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Fintechs Ausländische Digitalbanken greifen in Deutschland an

Immer mehr Smartphonebanken machen den etablierten Geldhäusern Konkurrenz. Auch der deutsche Bankenschreck N26 muss sich gegen die neuen Wettbewerber behaupten.
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Auf dem Teppich steht ein Teil des Programm-Codes der Smartphonebank. Quelle: Reuters
Im Berliner Büro von N26

Auf dem Teppich steht ein Teil des Programm-Codes der Smartphonebank.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, London Wenn Gründer über die Zukunft ihres Unternehmens sprechen, dürfen Superlative nicht fehlen. Letztlich wollen alle die Besten und Größten werden. Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal wollen aber nicht nur Erfolg und Gewinne, sie wollen, dass ihre Digitalbank N26 „geliebt“ wird – und zwar weltweit. Wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur globalen Marke war vergangene Woche der Start in den USA. Doch während N26, als „Smartphonebank“, im Ausland angreift, gerät das deutsche Vorzeige-Fintech auf dem Heimatmarkt selbst in die Defensive.

Nur etwa zwei Kilometer vom N26-Hauptquartier entfernt, bringt sich gerade der britische Rivale Revolut in Stellung. Im Oktober wollen die Briten in der Friedrichstraße in Berlin ein Technologiezentrum mit 80 Arbeitsplätzen eröffnen. Die neuen Mitarbeiter im „Tech-Hub“ sollen das Wachstum beschleunigen. Mit Tandem und Starling wollen zudem zwei weitere Smartphonebanken aus Großbritannien, bald in Deutschland Kunden gewinnen.

Noch spielen die jungen Herausforderer aus der Start-up-Szene nur eine kleine Rolle auf dem deutschen Bankenmarkt. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Postbank dominieren das Geschäft mit privaten Kunden. Doch Angreifer wie N26 und Revolut werden längst ernst genommen. Und auch viele der kleineren Spieler operieren mittlerweile mit eigenen Banklizenzen. Wie Onlinebanken verzichten sie auf Filialen und bieten in der Regel Gratiskonten an, doch Kern ihres Angebots ist meist eine bedienfreundliche App für das Smartphone. Deshalb werden sie oft als „Smartphonebanken“ bezeichnet oder auch als „Neobanken“.

N26 zählt bereits mehr als 3,5 Millionen Kunden in 24 europäischen Ländern. Die Bank sagt zwar nicht, wie viele davon aus Deutschland kommen, es dürfte aber ein erheblicher Teil sein. Die etablierten Häuser müssen sich also mit der neuen Konkurrenz auseinandersetzen – und die Zahl der Wettbewerber steigt.

Tandem will noch in diesem Jahr den Sprung nach Deutschland wagen, wie Ricky Knox, der Chef des Unternehmens, bestätigt. Egal ob Großbritannien aus der EU ausscheide oder nicht, Tandem wolle außerhalb des Heimatmarkts expandieren. Ähnliches gilt für Starling: „Wir planen, Starling nach Kontinentaleuropa zu bringen“, sagt eine Sprecherin der Bank, ohne ein genaues Datum zu zu nennen. Starling ist bereits in Gesprächen mit der irischen Aufsicht, um eine Banklizenz in der Euro-Zone zu erhalten.

Vor dem Start in Deutschland steht auch die Air Bank Germany. Sie gehört zur tschechischen Bank Home Credit Group. Details dazu, wann genau es losgehen soll und welche Produkte geplant sind, verrät aber auch die Air Bank nicht. Schweigsam, was die Zahl der Kunden angeht, gibt sich die niederländische Smartphonebank Bunq.

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Bunq versucht derzeit, in Deutschland Fuß zu fassen, und hat gerade eine Kooperation mit Barzahlen begonnen. Barzahlen, ebenfalls ein Finanz-Start-up, ermöglicht den Kunden der jungen Banken Ein- und Auszahlungen von Bargeld in 12.000 Supermarkt- und Drogeriefilialen in Deutschland.

Kooperationen mit anderen Fintechs sind typisch für Smartphonebanken. Statt eigene Produkte zu verkaufen, nutzen sie die Expertise Dritter. Bei N26 kommen die Sparkonten vom Fintech Raisin, Auxmoney hilft bei der Kreditvergabe, Clark vermittelt Versicherungspolicen, und Transferwise ermöglicht grenzüberschreitende Zahlungen.

