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Finanzinstitut Commerzbank trennt sich von innovativer Tochter M-Bank

Gerne haben sich die Frankfurter mit der polnischen Tochter gerühmt. Jetzt will sich die Commerzbank von der M-Bank trennen – aus finanziellen Gründen.
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Das Geldhaus hatte Ende 2018 5,7 Millionen Privatkunden und 23.700 Firmenkunden. Quelle: NurPhoto/Getty Images
M-Bank

Das Geldhaus hatte Ende 2018 5,7 Millionen Privatkunden und 23.700 Firmenkunden.

(Foto: NurPhoto/Getty Images)

Frankfurt Die polnische M-Bank gilt als Vorreiter beim Thema Digitalisierung. Und ihr Mutterkonzern Commerzbank war darauf immer sehr stolz. „Die M-Bank ist eine der innovativsten Banken der Welt“, sagte Ex-Chef Martin Blessing 2016.

Auch Blessings Nachfolger Martin Zielke war stets voll des Lobes. „Immer am Ball zu bleiben und auf die richtigen Trends zu setzen bleibt die große Herausforderung“, sagte Zielke im vergangenen Jahr. „Dafür arbeiten wir eng mit unseren Töchtern Comdirect und der M-Bank in Polen zusammen.“

Künftig will Zielke sich nur noch auf Comdirect konzentrieren – und die Mehrheitsbeteiligung an der M-Bank verkaufen. Die Entscheidung sei der Commerzbank-Spitze nicht leicht gefallen, berichten mit dem Vorgang vertraute Personen.

Doch sie hat einen ganz profanen Grund: Die Frankfurter brauchen das Geld. Durch die Veräußerung wolle das Institut „die Finanzmittel generieren, die eine schnellere Umsetzung der Strategie und die damit verbundenen Investitionen ermöglichen“, teilte die Commerzbank mit.

Durch den Verkauf sinke der Bestand an risikogewichteten Aktiva um rund 17 Milliarden Euro, und es werde Eigenkapital freigesetzt. Diverse Behörden müssen die Transaktion noch absegnen. Analysten halten es für wahrscheinlich, dass vom Staat kontrollierte Banken wie die PKO Bank Polski die M-Bank am Ende schlucken werden. Polnische Politiker haben wiederholt gefordert, Marktopportunitäten zu nutzen, um den polnischen Anteil an im Land aktiven Geldhäusern zu erhöhen.

Die M-Bank hatte Ende vergangenen Jahres 5,7 Millionen Privatkunden und 23.700 Firmenkunden. Sie ist an der Warschauer Börse gelistet und wurde dort zuletzt mit 3,1 Milliarden Euro bewertet. Die Commerzbank hält aktuell 69,3 Prozent. Durch einen Verkauf der Anteile kann das Institut also gut zwei Milliarden Euro einnehmen.

Befürworter eines M-Bank-Verkaufs weisen darauf hin, dass die Commerzbank durch diesen Schritt nicht nur zusätzliche regulatorische Kosten einspart, sondern sich auch einiger Risiken entledigt. Umweltschützer haben wiederholt kritisiert, dass die M-Bank Geschäfte mit Energiekonzernen macht, die ihr Geld mit Kohleverstromung verdienen. Darüber hinaus hat die M-Bank wie andere polnische Institute einst viele Hypothekenkredite in Fremdwährungen wie dem Schweizer Franken vergeben.

Wegen des Wertverlustes des Zlotys gegenüber dem Franken sind die Belastungen für viele Kreditnehmer drastisch gestiegen. Das hat auch die Politik auf den Plan gerufen. Manche Insider fürchten, dass sich Politik und Gerichte in Polen mit dem Thema noch einmal eingehend beschäftigen könnten – und dass der Bank dann weitere Belastungen drohen.

Ärger wegen Copernicus

Auf der anderen Seite verlieren die Hessen mit der M-Bank einen wichtigen Innovationstreiber. Mitarbeiter von Commerzbank und Comdirect haben sich immer wieder mit ihren Kollegen aus Polen ausgetauscht und das ein oder andere Angebot kopiert. Der aktuelle Commerzbank-IT-Vorstand Jörg Hessenmüller war von 2012 bis 2016 stellvertretender Vorstandschef der M-Bank und hat in dieser Zeit beim Thema Technologie und mobile Bankdienstleistungen viel gelernt.

Federführend war die M-Bank auch beim geplanten Aufbau einer europäischen Onlinebank. Die Commerzbank stoppte das Projekt Copernicus aber im Sommer 2018, was bei der M-Bank viele verärgert haben soll. Das polnische Institut war für die Commerzbank nicht nur ein Zukunftslabor, sondern auch ein wichtiger Ertragsbringer. 2018 fuhr die M-Bank 1,1 Milliarden Euro Erträge ein und erzielte einen Vorsteuergewinn von 346 Millionen Euro.

Mehr: Commerzbank-Chef Martin Zielke tut, was er kann, um die Zukunft des Frankfurter Geldinstituts zu sichern. Aber es ist fraglich, ob das noch ausreicht.

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