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Fintechs Trade Republic und Revolut Diese Fallstricke müssen Sie beim Aktienhandel mit dem Handy beachten

Beim Trading per App fallen häufig unerwartete Gebühren für die Nutzer an. Ein Vergleich zweier Fintechs zeigt, wie die Unternehmen ihr Geld verdienen.
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Noch ist die Wertpapierauswahl in Broker-Apps begrenzt. Quelle: Moment/Getty Images
Aktienkurse und Binärcodes

Noch ist die Wertpapierauswahl in Broker-Apps begrenzt.

(Foto: Moment/Getty Images)

Frankfurt Das Angebot klingt verlockend: Aktien handeln, ohne Orderprovisionen zu zahlen. Damit wirbt seit Anfang des Jahres das Berliner Finanz-Start-up Trade Republic und seit Kurzem auch die britische Smartphonebank Revolut.

Ein Vergleich der beiden zeigt jedoch: Abgesehen vom Verzicht auf Orderprovisionen und vom Zugang über eine Smartphone-App gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Verglichen mit herkömmlichen Brokern dürften Anleger einige Funktionen vermissen.

Woher stammt die Idee?

Vorbild ist die amerikanische Smartphone-App Robinhood, die Ende 2014 gestartet ist und in den USA inzwischen mehr als sechs Millionen Kunden zählt. Die Trading-Funktion von Revolut ist erst eine Woche am Markt. Trade Republic hat die ersten Depots im Februar eröffnet. Die Kundenzahl liegt laut Gründer Christian Hecker „im gut fünfstelligen Bereich“.

Wer kann die Angebote nutzen?

Hier zeigt sich gleich der erste fundamentale Unterschied zwischen den beiden Apps. Das Angebot der britischen Smartphonebank kann nur in Verbindung mit einem Revolut-Konto genutzt werden. Zum Start in der vergangenen Woche sollte die Trading-Funktion zunächst für Kunden mit dem Kontomodell „Metal“ freigeschaltet werden.

Für diese Konten fällt eine monatliche Gebühr in Höhe von 13,99 Euro an. In den kommenden Wochen sollen auch Kunden mit Premium-Konten (7,99 Euro pro Monat) und den kostenlosen Standard-Konten Aktien über „Revolut Trading“ handeln können.

Die App von Trade Republic steht dagegen allen Interessenten offen. Anfangs mussten sich Kunden auf einer Warteliste eintragen. Inzwischen können Nutzer nach Installation der App unmittelbar ein Depot eröffnen – dafür müssen sie sich per Video-Chat identifizieren. Sobald sie Geld auf das Verrechnungskonto überwiesen haben, können sie loslegen.

Welche Partnerfirmen sind involviert?

Trade Republic hat eine Lizenz als Wertpapierhandelsbank und wird von der Finanzaufsicht Bafin kontrolliert. Daher führt die Firma selbst die Depots der Anleger. Das Verrechnungskonto, über das Ein- und Auszahlungen laufen, führt dagegen die Solarisbank. Bei der Order-Abwicklung kooperiert Trade Republic mit der Großbank HSBC.

Revolut hat seit Dezember 2018 eine Banklizenz aus Litauen, agiert aktuell aber noch mit seiner Lizenz als E-Geld-Institut. Sowohl die Depotführung als auch die Abwicklung übernimmt im Hintergrund der Broker DriveWealth. Das Unternehmen sitzt in Chatham, USA, und hat sich darauf spezialisiert, für andere Firmen den Wertpapierhandel abzuwickeln.

Welche Wertpapiere können gehandelt werden?

Bei Revolut können Kunden zum Start des Angebots in 300 Aktien investieren, die in den USA gelistet sind. Eine Kundenbefragung habe im Vorfeld ein großes Interesse an diesem Markt ergeben, sagte ein Sprecher von Revolut. In „naher Zukunft“ würden auch britische und europäische Papiere hinzukommen.

Über Trade Republic können Anleger mehr als 6.500 deutsche und internationale Aktien, 500 börsennotierte Indexfonds (ETFs) sowie rund 40.000 Derivate von HSBC Deutschland – insbesondere Optionsscheine und Knock-out-Produkte – handeln. Weitere Anlageprodukte seien geplant, so Hecker. Noch in diesem Jahr soll es ETF-Sparpläne geben.

Welche Order-Typen sind verfügbar?

Revolut bietet bisher nur Market-Orders. Diese werden dann umgehend ausgeführt. Limit-Orders, bei denen Anleger im Vorfeld festlegen können, zu welchem Kurs sie ein Wertpapier kaufen oder verkaufen möchten, seien geplant. Trade Republic bietet bereits Limit-Orders. Bei Derivaten sind auch Stop-Loss-Orders möglich. Diese sollen künftig auch für Aktien und ETFs verfügbar sein.

Welche Zusatzbedingungen gelten für Orders?

Bei Revolut liegt der Mindestauftragswert pro Order bei einem Dollar, der Höchstwert bei 1.000 Dollar. Wer Anteile im Wert von mehr als 1.000 Euro kaufen will, muss also nacheinander mehrere Orders aufgeben. Anlegern, die viel Geld auf einzelne Papiere setzen wollen, entstehen dadurch zusätzlich Kosten.

