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Worldpay ist ein führender Anbieter für die finanzielle Abwicklung von Sportwetten und Online-Glücksspielen.

(Foto: dpa)

FIS und Worldpay Mega-Fusion im boomenden Markt der Zahlungsabwickler

Der US-Spezialist für Banken-IT, FIS, will den Zahlungsdienstleister Worldpay für 35 Milliarden Dollar kaufen. Weitere Fusionen in der Branche dürften folgen.
Update: 18.03.2019 - 18:36 Uhr Kommentieren

Frankfurt Die Branche der Zahlungsdienstleister gerät zusehends in Bewegung – durch zwei Megadeals binnen weniger Wochen: Am Montag teilte der amerikanische Spezialist für Banken-IT, FIS, mit, dass er den Zahlungsdienstleister Worldpay für 35 Milliarden Dollar (knapp 31 Milliarden Euro) kaufen will.

„In unserer Branche, die sich rasch verändert, spielt Größe eine entscheidende Rolle“, sagte FIS-Chef Gary Norcross, der auch künftig an der Spitze des fusionierten Unternehmens stehen wird.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wäre die Übernahme die bislang größte im boomenden Markt der Zahlungsabwickler. Erst vor wenigen Wochen hatte es einen ganz ähnlichen Deal gegeben: Mitte Januar kündigte der FIS-Wettbewerber Fiserv an, dass er First Data – wiederum ein Konkurrent von Worldpay – für 22 Milliarden Dollar erwerben will.

Zahlungsdienstleister sind derzeit aus mehreren Gründen begehrte Übernahmeziele. Sie profitieren vor allem von zwei großen Trends: Erstens zahlen Kunden weltweit immer weniger mit Bargeld und immer mehr mit Bank- und Kreditkarten sowie per Smartphone. Zweitens wächst der Onlinehandel rasant – und damit auch online abgewickelte Zahlungen.

Die Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) prognostiziert, dass die Erlöse im Zahlungsverkehr weltweit von zuletzt knapp 1,4 Billionen Dollar auf gut 2,4 Billionen Dollar im Jahr 2027 nach oben schnellen werden, wobei ein großer Teil aus Schwellenländern kommen dürfte.

Ein deutliches Zeichen dieses Booms in Deutschland war der Dax-Aufstieg des Münchener Zahlungsdienstleisters Wirecard 2018. Der Konzern ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, sieht sich allerdings seit Wochen Vorwürfen um Kontomanipulation und Betrug gegenüber. Zwischenzeitlich war Wirecard an der Börse sogar mehr wert als das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank.

Dass die Zahlungsabwickler den Banken den Rang ablaufen, spüren auch IT-Dienstleister wie FIS und Fiserv verstärkt. „FIS verkauft Banken unter anderem spezielle Software für die Abwicklung von Zahlungen“, erklärt Hakan Eroglu, Experte für Zahlungsverkehr beim Berater Accenture. Durch die Übernahme von Worldpay stelle sich FIS jenseits von Softwareprodukten im Zahlungsverkehr breiter auf, so Eroglu.

Das ist auch nötig, denn im Zahlungsverkehr sind nicht die traditionellen Banken die großen Gewinner, sondern Unternehmen wie Worldpay und Wirecard, aber auch Adyen und First Data. Sie alle liefern Dienstleistungen rund um den Zahlungsverkehr für Onlineshops, aber auch für den klassischen stationären Handel.

So könnten Händler ihren Kunden viele verschiedene Zahlungsmethoden anbieten – etwa Kreditkarte, Lastschrift oder Onlinebezahldienste wie Paypal. In der Regel berechnen die Zahlungsdienstleister dafür einen kleinen Anteil des Transaktionsvolumens. Zum Service der Branche gehört aber auch die Wartung von Kassenterminals sowie Betrugsprävention.

Hinzu kommt, dass auch Tech-Konzerne wie Apple und Google im Zahlungsverkehr mitverdienen wollen – durch ihre Bezahlverfahren Apple Pay und Google Pay, die vor allem beim Bezahlen per Smartphone zum Einsatz kommen. Ähnliches gilt für die chinesischen Pendants Alipay und WeChat Pay. „Man kann davon ausgehen, dass sich der Zahlungsverkehr zunehmend weg von den Banken und hin zu Tech-Konzernen entwickelt“, so Eroglu.

Auch der Wettbewerb zwischen den Zahlungsdienstleistern ist enorm. Zwar boomt der Markt, doch das garantiert noch nicht den Erfolg der Unternehmen. So werden die Kunden, besonders die großen, global agierenden Händler, anspruchsvoller. Sie verzahnen ihr Geschäft online und im Laden – und das über Ländergrenzen hinweg.

In Europa sorgen zudem neue Regeln für noch mehr Konkurrenz. Die BCG-Berater schätzen, dass die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 dafür sorgen werde, dass weitere Akteure sich auf den Zahlungsverkehr stürzen. So können Start-ups neuerdings mit einer Erlaubnis der Finanzaufsicht als sogenannter Kontoinformations- oder auch Zahlungsauslösedienst agieren. Sie dürfen auf Wunsch der Kunden auf deren Konto zugreifen, Daten auslesen oder Zahlungen abbuchen.

Übernahmen auch in Europa

Insgesamt sind die Margen im Zahlungsverkehr gering, und sie sinken tendenziell: „Der Margendruck im Zahlungsverkehr ist stark, und die Regulierung nimmt zu, zum Beispiel durch strengere Vorschriften, um Geldwäsche zu verhindern“, sagt Eroglu. Er rechnet mit weiteren Übernahmen und Fusionen: „Das ist noch nicht das Ende der Konsolidierung.“

Gerade in Europa gilt die Branche der Zahlungsabwickler als zersplittert – trotz einer Reihe von Zusammenschlüssen. So übernahm das dänische Unternehmen Nets vergangenes Jahr den Konkurrenten Concardis aus Deutschland. Hinter Nets stehen die Finanzinvestoren Hellman & Friedman.

Zwei weitere Beteiligungsgesellschaften, Bain und Advent, hatten Concardis zuvor deutschen Kreditinstituten abgekauft. Mehrere Unternehmen der Branche sind ganz oder teils in Händen von Finanzinvestoren – und Grund, weshalb Beobachter mit weiteren Fusionen rechnen.

Daneben veräußerte die Schweizer Six Group, die auch Börsenbetreiber ist, ihren Zahlungsdienstleister an den Konkurrenten Worldline aus Frankreich. Und der französische Zahlungsdienstleister Ingenico legte sein Deutschlandgeschäft mit BS Payone, einer Firma der deutschen Sparkassen, zusammen – wobei Ingenico die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen hält. Auch Worldpay hat gerade erst einen Zusammenschluss hinter sich. Dir Firma, die in Europa vor allem auf dem britischen Markt stark ist, war erst vor knapp zwei Jahren mit dem US-Kreditkartenspezialisten Vantiv verschmolzen.

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