Finanzlasten günstig abzugeben Griechische Banken kämpfen um ihr Überleben

Die griechischen Banken suchen händeringend nach Wegen, neues Geld aufzunehmen. Dafür trennen sie sich nun großspurig von Auslandsbeteiligungen. Ansonsten könnten sie die nötigen Milliarden kaum einspielen.
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Eine Filiale der „Emporiki-Bank“ in Athen. Quelle: dapd

Eine Filiale der „Emporiki-Bank“ in Athen.

(Foto: dapd)

AthenDer bevorstehende Schuldenschnitt und wachsende Kreditausfälle zehren an der Kapitalbasis der griechischen Banken. Ohne Staatshilfe dürfte kaum ein Institut über die Runden kommen. Um den Einfluss des Staats möglichst gering zu halten, planen die Banken jetzt den Verkauf von Vermögenswerten. Dazu gehören vor allem Beteiligungen im Ausland.

32,1 Milliarden Euro hat das griechische Finanzministerium im Haushalt 2012 für die Rekapitalisierung des Bankensektors zurückgestellt. Das geht aus einem gestern in Athen bekanntgewordenen internen Schreiben von Vize-Finanzminister Philippos Sachinidis hervor. Wie viel frisches Kapital die griechischen Geschäftsbanken im kommenden Jahr benötigen und in welchem Umfang sie auf staatliche Finanzspritzen angewiesen sein werden, ist allerdings noch unklar.

Das hängt vor allem von den Konditionen des Schuldenschnitts (PSI+) ab, über den die griechische Regierung derzeit mit den privaten Gläubigern verhandelt. Nach Angaben der Athener Regierung steht schon bald eine Einigung bevor. „Ich denke, dass es bald eine Übereinkunft geben wird. Ich gehe davon aus, dass dabei keine Probleme auftreten werden“, sagte Regierungssprecher Pantelis Kapsis dem Radiosender Real News am Donnerstag.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die drohenden Verluste im Kreditgeschäft. Der Finanzdienstleister Blackrock klopft jetzt im Auftrag der griechischen Zentralbank die Kreditbücher der Geschäftsbanken auf Risiken ab. Nach inoffiziellen Angaben aus Bankenkreisen liegt die Quote der nicht mehr bedienten Darlehen im Branchendurchschnitt bereits bei 13 Prozent. Das entspräche einer Kreditsumme von 32 Milliarden Euro. Davon ist bisher erst ein Teil durch Rückstellungen gedeckt. Blackrock will der Bank of Greece in den nächsten Tagen seinen Bericht vorlegen. Dann wird man klarer sehen.

Der geplante Schuldenschnitt, bei dem die privaten Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderung verzichten sollen, könnte die griechischen Banken nach Branchenschätzungen mit etwa 23 Milliarden Euro belasten. Davon sind 5,5 Milliarden bereits im zweiten und dritten Quartal 2011 bilanziert. Wie hoch der Restbetrag ausfällt, hängt von der Höhe der Barzahlungen sowie vom Kupon und den Laufzeiten der neuen Wertpapiere ab, die der Staat den Banken im Tausch für die alten Bonds anbietet. Darum wird in den Verhandlungen derzeit gerungen.

Die Lage der griechischen Banken ist nicht nur wegen der großen Bestände staatlicher Schrottpapiere schwierig. Während die Europäische Bankenaufsicht Eba von den Geschäftsbanken bis Mitte 2012 eine Kernkapitalquote (Tier 1) von neun Prozent verlangt, müssen die griechischen Institute eine Quote von zehn Prozent vorweisen. Das gehört zu den Auflagen der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

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10 Kommentare zu "Finanzlasten günstig abzugeben: Griechische Banken kämpfen um ihr Überleben"

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  • @ Island

    So ist es. Anstatt die Banken mit Steuergeld vollzupumpen, soll doch der Staat das Geld für Entschädigngsfonds bereitstellen, falls eine Bank zusammenbricht. Dann wird jeder Kunde bis sagen wir mal 100T€ entschädigt. Das würde den Banken die Lust am Zocken nehmen. Und gegen eine "Kreditklemme", die zur Zeit fehentlich herbeigeredet wird, helfen Kredite anderer Banken.

