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Finanztechnologie Das waren die Highlights auf Europas größter Fintech-Konferenz Money20/20

Drei Tage lang gastierte in Amsterdam der Fintech-Zirkus. Was auf Europas größter Konferenz für Finanztechnologie wichtig war.
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Die Konferenz in Amsterdam stand unter dem Motto „Zirkus“.
Money20/20

Die Konferenz in Amsterdam stand unter dem Motto „Zirkus“.

AmsterdamWenn man den Ankündigungen auf der Money20/20 glauben darf, müssten schlechter Service, teure Finanzprodukte und Falschberatung in Banken bald der Vergangenheit angehören. Was ein Geldinstitut selbst nicht im Angebot hat, bekommen die Kunden über die bankeigene Plattform von Drittanbietern oder sogar von Konkurrenten. Und was die Kunden gerade brauchen, zeigt eine intelligente Datenanalyse.

Auch beim Bezahlen soll laut den Ankündigungen auf der größten Finanztechnologie-Konferenz Europas bald alles wegfallen, was lästig ist. Im Idealfall spielt das Bezahlen gar keine Rolle mehr, es wird unsichtbar und der Kunde erfreut sich einfach an seinem Einkauf.

Etwas getrübt wird die schöne neue Finanzwelt freilich von allerlei Bösewichten, die es mit Hacks auf das Geld oder die Identität der arglosen Kunden abgesehen haben. Aber auch das scheint eigentlich kein Problem zu sein, denn statt mit Passwort identifiziert sich der Kunde künftig per Selfie oder über seine Venen.

Das sind die Banking-Trends der „Money20/20“

Drei Tage lang gastierte in Amsterdam der Fintech-Zirkus. Auf bis zu acht Bühnen gleichzeitig gab es Diskussionen, Vorträge, Workshops sowie Enthüllungen der neuesten Finanz- und Tech-Kooperationen. Begleitet wurde dies von einer Messe, bei der sich mehr als 250 Unternehmen präsentierten.

Die Auftritte des Apple-Co-Gründers, Alipays und Tencents

„Zirkus“ ist hier nicht etwa als Wertung der Autorin zu verstehen. „Zirkus“ war tatsächlich das Motto der Konferenz und so wurde im Amsterdamer Konferenzzentrum Rai eine detailverliebte Kulisse aufgebaut. Mit einem Zirkuszelt, einem Kino, einem großen Springbrunnen und vielen kleinen Jahrmarktsbuden, in denen Speisen aus aller Welt serviert wurden – von Italien über Mexiko bis hin zu Vietnam. Besonders beliebt: die süßen Versuchungen vor dem Eingang zur Hauptbühne. Hier entfalteten frisch gebackene belgische Waffeln, American Pancakes und Popcorn ihren Duft.

Mehr als 5000 Besucher haben an dem Spektakel teilgenommen: Zahlungsdienstleister, Bankdienstleister, Fintech-Start-ups, Banken und andere Interessierte – jeder Vierte ein CEO oder jemand in ähnlicher Position. Ihren Ursprung hat die Konferenz in den USA, eine Europa-Edition gab es nun zum dritten Mal, während Singapur und China in diesem Jahr Premiere feiern.

Als Highlights galten im Vorfeld der Auftritt von Apple-Co-Gründer Steve Wozniak zum Thema künstliche Intelligenz, die Präsentation eines Biometrie-Anbieters, der den US-Schauspieler Antonio Banderas als Markenbotschafter gewonnen hatte, sowie die Keynotes der chinesischen Plattformen Alipay und Tencent.

Nun, wer erwartet hatte, dass „The Woz“ etwas ähnlich Weltveränderndes wie das iPhone präsentieren würde, wurde enttäuscht. Unterhaltsam war sein Auftritt aber trotzdem. Wie viele Experten ist auch er der Meinung, dass von einer echten künstlichen Intelligenz bisher noch keine Rede sein kann.

Was es heute gibt, sei eher Machine Learning. Dabei brauche es doch eigentlich nur neun Monate, um ein Gehirn zu entwickeln, scherzte er. Banderas dagegen kam erst gar nicht nach Amsterdam. Eine Preisverleihung in Los Angeles sei ihm wichtiger gewesen als die Fintechs in Amsterdam, hieß es.

Die Vertreterinnen aus China lieferten dagegen ordentlich ab. Li Wang, Alipays Frontfrau für den EMEA-Wirtschaftsraum, strotzte auf der Bühne geradezu vor Selbstbewusstsein. Keiner der Zuhörer sollte es nach ihrem Vortrag nochmal wagen, Alipay als „Payment Company“ misszuverstehen.

Tatsächlich seien sie eine „Marketing Company“. Das fällt nicht schwer zu glauben, denn auch an Eigenwerbung mangelt es nicht. Sprach Wang am Dienstag noch von 600 Millionen Nutzern, waren es am Mittwoch, inklusive globaler Partnerschaften, schon 870 Millionen – und natürlich „aktive Nutzer“, nicht etwa App-Downloads.

Ein großes Thema: Offene Bankplattformen

Die Zahlen von Tencent waren nicht weniger beeindruckend. Ashley Gou, Regional Director von WeChat Pay, berichtete von monatlich mehr als einer Milliarde aktiver Nutzer. Auf der großen Bühne wirkte sie trotzdem noch etwas unsicher, insbesondere in dem Moment als sie die Umsatzzahlen zu ihrer Hong-Bao-Aktion vorstellte.

