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Fondsmanager Michael Hünseler „Eine Deutsche Commerzbank wäre ein Zeichen der Verzweiflung“

Fondsmanager Hünseler warnt vor einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank: Die Synergien wären nicht groß genug – die Risiken dagegen schon.
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Der Geschäftsführer der Assenagon Asset Management sieht vor allem die hohen Kosten der Commerzbank kritisch. Quelle: Assenagon Asset Management S.A.
Michael Hünseler

Der Geschäftsführer der Assenagon Asset Management sieht vor allem die hohen Kosten der Commerzbank kritisch.

(Foto: Assenagon Asset Management S.A.)

FrankfurtDer Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon Asset Management, Michael Hünseler, fordert von der Commerzbank mehr Anstrengungen beim Kostensenken. An eine rasche Rückkehr des Frankfurter Geldhauses in den deutschen Leitindex Dax glaubt der Fondsmanager, der bei der Commerzbank engagiert ist, nicht.

Herr Hünseler, die Commerzbank-Aktie hat seit Jahresbeginn gut ein Drittel an Wert verloren und ist aus dem Dax geflogen. Wie beurteilen Sie die Lage des Geldhauses?
Die Bank steht aus meiner Sicht besser da, als es der Aktienkurs momentan ausdrückt. Sie ist in den vergangenen Jahren stabiler geworden und weist heute gute Kapital- und Verschuldungsquoten auf. Aber natürlich ist es eine große Herausforderung, im aktuell sehr schwierigen Marktumfeld die Erträge zu steigern. Das liegt nicht nur an der Zinspolitik der EZB, sondern auch am harten Wettbewerb in Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es mit Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken einfach zu viele Geldhäuser – deshalb können Großbanken hier nicht so reüssieren wie in anderen Ländern.

Die Bank will auf den Wettbewerb mit einer Ausweitung ihrer Geschäfte reagieren. Was halten Sie davon?
Die Strategie ist alternativlos. Es ist keine Option, sich aus dem Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden zurückzuziehen. Ihre Marktanteile zu verteidigen oder auszubauen ist eine nachvollziehbare Strategie. Aber das darf nicht um jeden Preis passieren. Denn wenn Banken jetzt ihre Kreditvergabekriterien aufweichen, dann wird das im nächsten Abschwung deutliche Spuren in ihrer Bilanz hinterlassen.

Was kann die Bank sonst noch tun?
Ertragswachstum allein wird die Probleme der Commerzbank nicht lösen. Sie muss auch ihre Kosten noch konsequenter senken. Die Aufwandsquote lag im ersten Halbjahr bei über 80 Prozent – das ist noch deutlich zu hoch. Zudem muss die Commerzbank einen langen Atem beweisen, bis ihre Strategie Früchte trägt. Denn die Ausgaben für die Neukundengewinnung sind eine Investition in die Zukunft. Wenn irgendwann die Zinsen steigen, wird die Commerzbank mit den zusätzlichen Kunden davon stark profitieren.

Vorstandschef Martin Zielke hat intern das Ziel ausgegeben, in den Dax zurückzukehren. Ist das realistisch?
Ich glaube, das wird in absehbarer Zeit schwierig. Denn Wirecard und andere Dax-Unternehmen werden weiter zulegen. Und die Commerzbank wird noch einige Zeit brauchen, bis sich ihr Umbau auszahlt. Neben steigenden Zinsen bräuchte sie dann auch noch eine Vision, die Investoren für glaubwürdig halten. Mehr von demselben reicht nicht aus.

Wäre aus Ihrer Sicht ein Zusammenschluss mit der Deutschen Bank eine gute Lösung? 
Ich bin klar gegen eine solche Fusion. Und mich wundert, wie oft dieses Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird. Wir haben nach der Finanzkrise so oft diskutiert, dass Banken nicht so groß werden dürfen, dass sie im Notfall wieder vom Staat aufgefangen werden müssen. Und nun mehren sich in Frankfurt und Berlin die Stimmen, dass wir aus zwei kranken Großbanken eine noch größere Bank machen sollen. Das ergibt keinen Sinn.

Was halten Sie von dem Argument, Deutschland brauche einen nationalen Bankenchampion, um die Wirtschaft ins Ausland zu begleiten?
Nichts. Ich glaube nicht, dass es zwischen beiden Banken genug Synergien gäbe, die eine solch aufwendige Fusion rechtfertigen würden. Natürlich könnte man Doppelstrukturen abbauen und Kosten senken. Aber es gäbe auch viele negative Effekte: Eine fusionierte Bank wäre über Jahre hinweg mit sich selbst beschäftigt und könnte keine vernünftige Strategie aufsetzen. Eine Deutsche Commerzbank wäre für mich ein Zeichen der Verzweiflung – und ein Zeichen für den mangelnden Glauben der Politik, dass die Institute allein auf einen grünen Zweig kommen.

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