  • Eine Bank ist auch nur ein „Teilnehmer“ einer Volkswirtschaft. Die Pleite einer Bank ist kein Problem, wenn also die Banken „freiwillig auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten“ können sie auch ruhig abgewickelt werden.

    Es können auch alle Banken in Griechenland aufgelöst werden. Das ist auch kein Thema, viele Osteuropäische Staaten besitzen auch keinen „selbständigen Bankensektor“ mehr.

    Ansonsten kann auch die Griechische Zentralbank die Aufgaben der Banken übernehmen.

  • @ dankedir

    Ganz Ihrer Meinung. Und auch die Subventionen an Banken und die BadBank - gleich streichen. Da wäre ich sofort dabei.
    Einige Zockerbanken würden zusammenbrechen - und das wäre gut so!! Und heilsam.

  • Die haben nicht auf Pump gelebt, die haben die Reichen gar nicht besteuert.
    Etwas ähnliches tut nun auch Deutschland. Die Staatseinnahmen ausschließlich den Bürgern aufhalsen. Reiche bleiben aussen vor.
    Dies verschärft die Krise ungemein, die Einnahmeseite bricht weg.

  • Endlich wieder einmal ein Artikel, der nicht verschleiert. In den letzten Wochen ist es nänlich sehr ruhig über die Finanzkrise und ihre anonyme kriminelle Hintermänner geworden. Unübertroffen ist immer noch der Beitrag in der WIWO http://blog.wiwo.de/chefsache/2011/08/20/eurokalyptische-reiter .
    Diese Klarheit und Konsequenz, ohne ein Hassprediger zu sein, ist sehr hilfreich!
    Diogenes

  • @wonderland666
    Falsch! Staatsschulden sind ein Mißverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben.
    Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Ausgaben senken oder Einnahmen erhöhen. Wenn man sich die EU ansieht, die Entwicklung der Schulden und die Entwicklung der Vermögen der oberen 2 % so wird völlig klar, wie die Schuldenproblematik zu lösen ist.
    Aber davon spricht in Griechenland keiner. Man möchte ja die Bürger in ganz Europa abziehen, und nicht die Krise lösen. Und Einsparungen bei den Bürgern lassen sich mit Horrorszenarien über Schulden gut verkaufen. Und das tun die Marionetten der Reichen: die Regierungen.
    Und was die "faulen" Griechen anbelangt: Teile und Herrsche. Für einige dumme Stammtischler tauchen diese Parolen.

  • Ausgabenproblem? So einfach kann man es sich nicht machen. insbesondere, wenn man den geschichtlichen Werdegang des Spitzensteuersatzes betrachtet.

    Und gerne können wir die Subventionen an die Wirtschaft steichen. Habe ich kein Problem damit. Mal schauen, was dann der Hundt ihnen bellt.

  • Letztlich ist es egal:

    Jahrelang auf Pump gekauft (Griechen), wir haben produziert und die jetzt wertlosen Darlehen vergeben (Deutsche). Alle haben mitgemacht: Politik, Industrie und Banken.

    "Schwarzer Peter" hilft jetzt nicht mehr.

    Ohne Wachstum gibt es einen grandiosen Verteilungskampf.

  • nette Stammtischparole ohne tieferen Sinn.

    Staatsschulden sind ein Ausgabeproblem, sofern das Inkasso funkioniert...(was in Griechenland nicht der Fall war)

    Zur Verdeutlichung: Sie können noch so viel verdienen wie sie wollen, wenn ihre Frau/Partner einfach alles rauswirft, kommen sie auf keinen Grünen Zweig.
    (Siehe AlBundy: 'Du brauchst einen Gute Nacht Job' - Na wohl kaum!)

  • Und überall werden mit Steuermilliarden Banken subventioniert. Vielleicht sollten gerade die Griechen mal anfangen, die Reichen zu besteuern.

    Dann haben sie Geld im Überfluss.

    Das gilt für Deutschland natürlich auch.

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