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Fintech wirbt mit berüchtigtem Bus Der Brexit-Bus ist mit neuer Botschaft auf Tour

Die Finanztechnologie-Firma Monese tourt mit dem einstigen Wahlkampfbus des britischen Außenministers Boris Johnson durch Europa und wirbt für grenzüberschreitende Geldüberweisungen – ohne Gebühren.
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Das Fintech Monese tourt durch Europa, am Donnerstag machte das Unternehmen in Frankfurt Station. Quelle: Katharina Slodczyk
Brexit-Bus in Frankfurt

Das Fintech Monese tourt durch Europa, am Donnerstag machte das Unternehmen in Frankfurt Station.

(Foto: Katharina Slodczyk)

Frankfurt Innen ist der Bus noch im Originalzustand: schwarze Ledersitze, ein Tisch im hinteren Bereich, an dem sechs Leute zusammensitzen können. Damit Getränke nicht umfallen können, hat der Tisch einige Vertiefungen. Hier hat vor mehr als einem Jahr Boris Johnson gesessen, der einstige Bürgermeister Londons und inzwischen britischer Außenminister. Mit diesem Bus fuhr er durch Großbritannien und warb für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Eines seiner Hauptargumente prangte auf der Außenseiten des Busses: 350 Millionen Pfund überweise das Land wöchentlich an die EU. Eine glatte Falschbehauptung.

Johnsons Botschaft – das Symbol für die Verlogenheit der Kampagne der Brexit-Befürworter – ist inzwischen überklebt: „Send € 350 million with zero fees“ (Überweise 350 Millionen Euro zu Nullkosten) steht jetzt auf dem Bus. Das britische Fintech Monese wirbt damit für seine Produkte. Dazu gehören vor allem Girokonten, aber auch grenzüberschreitende Geldüberweisungen, die Monese zu günstigeren Konditionen als etablierte Banken anbieten – normalerweise.

Derzeit nämlich zahlen Kunden gar nichts. Für Geldtransfers mit einem Volumen von insgesamt 350 Millionen Euro stellt Monese seinen Nutzern aktuell gar keine Gebühren in Rechnung und leitet mit dieser Aktion die Expansion auf dem Kontinent ein.

So sah der Bus 2016 aus:

Der heutige britische Außenminister Boris Johnson tourte mit dem Bus durch Großbritannien. Quelle: dpa
Der berühmt-berüchtigte „Brexit-Bus“

Der heutige britische Außenminister Boris Johnson tourte mit dem Bus durch Großbritannien.

(Foto: dpa)

„Wir wollen den Brexit nicht, wir sind für ein offenes Europa und ohnehin für finanzielle Inklusion, weil sich unsere Girokonten an all die richten, die sonst Probleme haben, ein solches Konto zu eröffnen – etwa Migranten“, sagt Monese-Chef und Gründer Norris Koppel. „Die ursprüngliche Botschaft des Brexit-Busses komplett umzudrehen, erschien uns eine ganz gute Idee, um das zu unterstreichen.“ Anfang dieser Woche sind Koppel und sein Team in London gestartet, nach Zwischenstationen in Paris und Brüssel machten sie am Donnerstag in Frankfurt halt.

Koppel hat Monese vor vier Jahren gegründet, vor zwei Jahren hat das Unternehmen sein erstes Produkt auf den Markt gebracht. Die eigenen Erfahrungen, die er als Bürger aus Estland in London machte, waren einer der Gründe: „Ich weiß, wie kompliziert es ist für Ausländer, in Großbritannien ein Girokonto zu eröffnen – wenn man überhaupt keine Kreditgeschichte in diesem Land hat“, erzählt Koppel.

Das sind die zehn größten Fintech-Firmen
Platz 10: OurCrowd
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Die Finanzdienstleistungsbranche steht infolge der Digitalisierung im Wettbewerb mit Start-ups aus der Internetwelt. Sieben der 50 erfolgreichsten Fintech-Firmen kommen aus China. Dies geht aus dem Ranking „Fintech 100“ hervor, das die Unternehmensberatung KPMG und die Investmentgesellschaft H2 Ventures für das Jahr 2015 erstellt haben. Doch auch deutsche Unternehmen sind vertreten.