Positiv für Kleinanleger ist dagegen die Möglichkeit, nur einen Teil einer Aktie zu erwerben – mindestens im Wert von einem Dollar. Das ist insbesondere bei Papieren großer Unternehmen sinnvoll, bei denen einzelne Aktien schon mal mehrere hundert Dollar kosten können. Dank der Funktion können auch Kleinanleger ihr Geld breit streuen. Bei Trade Republic gibt es weder Mindest- noch Höchstgrenzen für Orders, aber auch keine Aktienstückelung.

Über welche Börsen läuft der Handel?

Bei Trade Republic wird an der Börse Hamburg über die Plattform LS Exchange des Finanzdienstleisters Lang und Schwarz gehandelt. Die Spreads, also die Handelsspannen beim Kauf von Aktien oder ETFs, sind an den Referenzmarkt Xetra gebunden.

Außerhalb der Xetra-Handelszeit können sie aber höher sein – der Handel ist über LS zwischen 7.30 Uhr und 23 Uhr möglich. Der Derivatehandel erfolgt außerbörslich mit dem Emittenten HSBC Deutschland. Bei Revolut-Trading führt DriveWealth die Orders über die New Yorker Börse und die Nasdaq aus.

Welche Gebühren fallen an?

Bei Trade Republic zahlen die Nutzer pro Order einen Euro sogenannte Fremdkostenpauschale. Laut Preis-Leistungsverzeichnis können zusätzliche Kosten hinzukommen. Die Regel ist das aber nicht. Mit dieser Formulierung würden Sonderfälle abgedeckt, so der Anbieter. Zudem fallen etwa bei ETFs die üblichen impliziten Produktkosten an. Die Depotführung ist kostenlos.

Bei Revolut können Kunden mit einem Metal-Konto monatlich 100 Mal provisionsfrei handeln, Premium-Kunden acht Mal und Standard-Kunden drei Mal. Danach wird pro Order eine Gebühr in Höhe von einem britischen Pfund (1,09 Euro) fällig.

Hinzu kommen jährliche Depotgebühren in Höhe von 0,01 Prozent des Marktwerts des Depotvermögens. Daneben fallen zwei Arten von Gebühren von amerikanischen Aufsichtsbehörden an: Die Securities Exchange Commission (SEC) erhebt 20,70 Dollar pro eine Million Dollar. Für alle Aktien- und ETF-Verkäufe fällt zudem die sogenannte TAF-Gebühr an, die pro Aktie mindestens bei 0,01 Dollar und höchstens bei 5,95 Dollar liegt.

Nach Angaben des Revolut-Sprechers werden sowohl die Depotgebühren als auch die Gebühren an die Behörden erst zu einem späteren Zeitpunkt von den Kunden verlangt. Für Überweisungen vom Revolut- auf das Anlagekonto, das in Dollar geführt wird, sollen keine Gebühren anfallen. Das Geld werde zu „echten“ Interbanken-Kursen getauscht.

Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Brokern liegen die Gebühren häufig bedeutend höher. Je nach Größe des Depots verlangen sie häufig zwischen 2,65 und 12,95 Euro pro Order – zuzüglich Fremdkosten. Die günstigsten Anbieter waren bisher Flatex und Degiro.

Wie übersichtlich sind die Angebote?

Revolut mutet seinen deutschsprachigen Kunden bei Eröffnung des Depots einiges zu. Die 15 Seiten Risikoaufklärung von Revolut und 13 Seiten Kundenvereinbarung von DriveWealth stehen nur in englischer Sprache bereit.

An Übersetzungen werde gearbeitet. Die Unterlagen finden sich auf der Website im Bereich „Rechtliche Dokumente“. Bei Trade Republic verbirgt sich die 35-seitige Kundenvereinbarung im Impressum.

Wie wird die Steuer abgeführt?

Als in Deutschland ansässige Depotbank führt Trade Republic auf Kapitalerträge automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer an den Fiskus ab und berücksichtigt auch Freistellungsaufträge. Bei Revolut sieht das anders aus.

Da der Broker DriveWealth in den USA ansässig ist, steht dieser nicht im Austausch mit dem deutschen Fiskus. Anleger müssen ihre Erträge daher in der Steuererklärung offenlegen. Hinzu kommt: Auf Dividenden behält der Broker in der Regel 30 Prozent Quellensteuer ein. Dank eines Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und den USA können sich Anleger einen Teil davon beim US-Fiskus zurückholen, sie müssen sich aber selbst darum kümmern.

Fazit:

Ob die Angebote eine Alternative zu etablierten Brokern sind, hängt von den individuellen Bedürfnissen der Anleger ab. Noch ist die Wertpapierauswahl bei beiden Anbietern begrenzt. Auch können die Handelsplätze nicht frei gewählt werden.

Bei Revolut führt die Kooperation mit dem US-Broker zu Mehraufwand für Anleger, außerdem besteht beim Handel mit US-Aktien ein Wechselkursrisiko. Funktionen wie die Aktienstückelung sind positiv. Beide Anbieter wollen ihre Services ausbauen und könnten so attraktiver werden.

Mehr: Immer mehr Smartphonebanken machen den etablierten Geldhäusern Konkurrenz. Das sind die Wettbewerber.

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