Fondsgesellschaft in der Krise Sewings neueste Sorge – Warum die DWS zum Problemfall der Deutschen Bank geworden ist

Unmut über die Führungsriege, magere Gewinne und Börsenabsturz: Die Fondstochter DWS wird für die Deutsche Bank vom einstigen Ertragsbringer zum Sorgenkind.
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Deutsche Bank-Fondstochter DWS wird zum Problem Quelle: picture alliance/AP Photo
DWS-Gebäude

Die Manager müssen sich erstmals öffentlich rechtfertigen.

(Foto: picture alliance/AP Photo)

FrankfurtDeutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sich klare Ziele gesetzt: Er will dem dauerkriselnden Institut den Schlendrian bei den Kosten austreiben – und die stabilen Geschäftsfelder fördern. Doch ausgerechnet auf letzterem Gebiet droht Sewing Ungemach: Bei der Fondstochter DWS, traditionell eine Ertragsperle im Konzern, läuft es alles andere als rund.

Es ist Sewings neuestes Sorgenkind: Seitdem die Deutsche Bank an Ostern 20 Prozent der DWS-Anteile an der Börse platziert hat, haben die Anteilsscheine drastisch an Wert verloren.

Kein Wunder: Im zweiten Quartal zogen die Anleger 4,9 Milliarden Euro aus den Fonds ab, und der Gewinn ist im Jahresvergleich kräftig gesunken. Das ehrgeizige Neugeschäftsziel von drei bis fünf Prozent mehr pro Jahr kassierte die DWS nach diesem Ergebnis.

Die Flitterwochen mit den Kapitalmärkten sind seither vorbei: Der Aktienkurs bewegt sich seit seiner Erstnotiz am 23. März vorrangig nach unten und hat gut 16 Prozent im Wert eingebüßt. Erste Analysten werden skeptischer. Noch raten fünf von 16 Analysten laut Bloomberg zum „Kauf“ der Aktie, nur einer schwenkte nach den mäßigen Quartalsergebnissen auf „Verkauf“ um. Der Rest sieht die Aktie „neutral“.

Allerdings haben mindestens acht Analysten ihr Kursziel gesenkt. Die Credit Suisse („neutral“) traut dem Papier statt 30 Euro nur noch 26,50 Euro zu. Kepler Chevreux („kaufen“) hat seinen Optimismus von 37,60 Euro auf 34,30 Euro zurückgestutzt. Die DZ Bank prognostiziert 29 Euro statt 34,50 Euro.

Bis vor Kurzem war die DWS noch der Ertragsbringer der Deutschen Bank. Quelle: Reuters
Christian Sewing

Bis vor Kurzem war die DWS noch der Ertragsbringer der Deutschen Bank.

(Foto: Reuters)

Längst belastet der holprige Start in die Unabhängigkeit auch die DWS-interne Stimmung. Mitarbeiter klagen über falsche strategische Entscheidungen beispielsweise im Vertrieb, „Mittelabflüsse, die wehtun“, und die schleppenden Fortschritte bei der Akquise neuer Großkunden.

DWS-Chef Moreau in der Kritik

Die enttäuschende Entwicklung lasten viele dem Mann an der Spitze an, DWS-Chef und Deutsche-Bank-Vorstand Nicolas Moreau. Der Kritisierte sieht zumindest einen Teil der Schuld woanders. Er beklagte, die schwierige Lage des Mutterkonzerns sei „nicht hilfreich“. In der Zentrale, wo Vorstandschef Sewing schon mit genug Problemen kämpfen muss, sorgt das nur für Kopfschütteln. Quer durch den Finanzplatz war man verwundert“, heißt es in Frankfurt.

Kaum ein DWS-Manager hatte den Gang auf das Börsenparkett so herbeigesehnt wie Moreau. „So schnell wie möglich“ wolle er an die Börse, impfte er den Mitarbeitern während der Vorbereitungen immer wieder ein. Das ist ihm auch gelungen: „Nicht jedem wäre der komplexe Gang auf das Parkett innerhalb eines Jahres geglückt“, sagt einer, der ihn gut kennt.

Ein Teil der enttäuschenden Entwicklung ist aus Sicht der Profiinvestoren den vollmundigen Versprechungen vor dem Börsengang geschuldet. „Vieles trifft nun ein, was man zum Börsengang befürchtet hatte“, sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager bei Fidelity.

Das ist vor allem auf das gerade kassierte mittelfristige Neugeschäftsziel gemünzt. „Die DWS wird von ihren zum Teil sehr optimistischen Ansagen zum Börsengang in den nächsten Monaten abrücken müssen“, warnt ein Großinvestor. „Die Versprechungen werden das Haus noch einholen, und das ist vor allem mit Blick auf die angelsächsischen Investoren eine Katastrophe. Damit zerstört die DWS viel Vertrauen.“

Diese Probleme fallen in eine Zeit, in der die Vermögensverwaltung ohnehin unter Druck gerät. Die DWS kämpft damit, sich mit den starken Konkurrenten im lukrativen, aktiv verwalteten Geschäft weiter messen zu können. Allein das margenschwache Massengeschäft mit Indexfonds brummt ebenfalls in der DWS, die dort im ersten Halbjahr unterm Strich gut vier Milliarden Euro neues Geld verbuchte.

Zu Beginn waren die Hoffnungen vieler Mitarbeiter an den Börsengang groß: Sie hofften auf Unabhängigkeit vom ungeliebten Deutsche-Bank-Konzern, freuten sich auf den Auftritt unter dem alten, neuen Markennamen DWS, der an die guten Jahre satter Erträge erinnerte.