Den chinesischen Brauch, Geldgeschenke in roten Umschlägen zu überreichen, habe WeChat Pay digitalisiert und am chinesischen Neujahrstag mehr als eine Milliarde Transaktionen abgewickelt. Diese Zahl ließ Gou zunächst auf das Publikum wirken und war dann sichtlich überrascht, dass der Applaus erst mit etwas Verzögerung einsetzte. Aber vielleicht waren die Zuhörer auch zu überwältigt, um prompt zu reagieren.

Während selbstverständlich auch die „Big Techs“, also Amazon, Google, PayPal und Facebook prominent vertreten waren, glänzten die meisten traditionellen Banken mit Abwesenheit oder schickten zumindest nicht die vordere Managerriege nach Amsterdam. Zu den Ausnahmen zählte die ING, die als niederländische Bank ihre Rolle als Gastgeber ausfüllte.

Nicht nur, dass sie ein hübsches Amsterdamer Kaffeehaus in einem Konferenzraum errichten ließ, CEO Ralph Hamers stimmte die Konferenzteilnehmer als erster Redner auch gleich auf eines der ganz großen Themen der Veranstaltung ein: offene Bankplattformen. Daran führe kein Weg vorbei, es sei denn, man wolle sich als Bank mit der Funktion des Infrastrukturanbieters zufrieden geben – aber dann gehe auch die Marke verloren und gerade die ING will doch eine „Love Brand“ sein.

Auch die spanische BBVA zeigte in Amsterdam viel Präsenz und bestätigte zugleich ihren Ruf als digitaler Vorreiter. Von einer „Money Bank“ entwickle man sich zu einer „Data Bank“, sagte CEO Carlos Torres Vila, wobei aber Privatsphäre ein Menschenrecht sein müsse. Derweil unterstrich auch Andy Maguire, Gruppen-Geschäftsführer und Gruppen-COO der HSBC, auf der großen Bühne die Bedeutung von Plattformen. Ant Financial und Tencent seien außergewöhnlich und zugleich ein Vorbild und eine Gefahr.

Bekenntnisse zur großen Bedeutung von Kooperationen mit Fintech-Unternehmen gab es auch von Visa und Mastercard.

Bevor Charlotte Hogg, Visa-Geschäftsführerin für Europa, jedoch ihr neues Fintech-Investment-Programm vorstellte, bat sie erst einmal um Entschuldigung. Am vorherigen Freitag konnten Visa-Kunden in Europa wegen eines Hardware-Problems teils nicht mit ihren Kreditkarten bezahlen. Derweil berichtete Mastercard-Vorständin Ann Cairns von neuen Produkten, die teils mithilfe von Fintechs entwickelt wurden.

Wo die nächsten Fintech-Shows stattfinden

Daneben kam von ihr ein kleiner Seitenhieb auf Apple-Pay – eigentlich habe Mastercard die Zahlungsmethode ja erschaffen, provozierte sie – zumindest läuft das Bezahlen über ihre Kreditkarten (und die von Konkurrent Visa). Dass Bezahlen wirklich unsichtbar werden kann, zeigte Kelly Wenzel, globale Marketing-Verantwortliche von AmazonPay. In Großbritannien können über Amazons Sprachassistentin Alexa nun Tickets von Virgin Trains gebucht und mit AmazonPay bezahlt werden.

Eine häufig gebrauchte Abkürzung auf der Money20/20 war „PSD2“, also die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie. Deren Ziel ist es, den Wettbewerb im Bereich der Zahlungsdienste zu fördern und zugleich den Verbraucherschutz zu verbessern. Für Banken bedeutet das, dass sie auf Kundenwunsch bestimmten Drittanbietern Zugriff auf die Zahlungsdaten ihrer Kunden gewähren müssen.

Was für ein Schatz diese Daten sind, wenn sie mit dem Ziel eines besseren Services für die Kunden ausgewertet werden, beginnen viele Banken wohl erst jetzt zu verstehen. Umso heftiger scheinen mitunter die Versuche, trotz Richtlinie möglichst wenig preiszugeben. In diesem Zusammenhang war in Amsterdam auch oft die Forderung zu hören, dass Banken ihre „Kultur“ ändern müssten. Im Fokus sollen die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden stehen. Ein Credo, das bei vielen Fintechs überhaupt erst der Grund für ihre Gründung war.

Wer die Fintech-Show in Amsterdam verpasst hat, kann im Oktober nach Las Vegas oder im November nach Hangzhou reisen. Essentielle Reiseutensilien: Bequeme Schuhe wegen der weitläufigen Location und Pullover und Schal wegen der Klimaanlage.

Außerdem nützlich: Ein Kalender, in dem man Termine einfach überblicken und schnell verschieben kann – denn nicht nur die Geschäftsmodelle sind „agil“, sondern häufig auch die Terminplanung. Ebenfalls ratsam: Gelassenheit. An drei Tagen jedes einzelne interessante Thema zu verfolgen ist unmöglich. Die Konferenz ganz ohne neue Denkanstöße oder interessante Kontakte zu verlassen, dürfte aber ebenso unmöglich sein.

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