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Folgen der Finanzkrise EU-Staaten wollen weichere Regeln für faule Kredite

Die EU-Länder haben sich auf neue Regeln für notleidende Darlehen geeinigt – und kommen den Banken entgegen. Die Vorschriften fallen wohl schwächer aus als geplant.
Update: 31.10.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren
Blick auf den Eingang einer Filiale eines italienischen Geldhauses. Die Banken in dem südeuropäischen Land haben viele Problemkredite in ihren Bilanzen. Quelle: dpa
Italiens Banken

Blick auf den Eingang einer Filiale eines italienischen Geldhauses. Die Banken in dem südeuropäischen Land haben viele Problemkredite in ihren Bilanzen.

(Foto: dpa)

Brüssel/Frankfurt Es war lange klar, dass es schon bald neue, härtere Regeln der Europäischen Union für den Umgang der Banken mit faulen Krediten geben würde. Dafür rätselten Beobachter, wie hart die Vorschriften am Ende genau ausfallen würden. Seit Mittwoch ist nun deutlich, dass die Politik der Finanzbranche entgegenkommt – zumindest ein Stück weit.

Die Mitgliedstaaten haben die ursprünglichen Vorschläge der EU-Kommission zum Abbau von Problemkrediten abgemildert. Sie einigten sich darauf, den Banken mehr Zeit einzuräumen, um Rückstellungen für neu hinzukommende ausfallgefährdete Darlehen zu bilden.

Die faulen Kredite sollen nun binnen drei Jahren abgesichert werden, anstatt der von der Kommission vorgeschlagenen zwei Jahre. Zudem sollen die neuen Auflagen erst später in Kraft treten als vorgesehen. Das EU-Parlament muss den abgeschwächten Vorgaben noch zustimmen.

Die EU-Kommission hatte im Frühjahr verbindliche Regeln für den Umgang mit problematischen Krediten in Bankbilanzen vorgeschlagen – und angemahnt, dass Verluste noch immer zu wenig und zu langsam realisiert würden. Die neuen Regeln sind Teil eines großen Pakets, mit dem Brüssel die europäischen Geldhäuser krisenfester machen will.

Die in der Branche als „non-performing loans“ (NPLs) bekannten Kredite sind eine Folge der Finanzkrise von 2008 und 2009. Unternehmen wie Privathaushalte hatten damals auf dem Höhepunkt der Verwerfungen massive Probleme, das von Banken geliehene Geld zurückzuzahlen.

Die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten die Geldhäuser im Euro-Raum bereits Anfang des Jahres eindringlich aufgefordert, ihre Bilanzen so zügig wie möglich von faulen Krediten zu säubern. Erst vor Kurzem hatte die Notenbank noch einmal klargemacht, dass sie den Berg von Problemkrediten neben den geopolitischen Risiken und der Cyberkriminalität als größte Gefahr für die Finanzstabilität der Währungsunion sieht. EZB-Bankenaufsichtschefin Danièle Nouy warnte, dass die Geldhäuser in Zeiten billiger Liquidität in Versuchung geraten, hohe Risiken zu übernehmen, und sich so die Problemkredite von morgen in die Bilanz holen könnten.

Mitte des Jahres schleppten die großen Banken der Euro-Zone immer noch faule Kredite im Volumen von 657 Milliarden Euro mit sich herum. Allein die großen italienischen Institute, die momentan wegen des Haushaltsstreits der neuen Regierung in Rom mit der EU-Kommission besonders im Fokus stehen, saßen noch auf 159 Milliarden Euro an „non-performing loans“.

 Kredite gelten dann als ausfallgefährdet, wenn Tilgung oder Zinszahlungen mindestens 90 Tage überfällig sind. Ein hoher Bestand an notleidenden Darlehen in den Bankbilanzen drückt auf die Erträge und lässt Institute bei der Vergabe neuer Darlehen tendenziell vorsichtiger agieren. Das wiederum belastet das Wirtschaftswachstum.

„Der Umgang mit faulen Darlehen und die Konsolidierung der Bankbilanzen sind essenziell für die Wiederherstellung des Vertrauens in unser Finanzsystem“, betonte der österreichische Finanz- und Wirtschaftsminister Hartwig Löwer. Das Land hat derzeit den Vorsitz im EU-Rat inne. Löwer sieht die jetzt vereinbarten Regeln als wichtigen Schritt, um neues Vertrauen aufzubauen.

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