Folgen der Finanzkrise RBS stellt 3,9 Milliarden Dollar zurück

Die Royal Bank of Scotland stellt fast vier Milliarden Dollar zurück. Mit dem Geld will sie sich für eine mögliche Einigung mit der US-Justiz im Nachgang der Finanzkrise wappnen. Der Bank droht ein neuer Rekordverlust.
Update: 26.01.2017 - 09:59 Uhr 3 Kommentare
Die britische Großbank ist tief in die Finanzkrise verstrickt. Quelle: Reuters
Zentrale der Royal Bank of Scotland am St Andrew Square in Edinburgh

Die britische Großbank ist tief in die Finanzkrise verstrickt.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Royal Bank of Scotland (RBS) bildet milliardenschwere Rückstellungen. Wie das Wall Street Journal berichtet, stellt die Bank 3,9 Milliarden US-Dollar zurück, um für künftige Forderungen der US-Justiz gewappnet zu sein. Das Geld sei dafür vorgesehen, Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Verkauf toxischer Wertpapiere vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 auszuräumen, teilte das Geldhaus am Donnerstag mit.

Bislang ist laut RBS noch unklar, wann es zu einer möglichen Einigung mit den US-Behörden kommen könnte. Die zusätzlichen Rückstellung kommt zu den bereits gebildeten Rücklagen hinzu: Insgesamt hält die Bank nun rund 8,5 Milliarden Dollar vor, um mögliche Strafen für Fehlverhalten auf dem US-Immobilienmarkt zu bezahlen. Die Eigenkapitalquote reduziert sich damit laut Wall Street Journal auf 13,6 Prozent.

Die RBS hatte sich auf dem Höhepunkt der US-Immobilienbooms stark im Handel mit toxischen Hauskrediten engagiert. Das US-Justizministerium prüft aktuell entsprechende Strafforderungen gegen die einstmals drittgrößte europäische Bank.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Die neuen Rückstellungen werden die Bank aus Edinburgh nach neun Verlustjahren nun höchstwahrscheinlich weiter in die Roten Zahlen treiben. Am 24. Februar will die RBS ihren neuen Jahresabschluss vorlegen. Erwartet wird ein Rekordverlust; auch in Zukunft dürfte die Bank keine Dividende ausschütten.

Am Mittwochabend hatte der TV-Sender Sky berichtet, dass das britische Schatzamt und die Behörde UK Financial Investments, die die staatlichen Anteile der mit Steuermitteln geretteten Banken verwaltet, bereits informiert worden seien, dass die RBS-Chefs die Rückstellung in dieser Woche beraten werden.

In der Finanzkrise von 2008 musste die Bank, die damals zu den führenden Investmentbanken Europas zählte, mit Staatshilfen in Höhe von 46 Milliarden Pfund gerettet werden. Sie gehört bis heute zu 72 Prozent dem Staat. Die Bank hat seither keinen Gewinn mehr gemacht.

Das Geldhaus war im vergangenen Jahr beim Stresstest der britischen Zentralbank durchgefallen. Der Bank fehlten laut der Aufsichtsbehörde rund zwei Milliarden Pfund, um eine eventuelle neuerliche Finanzkrise zu überstehen.

Zuletzt hatten sich eine Reihe an US-Banken, die Credit Suisse und die Deutsche Bank mit der US-Justiz auf milliardenschwere Vergleiche geeinigt. Die Deutsche Bank etwa zahlt eine Strafe von 3,1 Milliarden US-Dollar und soll geschädigte Verbraucher mit weiteren 4,1 Milliarden US-Dollar unterstützen. Die Schweizer Bank Credit Suisse konnte ihren größten Rechtsstreit in den USA mit der Zahlung von 5,3 Milliarden Dollar beilegen.

Die Banken hatten vor der Finanzkrise US-Hypotheken mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit aufgekauft, sie in Wertpapieren gebündelt – sogenannten „Residential Mortgage Backed Securities“ – und diese weiterverkauft. Als der US-Immobilienmarkt einbrach, blieben die Investoren auf riesigen Verlusten sitzen.

  • feho
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3 Kommentare zu "Folgen der Finanzkrise: RBS stellt 3,9 Milliarden Dollar zurück"

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  • Hat Frau Merkel schon zugesagt: Ich zahle!

  • Wieder Banker, die ungestraft Verluste verursachen dürfen. Der Steuerzahler zahlt alles. Vorbild war ja Frau Merkel!

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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