Die große Ernüchterung

Leistungsstarke Fondsmanager freuten sich auf Entlohnung, losgelöst von den strengen Vorschriften für Banken, etwa mit Fondsanteilen. Zudem wollten sich die DWSler eigene strategische Ziele setzen, unabhängig von möglichen strategischen Kapriolen des Mutterkonzerns. Die eigenen Aktien wollten für sie für kleinere Zukäufe nutzen.

Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. Die Moreau-Anhänger verweisen zwar darauf, dass die DWS nun permanent für mehr Effizienz sorgt und sich deswegen bei den Kostenzielen auf der Erfolgsspur befinde. Doch das tröstet die Mitarbeiter nicht über die teils hohen Abflüsse bei wichtigen Fonds hinweg.

Der Absatz gerade der margenträchtigen aktiven Fonds ist in diesem Jahr eingebrochen. „Das sind Mittelabflüsse, die wehtun“, sagt ein Mitarbeiter. Aus den von Fondsmanagerhand gesteuerten Produkten zogen Anleger auf dem Kernmarkt Europa im ersten Halbjahr per saldo gut fünf Milliarden Euro ab (siehe Grafik), vor allem aus Aktienfonds und den bei Privatanlegern beliebten Mischfonds.

Auch im Großkundengeschäft läuft es schleppend: Fast zehn Milliarden Euro Kapital entzogen vor allem große Investoren wie Versicherer DWS-Bondfonds im ersten Halbjahr. Das haftet man intern Vorstandschef Moreau an: Er sei mit der Hoffnung geholt worden, große Mandate institutioneller Investoren zu gewinnen, vorzugsweise über sein Netzwerk in der Versicherungswelt, moniert ein Insider: „Doch wo bleiben die Großkunden?“

Bis man institutionelle Kunden gewinne, dauere es länger, sagte der Kritisierte. Die Kursschwankungen an den Märkten ließen potenzielle Kunden außerdem zögern. Das gilt wohl auch für die Kooperation mit dem strategischen Investor aus Japan, Nippon Life. „Da gibt es noch keine erkennbaren Zuflüsse“, ärgert sich ein DWSler.

DWS-Mitarbeiter fürchten neue Sparrunden

Nach den extremen Abflüssen, die sich ganz gegen den Branchentrend entwickelten, nehmen die Sorgen zu: Während die DWS international deutliche 13 Milliarden Euro Anlegerkapital eingebüßt hat, hat die große Konkurrenz sichtbar frisches Kapital eingesammelt: Der genossenschaftliche Anbieter Union Investment beispielsweise berichtet über einen Netto-Absatz von gut elf Milliarden Euro. Auch die Allianz-Tochter Allianz Global Investors und die Sparkassentochter Deka verbuchten Nettozuflüsse in deutlicher Milliardenhöhe.

Umstellungen im Vertrieb dürften ebenfalls zur Absatzschwäche der DWS beitragen. Mit der Bündelung des Vertriebs aktiver und passiver Fonds fremdeln viele Mitarbeiter noch, wie zu hören ist. Die Idee sei gut gewesen, schließlich bekämen Kunden nun alle Produkte aus einer Hand. „In der Praxis funktioniert das aber noch nicht“, heißt es.

Das liegt auch daran, dass einige Vertriebler verunsichert sind – sollen sie eher die margenstarken aktiven Produkte pushen, die unter dem wachsenden Desinteresse von Investoren leiden? Oder doch besser die margenschwachen Indexfonds, weil es dort Wachstum gibt?

Die DWS-Mitarbeiter fürchten nun, dass „doch die nächsten Sparrunden eingeläutet werden“, heißt es im Haus. Manche Fondsmanager ärgerten sich bereits, dass sie angehalten würden, Reisekosten „clever“ auszugeben und mitunter Bahn zu fahren, statt zu fliegen, während DWS-Chef Nicolas Moreau in diesem Jahr ein Gehalt von bis zu acht Millionen Euro kassiert.

Es wäre höchste Zeit für Moreau, mit einer flammenden Rede die Mitarbeiter zu motivieren, heißt es in der DWS. Doch Mitarbeitermotivation gilt nicht als Stärke Moreaus. „Es wirkt nicht so, als sei er in der Organisation wirklich angekommen“, heißt es in Finanzkreisen. Nachdem der Börsengang für kurze Zeit Moreaus Beliebtheitswerte steigen ließ, fragen mittlerweile wieder mehr DWS-Mitarbeiter süffisant-rhetorisch: „Was wäre denn eigentlich so anders, wenn Moreau weg wäre?“

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  • Evtl. haben die Anleger endlich verstanden, dass Sie bei Einzahlung, d.h. Zeichnung von Fondsanteilen ohne Einfluss auf die Geschäftstätigkeit der Manager der Fonds sind. Sie stellen Ihr Geld Zockern zu Verfügung, welche auch noch bei der Erwirtschaftung von erheblichen Verlusten fürstlich entlohnt werden. Die Gewinne werden wenn Sie eintreten auch noch zum großen Teil durch Verwaltungs- und weitere Managementgebühren abkassiert.
    Erst ein hoher Aufgabeaufschlag, dann noch Verwaltungsgebühren und Managementgebühren. Hier stimmt das Verhältnis und die Haftung der Manager nicht. Die Anleger sollten einen Fondsmanager auch rauswerfen dürfen, dann sind Sie bereit wieder zu investieren.
    Dazu kommt die Überheblichkeit mit welcher Anleger von den DWSlern behandelt werden (Erfahrungen als Berater von Mandanten liegen mir in 8 Fällen vor).
    Kein Wunder für die Abkehr

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