steigenden bereinigten Erträgen rechnet sie nun mit einem Rückgang.

Auf Konzernebene gehen Analysen inzwischen davon aus, dass die Bank ihr für 2020 angestrebtes Ertragsziel von 9,8 Milliarden Euro verfehlen wird. Finanzchef Engels will es aber nicht vorschnell aufgeben. „Wenn die Gefahr besteht, ein Ziel zu verfehlen, muss man kämpfen und gegebenenfalls nachschärfen“, sagte er kürzlich.

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1 Kommentar zu "Finanzinstitut: 4 Gründe, warum die Commerzbank vor dem Dax-Abstieg steht"

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  • Ein weiterer, entscheidender Grund, fehlt: Die Commerzbank macht überall den "billigen Jakob". Mit dieser Methode verdient man kein Geld. Trotz vieler Neukunden wird diese Strategie auch langfristig nicht erfolgreich sein. Der Aktienkurs spiegelt dies 1:1

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