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Finanzsektor Großbank Santander beteiligt sich am Berliner Fintech Crosslend

Coup für den Berliner Spezialisten für Kreditverbriefungen: Crosslend gewinnt mit der spanischen Großbank Santander einen neuen prominenten Investor.
Update: 16.10.2019 - 15:14 Uhr Kommentieren
Steigendes Interesse an Investitionen in der Fintech-Branche. Quelle: Bloomberg
Filiale von Santander in Madrid

Steigendes Interesse an Investitionen in der Fintech-Branche.

(Foto: Bloomberg)

Madrid Die spanische Großbank Santander steigt über ihren Risikokapitalfonds Santander InnoVentures beim deutschen Fintech Crosslend ein. Die Spanier führen eine Finanzierungsrunde von insgesamt 35 Millionen Euro bei Crosslend an, an der sich auch die bereits bestehenden Investoren beteiligten, die Risikokapitalgeber Lakestar, Earlybird und ABN Amro Ventures.

Crosslend hat eine digitale Lösung entwickelt, um Kredite zu verbriefen, die Investoren kaufen können. Den Banken bietet das in Zeiten hoher Eigenkapitalanforderungen die Möglichkeit, ihre Bilanzen zu entlasten. Für Investoren schafft es angesichts niedriger Zinsen eine neue Anlagemöglichkeit.

Santander steigt nicht nur bei Crosslend ein, sondern will auch die Technik der Berliner für die Verbriefung ihrer eigenen Kredite nutzen. „Crosslend hat eine bessere Technologie für Prozesse entwickelt, die in der Bankenlandschaft heute sehr ineffizient sind“, sagt Manuel Silva Martínez, Chef von Santander InnoVentures, dem Handelsblatt.

Kreditverbriefungen unterliegen zahlreichen rechtlichen Anforderungen, was bislang eine aufwendige manuelle Arbeit erfordert. „Mit der Technologie von Crosslend wird das preiswerter und hilft uns zudem, neue Märkte zu erschließen“, so Silva Martínez.

Oliver Schimek, CEO und Gründer von Crosslend, richtet sein Angebot zunächst auf Europa aus, wo es noch keinen länderübergreifenden Marktplatz für die Verbriefung von Krediten gibt. Seine Wettbewerber sind Investmentbanken, die das Geschäft bisher abgewickelt haben – allerdings zu deutlich höheren Kosten. „In der Vergangenheit gab es Transaktionen, die zu teuer waren und die wir deshalb unterlassen haben, aber mit der Technologie von Crosslend werden sie profitabel“, sagt Silva Martínez.

Das Modell der Spanier besteht grundsätzlich darin, mit den Unternehmen zu kooperieren, an denen sie sich beteiligen. Und auch Crosslend legt Wert auf eine Geschäftsbeziehung. „Wir wollen nicht einfach nur einen neuen Namen auf unserer Investorenliste“, sagt Crosslend-Chef Schimek dem Handelsblatt. Er ist deshalb derzeit in Madrid beim Hauptsitz der Spanier, um die künftige Zusammenarbeit zu planen. Vor einem Jahr ist die niederländische Bank ABN Amro bei Crosslend eingestiegen, und auch sie kooperiert aktiv mit den Berlinern.

Investor hält Produkte und Technik für ausgereift

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, Crosslend sei nun mit 100 Millionen Euro bewertet. Schimek wollte die Summe nicht bestätigen, sagte aber: „Angesichts der Höhe der Finanzierungsrunde ist diese Summe nicht ungewöhnlich.“

Die Berliner sind nach eigenen Angaben der erste und einzige Anbieter digitaler Verbriefungslösungen. Das Unternehmen wurde 2014 gegründet und hat im vergangenen Jahr die ersten Transaktionen durchgeführt. Das genaue Volumen dieser Transaktionen nennt Schimek nicht, es seien jedoch „mehrere Hundert Millionen Euro“. Käufer der Verbriefungen sind institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds.

Manuel Silva Martínez kennt Schimek bereits seit mehreren Jahren und ist jetzt eingestiegen, weil er die Technik und die Produkte nun für ausgereift hält. Eine Komplettübernahme schließen dagegen beide Seiten aus. „Unser Ziel ist nicht, unsere Beteiligungen zu übernehmen, sondern ihnen beim Wachstum zu helfen und sie unabhängig von der Bank zu halten“, sagt Silva Martínez. Und auch Crosslend betont, dass die eigene Unabhängigkeit ein fundamentaler Bestandteil für das Geschäftsmodell des Marktplatzes sei.

In der Finanzmarktkrise waren Verbriefungen in Verruf geraten, weil auch minderwertige Kredite verbrieft und von den Ratingagenturen mit guten Noten versehen wurden. Bei den klassischen Verbriefungen werden Tranchen gebildet – je höher das Risiko ist, desto höher ist auch die Vergütung. Crosslend wandelt dagegen jeden Kredit einzeln in ein Wertpapier um und ein Teil des Kredits verbleibt immer bei der Bank.

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