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Finanzinstitut Warum für die Commerzbank der Verkauf der M-Bank ein Politikum ist

Die M-Bank gilt als innovatives Finanzinstitut, das Interesse an ihr ist groß. Doch Klagen wegen umstrittener Kredite erschweren den Verkauf.
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Mit ihrer Eigenkapitalrendite steht die M-Bank wesentlich besser da als die meisten deutschen Geldhäuser. Quelle: imago/CTK Photo
M-Bank

Mit ihrer Eigenkapitalrendite steht die M-Bank wesentlich besser da als die meisten deutschen Geldhäuser.

(Foto: imago/CTK Photo)

Berlin, Frankfurt M-Bank-Chef Cezary Stypulkowski weiß, dass sein Institut begehrt ist. „Die Anzahl an potenziellen Interessenten ist sehr groß“, sagt der Vorstandschef. Die Commerzbank, die aktuell 69 Prozent an Polens fünftgrößtem Finanzinstitut hält, will ihre Beteiligung verkaufen, um ihren eigenen Umbau zu finanzieren. Und viele in Polen aktive Geldhäuser haben bereits Interesse an dem Institut aus Warschau bekundet.

Doch Stypulkowski machte bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Donnerstag deutlich, dass ihm ein Käufer am liebsten wäre, der bisher nicht in dem osteuropäischen Land aktiv ist.

„Für die Mitarbeiter und das Management wäre jemand, der bisher in Polen nicht präsent ist, die beste Lösung“, sagte Stypulkowski. „Wir hoffen, dass wir mit der Commerzbank während des Transaktionsprozesses im Austausch bleiben und dass die Identität der M-Bank so weit wie möglich bewahrt wird.“

Die Hoffnung von Stypulkowski ist nachvollziehbar, schließlich hat sich die M-Bank als unabhängiges Institut in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Wunsch des M-Bank-Chefs in Erfüllung geht, ist gering.

Mit der österreichischen Erste Group, die in Polen bisher nicht in großem Stil präsent ist, hat zwar ein Institut Interesse an der M-Bank bekundet, das Stypulkowskis Vorstellungen entsprechen würde. Doch die meisten Experten gehen davon aus, dass am Ende eine Bank den Zuschlag bekommt, die in dem Land bereits aktiv ist.

Die Polentöchter der französischen Großbank BNP und der spanischen Santander haben betont, sich die M-Bank anzuschauen. Auch die polnische Einheit der niederländischen ING hat Finanzkreisen zufolge Interesse. „ING könnte durch eine M-Bank-Übernahme zur zweitgrößten Bank in Polen aufsteigen“, sagt Bankenexperte Filip Mazurek von der Beratungsfirma Sollers. „Ich glaube aber nicht, dass ING eine Chance hat, wenn eines der staatlich kontrollierten Institute Interesse hat.“

„Repolonisierung“ des Finanzwesens

Die nationalkonservative Regierung in Warschau setzt sich für eine „Repolonisierung“ des Finanzwesens ein. Finanzminister Jerzy Kwiecinski hat deutlich gemacht, dass sich der Staat beziehungsweise Institute, an denen der Staat beteiligt ist, Gedanken über einen Kauf der M-Bank machen: „Wenn interessante Vermögenswerte von Finanzinstituten auftauchen, sollten wir an solchen Vermögenswerten interessiert sein.“

Als wahrscheinliche Käufer werden in polnischen Finanzkreisen die drei einheimischen Institute PKO BP, Pekao und Alior sowie der Versicherer PZU gehandelt. Die größte polnische Bank PKO BP hat bereits erklärt, sich die M-Bank anzuschauen.

Der polnische Staat ist an PKO BP und am Versicherer PZU maßgeblich beteiligt. PZU wiederum ist Großaktionär bei Alior und der Bank Pekao. Sollers-Berater Mazurek hält es für wahrscheinlich, dass PZU den Zuschlag für die M-Bank bekommt und diese anschließend mit der ebenfalls sehr digitalen Bank Alior fusioniert.

Die M-Bank ist aktuell 3,7 Milliarden Euro wert und gilt als eines der innovativsten Finanzinstitute in Europa. Auch die finanziellen Kennzahlen würden viele deutsche Bankmanager vor Neid erblassen lassen. Im dritten Quartal betrug das Verhältnis von Kosten zu Erträgen 38 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Commerzbank lag die Quote im vergangenen Jahr bei 80 Prozent, bei der Deutschen Bank bei 93 Prozent.

Auch mit ihrer Eigenkapitalrendite, die sich im dritten Quartal auf 9,2 Prozent belief, steht die M-Bank wesentlich besser da als die meisten deutschen Geldhäuser. Der Gewinn des Instituts stieg von Juli bis Ende September um sieben Prozent auf umgerechnet 83 Millionen Euro.

Doch trotz guter Zahlen gibt es beim Verkauf der M-Bank auch eine große Hürde. Das Geldhaus hat vor der Finanzkrise wie andere polnische Institute zahlreiche Kredite in Schweizer Franken ausgegeben. Weil der polnische Zloty gegenüber dem Franken anschließend stark an Wert verlor, wurden die Darlehen für die Kreditnehmer unerwartet teuer.

Anfang Oktober urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass solche Darlehensverträge unwirksam werden können, wenn sie missbräuchliche Klauseln enthalten. Ob dies der Fall ist, müssen polnische Gerichte jedoch in jedem Einzelfall entscheiden.

Diskussion mit Behörden

Seit der EuGH-Entscheidung hat die Zahl der Klagen und die Zahl der Fälle, in denen polnische Gerichte zugunsten der Kunden entschieden haben, deutlich zugenommen. Die M-Bank, die umgerechnet mehr als drei Milliarden Euro an Franken-Krediten ausgereicht hat, stockte die Rückstellungen für diese Darlehen deshalb deutlich auf.

Die Commerzbank hofft Finanzkreisen zufolge darauf, dass sie das Franken-Kredit-Portfolio im Zuge ihres Ausstiegs bei der M-Bank mit verkaufen kann. Sollte dies nicht gelingen, sei das Institut aber darauf vorbereitet, die Darlehen in ihre eigene Bilanz zu nehmen und dort abzubauen.

Bei früheren Verkaufsprozessen hat die polnische Aufsichtsbehörde KNF ausländische Banken gezwungen, die Franken-Kredit-Portfolios zu behalten. Die KNF habe bei dem Thema bisher eine relativ klare Haltung, sagte M-Bank-Chef Stypulkowski. Er äußerte jedoch die Hoffnung, „dass wir das Thema dieses Mal etwas anders lösen können“. Das Kredit-Portfolio von der Bank zu trennen, die mit dem Kunden weiter in Kontakt stehe, sei für niemanden gut.

Mehr: Die Commerzbank muss sich bei der geplanten Übernahme ihrer Direktbank-Tochter auf Gegenwind einstellen. Comdirect-Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs.

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