Den Reigen der Top Ten eröffnet demnach OurCrowd, der weltweit führende Wagniskapitalgeber mit Sitz in Jerusalem. Das Unternehmen, das 2013 gegründet wurde, ermöglicht Investoren auf der ganzen Welt den Zugang zu und das Investment in vielversprechende Start-ups. Gründer Hon Medved zufolge haben bislang rund 1.500 Geldgeber insgesamt 170 Millionen Dollar in 80 Technologiefirmen investiert.

(Foto: Screenshot)
Platz 9: Klarna
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Das schwedische Unternehmen Klarna bietet Zahlungslösungen für Onlineshop-Betreiber in 18 Ländern an. Auch in Deutschland ist es möglich über „Klarna“ zu bezahlen. Das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen ist derzeit 2,25 Milliarden Dollar wert.

(Foto: Screenshot)
Platz 8: Atom
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Im Jahr 2014 gegründet, hat sich die britische Atom Bank zur Aufgabe gemacht, die Bankenbranche zu verändern. Das Ziel könnte bald erreicht werden: Bereits jetzt wird der Finanzdienstleister mit dem Online-Vermittlungsdienst Uber verglichen, der die Taxibranche aufmischte. Erst kürzlich hat die spanische BBVA 68 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert.

(Foto: Screenshot)
Platz 7: Avant
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Der im Jahr 2012 gegründete Finanzdienstleister AvantCredit bietet seinen Kunden Privatdarlehen an. Das Unternehmen konnte im Jahr 2014 Investitionen in Höhe von 75 Millionen Dollar verbuchen.

(Foto: Screenshot)
Platz 6: Kreditech
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Die Aufbauleistung der Kreditech-Gründer ist beachtlich: Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller haben in nur drei Jahren eines der wenigen deutschen Startups hochgezogen, das auch international wahrgenommen wird. Ende September verkündete das Unternehmen, im Rahmen der dritten Finanzierungsrunde bislang umgerechnet 85 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Das Startup gilt als heißer Börsenkandidat, doch das Geschäftsmodell ist umstritten. Zuletzt räumte Diemer seinen Posten als CEO.

(Foto: Screenshot)
Platz 5: Funding Circle
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Die Internet-Konkurrenz der Banken wächst rasant. Neben der US-amerikanischen Plattform Lending Club zählt Funding Circle zu den bedeutenden internationalen Spielern. Seit Oktober steht fest, dass das Unternehmen zudem den schnell wachsenden deutschen Online-Marktplatz für Unternehmenskredite, Zencap, übernimmt. Funding Circle wurde 2010 gegründet und hat nach eigenen Angaben in fünf Jahren Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vermittelt.

(Foto: Screenshot)
Platz 4: Qufenqi
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Die Kreditvergabe-Plattform bietet monatliche Ratenzahlungslösungen für Studenten und Berufstätige in China – und das mit Erfolg. Die meisten Investments in Asien flossen im vergangenen Jahr unter anderem in Qufenqi: 100 Millionen Dollar.

(Foto: Screenshot)

Inzwischen hat das Fintech mehr als 170.000 Nutzer auf der Insel. Zu den Geldgebern des Unternehmens gehört unter anderem Shakil Khan, ein ehemaliger Spotify-Manager.

Obwohl die ursprüngliche Botschaft des Brexit-Bus' inzwischen verschwunden ist und schon lange als Lüge entlarvt wurde: Boris Johnson wiederholt sie weiterhin. So hat er vor wenigen Wochen in einem Zeitungsartikel erneut versprochen, dass das Land die 350 Millionen Pfund, die es an die EU überweise, künftig in den staatlichen Gesundheitsdienst NHS stecken könne.

Der Leiter der britischen Statistikbehörde, David Norgrove, rügte Johnson daraufhin in einem öffentlichen Brief. Er sei „überrascht und enttäuscht“, dass der Außenminister die Zahl von 350 Millionen Pfund wieder verwende. Es handle sich um einen Bruttobetrag, bei dem nicht in Betracht gezogen werde, dass Großbritannien auch Geld von der EU zurückerhalte. „Das ist ein klarer Missbrauch öffentlicher Statistiken“, so Norgrove.

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