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Fintech Zahlungsdienstleister Klarna ist nach neuer Finanzierungsrunde rund fünf Milliarden Euro wert

Das schwedische Finanz-Start-up sammelt 412 Millionen Euro ein und steigt zum wertvollsten Fintech in Europa auf. Nun will es in den USA schneller wachsen.
Update: 06.08.2019 - 17:24 Uhr Kommentieren
Seit April gibt Klarna in Deutschland Kreditkarten heraus. Quelle: Klarna
Klarna Card

Seit April gibt Klarna in Deutschland Kreditkarten heraus.

(Foto: Klarna)

Frankfurt Sebastian Siemiatkowski hat einen neuen Rekord aufgestellt: Nach einer am Dienstag bekanntgegebenen Finanzierungsrunde wird sein Finanz-Start-up Klarna jetzt mit rund fünf Milliarden Euro bewertet. Damit ist es das wertvollste nicht börsennotierte Fintech in Europa – gefolgt von der Berliner Smartphonebank N26 und Transferwise, einem britischen Anbieter für Auslandsüberweisungen. Weltweit ist es nach eigenen Angaben nun das sechstwertvollste Fintech.

In der neuen Finanzierungsrunde hat der schwedische Zahlungsdienstleister rund 412 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von der Dragoneer Investment Group, einem führenden wachstumsorientierten Investor mit Sitz in San Francisco. Beteiligt haben sich laut dem Unternehmen auch die Commonwealth Bank of Australia, HMI Capital LLC, Merian Chrysalis Investment Company Limited, Första AP-Fonden, IPGL, IVP sowie von Blackrock verwaltete Fonds.

Die Beteiligung von Australiens größter Privat- und Geschäftsbank sei zudem Teil einer strategischen Partnerschaft mit Klarna für den australischen und neuseeländischen Markt. Im April hatten bereits bestehende Investoren erneut 90 Millionen in das Unternehmen gesteckt. Insgesamt hat Klarna nun rund 815 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

„Heute ist ein entscheidender Tag im Retail-Banking“, freute sich der Mitgründer und Geschäftsführer Siemiatkowski über das Investment. „In Zukunft wird es keinen Platz mehr geben für einfallslose Produkte oder mangelndes Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse der Kunden.“

Mit dem neuen Geld will er insbesondere das Wachstum in den USA vorantreiben. Dort zähle Klarna schon sechs Millionen Neukunden pro Jahr und unterstütze 3000 Händler. Von besonders großer Bedeutung ist für Klarna bisher der deutschsprachige Markt. Auch hier bezeichnet Siemiatkowski die Wachstumsmöglichkeiten als „enorm“, weshalb man auch in Zukunft stark investieren und „neue Produkte auf den Markt bringen werden“.

Klarna wurde 2005 als Anbieter von Rechnungskauf für den Onlinehandel gegründet und hat sein Geschäftsmodell seitdem stetig erweitert. 2014 übernahm das Unternehmen die Sofort GmbH, den Anbieter der Sofortüberweisung. 2016 folgte das Team der Zahlungs-App Cookies und 2017 der Rechnungskaufkonkurrent Billpay – alle drei Unternehmen stammen aus Deutschland.

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Bereits seit Sommer 2017 hat Klarna eine Banklizenz. Seit Ende vergangenen Jahres vergibt das Unternehmen im Rahmen des Programms „Klarna Boost“ Kredite in Höhe von bis zu 100.000 Euro an kleine und mittelständische Händler. Auch in diesem Jahr kamen weitere Geschäftsfelder hinzu: Die Schweden stellen ihre Datenschnittstellen, über die sie Zahlungen auf den Konten von Verbrauchern auslösen, nun auch anderen Firmen bereit. Und über eine Authentifizierungsplattform sollen lokale Identifizierungslösungen für Händler, andere Unternehmen und Banken gebündelt werden.

Seit April gibt Klarna zudem auch in Deutschland Kreditkarten heraus – in Kooperation mit Visa. Die „Klarna Card“ kann mit den Smartphone-Bezahldiensten Apple Pay und Google Pay genutzt werden und soll Klarna den Sprung vom Onlinehandel an die Ladenkasse ermöglichen.

„Klarna hat sich in den letzten Jahren sehr gut positioniert, weil es zwischen Händlern und Kunden ein Ökosystem rund um das Bezahlen schafft, das beiden Seiten Vorteile bringt“, sagt Oliver Hommel, Zahlungsmarktexperte der Unternehmensberatung Accenture. So biete es den Verbrauchern einen Zahlungsaufschub und löse für Händler zugleich das Problem der Absatzfinanzierung.

Den Ausbau des Geschäfts in den USA hält Hommel für „mutig, aber auch folgerichtig, denn die Gewohnheiten der US-Kunden ändern sich“. Die klassischen Kreditkarten mit monatlicher Abrechnung rückten in den Hintergrund und die Nachfrage nach kleinteiligeren Finanzierungen steige. „Insofern könnte Klarna dort einen Nerv treffen“, so der Experte.

Mit seinem breit aufgestellten Geschäftsmodell generiert das Unternehmen bereits hohe Umsätze. Im vergangenen Jahr hat Klarna seine Einnahmen auf rund 513 Millionen Euro (5,5 Milliarden Schwedische Kronen) gesteigert. Das entspricht einem Plus von mehr als 30 Prozent.

Als Nettogewinn übrig geblieben sind davon allerdings nur knapp zehn Millionen Euro – im Vorjahr waren es bei geringerem Umsatz noch mehr als 30 Millionen Euro. Das geht aus dem Jahresabschluss für 2018 hervor, den das Unternehmen Ende April veröffentlichte. Klarna begründete den Rückgang mit einer „erheblichen Steigerung“ seiner Investitionen. Das Unternehmen wolle wachsen und sich von einem reinen Zahlungsdienstleister zu einer Zahlungsplattform wandeln.

Deutschsprachiger Markt besonders wichtig

Von besonders großer Bedeutung ist für Klarna der deutschsprachige Markt. Laut Jahresbericht wurden hier etwa 40 Prozent des Umsatzes gemacht. Der Großteil entfiel dabei auf Deutschland, wo Klarna zuletzt mehr Umsatz erzielte als im schwedischen Heimatmarkt.

Auch bei britischen Kunden scheint Klarna beliebt zu sein. Nach Aussage des Unternehmens etabliert sich dort der Ausdruck „klarna it“ für Situationen, in denen Kunden über Klarna nicht sofort, sondern mit etwas Verzögerung zahlen.

In Großbritannien hat Klarna dank eigener Lizenz Anfang dieses Jahres auch eine eigene Niederlassung seiner Bank eröffnet. Zudem hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr für mehr als 90 Millionen Euro Close Brothers Retail Finance übernommen. Mit dem Anbieter von Konsumentenkrediten im Online- und Offlinehandel soll die Marktposition in Großbritannien gestärkt werden.

Klarna arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 130.000 Händlern zusammen, darunter etwa Asos, Spotify, MediaMarkt und die Deutsche Bahn. Aktuell beschäftigt das Unternehmen mehr als 2.500 Mitarbeiter in 14 Ländern. Zu Klarnas Wettbewerbern zählen unter anderem der US-amerikanische Dienstleister Paypal und der niederländische Anbieter Adyen. Anders als Klarna und Paypal tritt Adyen allerdings gegenüber den Verbrauchern nicht namentlich in Erscheinung.

Mehr: Die junge Berliner Bank sammelt weitere 152 Millionen Euro von Investoren ein. Damit will sie neue Mitarbeiter einstellen und ihre Expansion vorantreiben.

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