Dass es Newcomer allerdings nicht unbedingt leichtfällt, die Zahl der Girokonten rasch zu steigern, zeigt das Beispiel von Moneyou. Die Tochter der niederländischen Großbank ABN Amro ist mit Tagesgeldkonten schon lange in Deutschland vertreten, seit fast einem Jahr bietet sie auch Girokonten an. Mit bescheidenem Ergebnis: Bislang wurden 15.000 Girokonten eröffnet.

Seit März am Markt ist die Nachhaltigkeitsbank Tomorrow aus Hamburg – auch sie will ein „zeitgemäßes Konto“ per App anbieten. Knapp 8.000 Nutzer registrierte Tomorrow bis Anfang Juli. Bis Ende des Jahres sollen es 20.000 werden. Danach plant der Co-Gründer der Firma Inas Nureldin ein rasantes Wachstum: „Wir halten es für machbar, in drei bis fünf Jahren etwa eine Million Kunden in ganz Europa zu haben“, sagte er kürzlich. Revolut hat diese Marke bereits übersprungen. Die Bank zählt insgesamt 5,5 Millionen Kunden, davon mehr als 150.000 aus Deutschland. Starling wiederum kommt bislang auf insgesamt rund 650.000 Privatkonten.

Bei den Investoren kommen die Revolutionäre des Bankenmarkts bislang gut an, besonders N26. Das Unternehmen stieg Anfang des Jahres zum wertvollsten deutschen Fintech auf, nachdem Investoren es mit 260 Millionen Euro an frischem Geld versorgt hatten, die Gesamtinvestitionen betragen damit 430 Millionen Euro.

Bei einer Bewertung in Höhe von 2,3 Milliarden Euro schaffte N26 es zudem zum ersten deutschen Fintech-„Einhorn“. So werden Unternehmen bezeichnet, die mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet werden. Die Bank wächst rasant, zuletzt hatte sie in nur drei Monaten eine Million Kunden gewonnen – und liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Revolut, die zuletzt von täglich 12.000 neuen Kunden sprachen, was dem gleichen Zuwachs entspricht.

Experten sind skeptisch

Ganz ohne Probleme bleibt das rasante Wachstum allerdings nicht. Ende Mai ordnete die deutsche Finanzaufsicht Bafin bessere interne Sicherungsmaßnahmen gegen Geldwäsche an. Unter anderem moniert die Behörde Rückstände bei der Überprüfung von Transaktionen, die als verdächtig identifiziert worden sind. Zuvor waren mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Betrüger N26-Konten als Zwischenstation nutzten, um Geld aus Betrügereien ins Ausland zu schleusen.

Angesichts des Andrangs der Angreifer aus dem Ausland sind Experten skeptisch, ob sich alle Newcomer in Deutschland durchsetzen werden. „Es ist kein einfacher Markt für neue Banken“, sagt Peter Barkow, Chef des Beraters Barkow Consulting. Der Wettbewerb sei hart, und alle Geldhäuser würden ihre Smartphone-Apps verbessern, auch wenn das App-Design einiger Smartphonebanken häufig noch sehr viel besser aussehe als das traditioneller Institute.

Ingo Garczorz von der Managementberatung Berg Lund & Company wird noch deutlicher: Er sieht für einen zweiten Spieler neben N26 keinen Platz mehr auf dem deutschen Markt. „Einen echten Konkurrenten wird es nicht geben – zumindest solange N26 nicht über sich selbst stolpert, beispielsweise weil die Reputation leidet.“

Obendrein buhlen auch Onlinebanken wie Comdirect, DKB und ING mit weitgehend kostenlosen Girokonten um die Gunst digital affiner Kunden. Anders als Smartphoneinstitute sind Onlinebanken aber nicht darauf angewiesen, per App mit den Kunden in Kontakt zu treten. Zweitens ist ihr Geschäft breiter aufgestellt. So werben ING und DKB auch um größere Firmenkunden, und Comdirect setzt auf den Wertpapierhandel.

