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Fintechs Start-up Weltsparen wagt den Sprung über den Atlantik

Das Berliner Unternehmen will als eines der ersten deutschen Finanz-Start-ups in die USA expandieren. Drei weitere Fintechs planen den gleichen Schritt.
Update: 21.05.2019 - 16:30 Uhr Kommentieren
Der Co-Gründer von Raisin will, dass die Firma weiter schnell wächst – künftig auch in den USA. Quelle: SZ Photo
Tamaz Georgadze

Der Co-Gründer von Raisin will, dass die Firma weiter schnell wächst – künftig auch in den USA.

(Foto: SZ Photo)

FrankfurtEs ist ein Erfolgsmodell: Gerade einmal sieben Jahre nach der Gründung zählt das Berliner Finanz-Start-up Raisin europaweit mehr als 176.000 Kunden aus 31 Ländern. Über die in Deutschland unter der Marke Weltsparen bekannte Plattform haben diese Kunden gut 13 Milliarden Euro auf Tages- und Festgeldkonten von Partnerbanken angelegt. Jetzt wagt das Fintech-Unternehmen den nächsten Schritt: die Expansion in die USA.

Für Co-Gründer Tamaz Georgadze ist es eine logische Weiterentwicklung des rasant expandierenden Unternehmens. „Wir wollen weiter schnell wachsen und sehen dafür in den USA ideale Bedingungen“, sagte er dem Handelsblatt. „Das Zinsumfeld ist für unser Geschäftsmodell aktuell besonders günstig, und der Markt ist noch nicht besetzt.“

Eine Strategie mit Seltenheitswert: Der Sprung in die USA ist in der deutschen Branche bislang rar. Nur von drei anderen Fintechs ist bekannt, dass sie sich nach Amerika wagen: Der Raisin-Wettbewerber Deposit Solutions, die Smartphone-Bank N26 und WebID Solutions, ein Anbieter von Identifizierungsverfahren.

„Es ist ein ungewöhnlicher Schritt“, sagt Peter Barkow vom Berater Barkow Consulting. „Sonst kommen Innovationen, auch auf dem Finanzmarkt, eher von den USA nach Europa als andersherum.“ Besonders erfolgreich gerade in Deutschland ist der US-Onlinebezahldienst Paypal – der allerdings längst kein Start-up mehr ist, sondern ein großer, börsennotierter Konzern.

Doch die vier deutschen Fintechs haben einen guten Grund für die Expansion: Sie wollen in eine Lücke auf dem US-Markt stoßen. „Wenn Fintechs ihr Geschäft in Deutschland oder Europa erfunden und hier stark gemacht haben, ergibt es Sinn, in die USA zu gehen“, so Barkow. „Sie bringen ein neues Angebot in den US-Markt.“

Zudem kann Georgadze auf Unterstützung seiner US-Investoren setzen. Dazu zählen Paypal, Index Ventures, Thrive Capital, Ribbit Capital und Orange Digital Ventures. Außerdem nimmt Raisin am German-Accelerator-Programm in New York teil, das deutsche Start-ups bei der Expansion in die USA unterstützt.

David Segura, Jury-Mitglied beim German Accelerator, zeigt sich angetan von Raisins Wachstum in Europa. Man erwarte, dass das Unternehmen auch in den USA erfolgreich sein werde. „Deshalb sind wir sehr interessiert an der Zusammenarbeit.“

Über das Förderprogramm erhält Raisin beispielsweise Kontakte zu Mentoren und Partnern, ein erstes Büro sowie Unterstützung bei regulatorischen Fragen und der Suche nach Mitarbeitern. Seit 2012 haben bereits 220 Start-ups an German-Accelerator-Programmen teilgenommen. Zwei Drittel davon sind heute tatsächlich in den USA aktiv.

Im Fall von Raisin – und auch Deposit Solutions – gibt es allerdings eine Hürde. US-Privatanleger setzen eher auf Wertpapiere statt auf Einlagen. „Wir werden aus Aktionären keine Sparer machen, aber bei einem kurzen Anlagehorizont nutzen auch Amerikaner Tages- und Festgelder“, sagt Georgadze. Angesichts der gestiegenen US-Leitzinsen seien Anleger auf der Suche nach Konten mit höheren Zinsen.

Einige andere deutsche Finanz-Start-ups dürften genau verfolgen, wie es den deutschen Pionieren in den USA ergeht. Sven Korschinowski, Partner des Wirtschaftsprüfers KPMG, rechnet damit, dass weitere deutsche Fintechs folgen, „allerdings nur eine kleine Zahl“.

Die Expansion kann den Firmen den letzten Schliff verpassen. „Der Schritt in die USA kann für ein Fintech und auch für andere Start-ups sehr hilfreich sein, weil sie sich dort dem maximalen Wettbewerb stellen müssen.“

Wann genau das für Raisin der Fall sein wird, sagt Georgadze nicht. „Wir würden natürlich gern schnell starten, aber bei anderen Fintechs haben wir gesehen, dass es eher länger dauert, als man vorher denkt.“ Einen US-Geschäftsführer hat er indes schon gefunden: Paul Knodel, der für Großbanken gearbeitet und zuletzt beim digitalen Vermögensverwalter Wealthfront die Einführung von Sparprodukten verantwortet hat.

In den USA wird Raisin auf einen alten Bekannten stoßen: Deposit Solutions. Das Fintech aus Hamburg ist mit seinen Plattformen Zinspilot und Savedo schon in Deutschland der Hauptwettbewerber und hat im November seine Expansion in die USA angekündigt. Die erste Partnerbank habe unterschrieben. Über seine beiden Plattformen hat die Firma in Europa mehr als 13 Milliarden Euro vermittelt und zählt 180.000 Kunden.

Die Smartphonebank N26 wiederum musste den Starttermin verschieben: Im Oktober 2017 kündigte die Firma den Start für Mitte 2018 an. Nun soll es im Sommer dieses Jahres so weit sein. In den USA gebe es zwar viele Fintechs, aber noch keines habe eine Bank komplett ersetzt, so N26.

Lange dürfte N26 damit aber nicht allein bleiben. Auch die britischen Rivalen Revolut und Monzo wollen diesen Schritt gehen. Während N26 eine Banklizenz in den USA benötigt, prüft Raisin derzeit noch, „ob wir eine eigene Broker-Dealer-Lizenz brauchen oder ob wir das an eine Bank auslagern“, so Georgadze.

WebID Solutions hat bereits ein Patent in den USA erhalten. Inzwischen seien zwei Manager beauftragt worden, Teams aufzubauen. Auch Kooperationspartner habe das Unternehmen vor Ort gefunden, sagte ein Sprecher. Bei den Kunden will WebID mit „Qualität made in Germany“ punkten.

Mehr: Geldinstitute müssen beim Zahlungsverkehr schnell und konsequent handeln. Endlich wagen deutsche Banken den Versuch, der Macht von Apple & Co. etwas entgegenzusetzen. Ein Scheitern des Plans ist dennoch nicht ausgeschlossen.

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