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Fondsmanager Mark im Interview „Ein Ende des Wachstums bei Wirecard ist nicht in Sicht“

Vor der Hauptversammlung von Wirecard ist der Fondsmanager Andreas Mark von Union Investment voller Lob. Auch die mickrige Dividende stört ihn nicht.
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Der Fondsmanager von Union Investment ist mit der Entwicklung von Wirecard zufrieden. Quelle: Union Investment
Andreas Mark

Der Fondsmanager von Union Investment ist mit der Entwicklung von Wirecard zufrieden.

Frankfurt Andreas Mark stört sich bei Wirecard nicht sonderlich an Vorwürfen über Geldwäsche oder Betrug. „Natürlich beobachten wir diese Vorkommnisse kritisch“, sagt der Fondsmanager von Union Investment über den Dax-Konzern. Der Zahlungsdienstleister hält an diesem Dienstag seine Hauptversammlung in München ab. „Voraussichtlich werden wir aber Vorstand und Aufsichtsrat entlasten“, kündigt Mark an. 

Ab Ende Januar hatte die „Financial Times“ mehrere Artikel veröffentlicht, in denen es um schwere Vorwürfe wie Betrug, Geldwäsche und Kontomanipulation in der wichtigen Niederlassung von Wirecard in Singapur ging. Die ist für das Geschäft in 13 Ländern in Asien zuständig. 

Die vorgeschlagene Dividende hält Fondsmanager Mark für sinnvoll. Diese soll von 18 auf 20 Cent steigen – während der Gewinn im vergangenen Jahr um 37 Prozent höher ausfiel. Der einflussreiche Stimmrechtsberater „Institutional Shareholder Services“ (ISS) rät den Aktionären, bei der Hauptversammlung gegen diesen Vorschlag zu stimmen. Mark widerspricht: „Natürlich ist die Dividendenrendite niedrig und damit unattraktiv. Aber wir sprechen über ein Wachstumsunternehmen.“ Die Zeit mit weniger Wachstum und damit mehr Raum für Dividende werde noch kommen.

Lesen hier das ganze Interview:

Herr Mark, Wirecard plagen in den letzten Monaten etliche Vorwürfe zu Manipulation und Geldwäsche in der wichtigen Niederlassung in Singapur. Wird sich das auf Ihre Entscheidung über Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat niederschlagen?
Natürlich beobachten wir diese Vorkommnisse kritisch. Voraussichtlich werden wir aber Vorstand wie auch Aufsichtsrat entlasten. Das Management hat ja verschiedene Maßnahmen angekündigt, um die Kontrollvorkehrungen im Unternehmen zu verstärken.

Und das allein soll reichen?
Wirecard ist in den letzten Jahren extrem stark gewachsen. Und ganz klar: An der einen oder anderen Stelle sind im Unternehmen Kontrollmechanismen nicht in diesem Maße mitgewachsen. Das Management hat das aber erkannt und wird versuchen, dafür zu sorgen, dass diese Probleme in der Zukunft nicht mehr vorkommen. Vorwürfe gab es ja schon 2016 gegen Wirecard. Wir sehen schon jetzt, dass etwa das Krisenmanagement mittlerweile deutlich besser funktioniert.

Nach drei Erhöhungen im letzten Jahr hat Wirecard auch im diesen Jahr wieder seine Gewinnprognose angehoben. Wie lange kann der Zahlungsdienstleister diesen Expansionskurs noch halten?
Langfristig ist das so natürlich nicht durchzuhalten. Das Wachstum wird sich irgendwann auch wieder abschwächen. Momentan ist das aber nicht in Sicht, dafür sind die Geschäftsaussichten zu gut.

Inwieweit ist das der Verdienst des Managements und inwieweit besetzt Wirecard einfach einen Bereich mit starken Geschäftsaussichten?
Klar kommt es Wirecard entgegen, dass der Zahlungsverkehr global floriert. Aber um daraus Erfolg zu ziehen, braucht es auch die technische Kompetenz, um sich von anderen Mitbewerbern abzuheben. Und dafür ist das Management verantwortlich. Ich würde sagen, verantwortlich für den Erfolg ist zur Hälfte der entgegenkommende Markt und zur anderen Hälfte die Führungskräfte.

Die Dividende soll von 18 auf 20 Cent steigen – während der Gewinn im vergangenen Jahr um 37 Prozent höher ausfiel. Der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS rät den Aktionären, den Dividendenvorschlag abzulehnen. Wie stehen Sie dazu?
Natürlich ist die Dividendenrendite niedrig und damit unattraktiv. Aber wir sprechen über ein Wachstumsunternehmen. Die Zeit mit weniger Wachstum und damit mehr Raum für Dividende wird noch kommen.

Muss ich, wenn ich derart wachsen will, nicht die Aktionäre auf meine Seite bringen? Das ist mit 20 Cent Dividende ziemlich kompliziert.
Die Anteilseigner profitieren nicht nur durch die Dividende vom Wachstum, sondern auch durch den Aktienkurs. Und der ist ja in der Vergangenheit ordentlich gestiegen und hat sich in den letzten sechs Jahren versechsfacht.

Vorstandschef Markus Braun hat kürzlich einen Aktienrückkauf angekündigt. Macht das bei einem Wachstumsunternehmen Sinn? Man zieht doch liquide Mittel ab, die man für die weitere Expansion verwenden könnte.
Wir halten einen Rückkauf für die richtige Entscheidung, denn ist eine weitere Maßnahme, um die Aktionäre am Wachstum teilhaben zu lassen. Wirecard hat in den letzten Jahren akquiriert und ist mittlerweile an einem Punkt, an dem man diese Mittel nicht mehr in diesem Umfang braucht und den Anteilseignern wieder zurückgeben kann. Das tut dem Wachstum von Wirecard keinen Abbruch.

Herr Mark, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: Wirecard blickt auf einen unruhigen Start im Dax zurück. Lesen Sie hier, warum der Zahlungsdienstleister nur unter Schmerzen wächst.

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