Mit der US-Investmentbank Goldman Sachs mischt inzwischen auch ein etabliertes Geldhaus in der Welt der Neobanken mit. Goldman hat 2016 mit „Marcus“ eine Smartphonebank auf den Markt gebracht, die in den Vereinigten Staaten und Großbritannien mehr als vier Millionen Kunden zählt. Auch in Deutschland soll Marcus starten, einen Termin gibt es jedoch noch nicht. Marcus wird wohl frühestens 2020 hierzulande loslegen, zuvor war über einen Start noch in diesem Jahr spekuliert worden. Der Goldman-Ableger bietet Spar- und Festgeldkonten sowie Privatkredite, allerdings kein Girokonto.

Die deutschen Sparkassen wiederum basteln seit Langem daran, ein extra Smartphonekonto auf den Markt zu bringen. „Yomo“, kurz für „Your Money“, sollte eigentlich längst über etliche der knapp 400 Sparkassen verfügbar sein, doch es kam immer wieder zu Verzögerungen. Berater Garczorz rechnet ohnehin damit, dass es Nachahmern schwerfallen wird, „noch eine Nische zu finden“.

Eine Ausnahme könnte Tomorrow mit der Konzentration auf Nachhaltigkeit bilden: „Hier sehe ich die Chance, dass sich Unternehmen von anderen Smartphonebanken abhebt, meint Barkow. Nachhaltigkeit, Ökologie und Umwelt nennen Deutsche zwischen 16 und 38 Jahren als wichtigsten Trend im Alltag, wie eine Umfrage der Beratung Eurogroup zeigt.

Die Geldgeber brauchen einen langen Atem

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Befragten sehen die Filiale noch immer als wichtigsten Kommunikationsweg mit der eigenen Bank, knapp vor E-Mail und Telefon und weit vor dem elektronischen Chat. „Dass die Filiale ganz oben steht, hat uns auch überrascht“, sagt Eurogroup-Partner Michael Matt. „Auch junge Kunden haben den Wunsch, direkt mit ihrer Bank und deren Mitarbeitern in Kontakt zu treten. Ein reiner Chat-Service reicht unserer Ansicht nicht aus, vor allem wenn die Anfragen komplizierter werden.“

N26 sieht das anders. Wer ein Standardkonto bei der Berliner Bank hat, erreicht sie nur per Chat. Auch Revolut bietet keinen Telefonservice, sondern nur eine Chat-Funktion.

Trotz des rasanten Wachstums der Kundenzahlen ist die Frage, womit die Smartphonebanken Geld verdienen wollen, noch nicht endgültig beantwortet. Schließlich nutzen die meisten Kunden die kostenlosen Konten, und das oft nur als Zweitkonto. Die Geldgeber der jungen Banken müssten einen langen Atem haben, warnt Hakan Eroglu vom Berater Accenture: „Es braucht geduldige Investoren, denn in diesem Umfeld ist es völlig normal, dass ein Unternehmen mindestens in den ersten fünf Jahren keine Gewinne erzielt.“

Noch skeptischer zeigt sich Andreas Haug, geschäftsführender Partner beim Risikokapitalgeber E-Ventures: „Smartphonebanken geben extrem viel Geld aus, um Kunden zu gewinnen, die traditionelle Banken ohnehin gerne loswerden wollen – nämlich solche, mit denen sich kaum Geld verdienen lässt“, sagt er. Die digitalen Konkurrenten würden darauf setzen, dass aus den jungen Millennials später loyale, zahlende Kunden werden. Doch das sei keineswegs sicher, und in der Zwischenzeit würden sich auch die traditionellen Banken weiterentwickeln.

Die USA sind Europa technologisch meist ein paar Schritte voraus, Smartphonebanken gibt es dort aber erst wenige. Ob sich N26 wirklich auf dem amerikanischen Markt durchsetzen kann? Immerhin 100.000 Personen haben sich laut dem Unternehmen im Vorfeld auf eine Warteliste eingetragen. Für sie wird das Angebot der Neobank aus Deutschland nun nach und nach zugänglich. Für den Spätsommer ist die Öffnung für weitere Kunden geplant. Wie sehr die Amerikaner sich in die Bank aus Deutschland tatsächlich verlieben, wird sich dann zeigen. Und falls es dort nicht klappt – der Markteintritt in Brasilien ist längst schon angekündigt.

Mehr: Lesen Sie hier, wie Digitalbanken um die Generation Smartphone buhlen.

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