Finanzstabilitätsrat Das unheimliche Wachstum der Schattenbanken

Seit der Finanzkrise wächst die Bedeutung von alternativen Finanzdienstleistern, vor allem in China. Was dahinter steckt.
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Vor kurzem hat die Regierung die Kontrolle beim drittgrößten Versicherer Chinas übernommen. Quelle: Reuters
Fahnen vor dem Hauptsitz des Versicherers Anbang

Vor kurzem hat die Regierung die Kontrolle beim drittgrößten Versicherer Chinas übernommen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Banken sind längst nicht mehr die alleinigen Herren des Geldes: Zunehmend drängen andere Finanzdienstleister wie etwa Geldmarktfonds, Investmentfonds oder Hedge-Funds in das klassische Finanzgeschäft von Kreditinstituten. Das zeigt der aktuelle globale Schattenbanken-Bericht des Finanzstabilitätsrats.

Danach ist der Sektor im Jahr 2016 um 7,6 Prozent auf 45,2 Billionen Dollar angewachsen. Der Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board) erfasst in dieser Kategorie solche Nicht-Banken, die kreditähnliche Geschäfte betreiben, die aus seiner Sicht die Finanzstabilität gefährden könnten. Die Aktivitäten solcher Schattenbanken umfassen mittlerweile 13 Prozent der finanziellen Vermögenswerte in den 29 Ländern, die das Gremium untersucht hat.

Das Problem solcher Anbieter: Sie können anfällig für Panik-Situationen an den Finanzmärkten sein, etwa wenn Anleger beliebig Geld von ihnen abziehen können, was diese Fonds zu Notverkäufen zwingen könnte. Der Anteil von Anbietern, die für solche Risiken anfällig sind, ist seit Ende 2011 im Durchschnitt um 13 Prozent pro Jahr gewachsen. Alles in allem stellen solche Anlagevehikel wie offene Anleihe-, Kredit- oder Hedge-Fonds 72 Prozent der Schattenbanken.

Vor allem in China sind Schattenbanken sehr aktiv. Der Sektor steht mit seinen sieben Billionen Dollar für gut 15 Prozent der globalen Schattenbanken. Vor kurzem hat Ministerpräsident Li Keqiang angekündigt, die Vorschriften für Schattenbanken, Internetfinanzgeschäfte und Beteiligungsgesellschaften zu verbessern.

„Die Grundlagen der chinesischen Wirtschaft bleiben gesund, und uns stehen viele Werkzeuge zur Verfügung“, versicherte der Premier. „Wir sind völlig in der Lage, systematische Risiken zu verhindern.“ Vor kurzem hatte Peking die Kontrolle über den drittgrößten chinesischen Versicherer Anbang übernommen, der weltweit auf Einkaufstour gegangen war.

Der Aufstieg von solchen „Ersatz-Banken“ kommt nicht von ungefähr. Seit der Finanzkrise sind die Vorschriften für Banken deutlich verschärft worden. Ihre Bedeutung am Finanzmarkt ist seither geschrumpft. In „bank-lastigen“ Volkswirtschaften wie Deutschland oder Italien halten sie mittlerweile weniger als 60 Prozent aller finanziellen Vermögenswerte ihres Landes.

Als Kreditgeber sind die „echten“ Banken aber nach wie vor gefragt, zeigt der Bericht. Denn auch wenn Nicht-Banken zunehmend Kredite vergeben, an das Wachstum von Banken bei der Darlehensvergabe, das 2016 um fünf Prozent wuchs, kommen sie nicht heran. Drei Viertel aller Kredite werden damit nach wie vor von Banken vergeben. Vor allem in China, der Euro-Zone, Großbritannien und den USA florierte deren Kreditgeschäft.

Die Kredit-Plattformen von Fintechs, also von jungen, finanzaffinen Technologie-Firmen, hält der Finanzstabilitätsrat vorerst nicht für bedrohlich. Deren Größe sei in Relation zur Größe des Finanzmarkts insgesamt noch recht gering. „Zur Zeit scheinen diese Aktivitäten für die Stabilität des globalen Finanzsystems kein bedeutendes Risiko darzustellen“, heißt es in dem Bericht. „Ihr schnelles Wachstum legt allerdings nahe, dass es weiterhin wichtig ist, die Entwicklungen in diesem Markt weiter zu beobachten.“

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