Fosun kauft Hauck & Aufhäuser Deutsche Wirtschaftselite verkauft Traditionsbank an Chinesen

Eine der größten deutschen Privatbanken geht an einen chinesischen Konzern. Fosun International kauft das Frankfurter Institut Hauck & Aufhäuser. Zu den Verkäufern zählen zahlreiche prominente deutsche Unternehmer.
Update: 08.07.2015 - 14:32 Uhr Kommentieren

Chinesische Investoren auf Einkaufstour in Deutschland

Hong KongDie traditionsreiche Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser (H&A) kommt in chinesische Hände. Die Beteiligungsgesellschaft Fosun International übernimmt zunächst 80 Prozent der Anteile an dem Institut, das bisher vor allem deutschen Unternehmern und reichen Familien gehörte. Damit geht zum ersten Mal eine deutsche Bank an einen Mehrheitseigentümer aus China.

„Wir gehen davon aus, dass Fosun am Ende deutlich mehr als 80 Prozent an Hauck & Aufhäuser halten wird“, sagte Wolfgang Deml, Aufsichtsratschef des 1796 gegründeten Instituts, am Mittwoch. Fosun zahlt bis zu 210 Millionen Euro für H&A, wenn auch die restlichen, kleineren Anteilseigner in den Verkauf einwilligen.

Damit bekommen die 75 Eigentümer der Bank - darunter neben der Gründerfamilie Hauck zahlreiche deutsche Unternehmerfamilien wie Asbeck („Solarworld“), Mast („Jägermeister“), Heraeus und Riegel („Haribo“) - weit mehr Geld als Experten erwartet hatten. Fosun ist kein gänzlich Unbekannter in der Bankenwelt: An der Frankfurter BHF-Bank halten die Chinesen knapp 20 Prozent, sie hatten sich dort aber im Streit um den Abgang von Vorstandschef Björn Robens mit dem Hauptaktionär überworfen. Der ehemalige BayWa-Chef Deml sieht aber keine Gemeinsamkeiten: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine gemeinsame Strategie mit der BHF-Bank aussehen könnte.“ Die Geschäftsführung von H&A bleibe im Amt. Die Finanzaufsicht Bafin und andere Behörden müssten dem Einstieg von Fosun noch zustimmen.

Hauck & Aufhäuser erhofft sich von dem neuen Eigentümer aus China mehr Chancen auf Geschäfte im Ausland und neue Kunden. „Fosun ist nicht nur am heutigen Geschäftsmodell von H&A interessiert, sondern gibt uns auch die Möglichkeit zur weiteren Internationalisierung“, sagte der persönlich haftende Gesellschafter Jochen Lucht.

Fosun wiederum verspricht sich von der Übernahme unter anderem „einen besseren Zugang zu weiteren Geschäftsmöglichkeiten in Europa“, wie das Unternehmen mitteilte. Dem chinesischen Investor, der zuweilen als „Chinas Antwort auf Warren Buffett“ bezeichnet wird, gehören in Europa unter anderem ein Versicherer in Portugal und eine Beteiligung am Ferienclub-Betreiber Club Mediterranee. Zudem ist er an der Modekette Tom Tailor und dem Landwirtschaftskonzern KTG Agrar beteiligt.

In den vergangenen Jahren hatte bei H&A die Aufbesserung der Kapitaldecke im Vordergrund gestanden. "Wir haben unser Eigenkapital seit 2009 durch Thesaurierung der Gewinne und den Umbau der gesamten Organisation verdoppelt", sagte Lucht. Auf Dividenden mussten die Eigentümer weitgehend verzichten. H&A hat sich nach einem fehlgeschlagenen Ausflug ins Investmentbanking auf Anlageberatung und Vermögensverwaltung für Mittelständler und freie Vermögensverwalter konzentriert. Doch die lukrativen Kunden sind hart umkämpft. Derzeit lägen in den Depots der H&A-Kunden 37 Milliarden Euro. 2014 sank der Gewinn auf 4,7 (2013: 7,0) Millionen Euro. Die Bank beschäftigt in Frankfurt, München, Zürich, Liechtenstein und Luxemburg mehr als 500 Mitarbeiter.

Wo in der Main-Metropole die meisten Banker arbeiten
Skyline Frankfurt
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Deutschlands Finanzplatz Frankfurt: Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat eine Rangliste mit den größten Geldhäusern nach Zahl der Arbeitsplätze zu Ende 2012 erstellt. Die Bank fragte die Institute der Main-Metropole nach der aktuellen Mitarbeiterzahl und der weiteren Stellenplanung. Demnach werden bis Ende 2015 rund 61.300 Menschen am Main in der Bankbranche arbeiten. Das sind rund 1,5 Prozent weniger als zum Stand der jetzigen Umfrage. Der Abbau im Zuge der Finanzkrise fällt jedoch im Vergleich zu anderen Zentren wie New York, London oder Zürich noch moderat aus.

Deutsche Börse
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Deutsche Börse - 1600 Mitarbeiter

Zunächst zu den weiteren Institutionen der Finanzwelt. Denn neben Banken gibt es noch andere Finanzdienstleister sowie Aufsichtsbehörden in Frankfurt. So beschäftigt die Deutsche Börse 1600 Mitarbeiter. Im Bild das Gebäude des Handelssaals in der Frankfurter Innenstadt. Fast die gesamte Verwaltung sitzt mittlerweile aber in Eschborn.

Europäische Zentralbank
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EZB – 1650 Mitarbeiter

Die Europäische Zentralbank beschäftigt immerhin 1650 Mitarbeiter in Frankfurt. Und es sollen noch deutlich mehr werden, wenn die Zentralbank auch die Aufsicht über Europas Bankensektor übernimmt. Derzeit entsteht in der ehemaligen Großmarkthalle der neue Hauptsitz der Notenbank. Das Gebäude soll Mitte 2014 bezugsfertig sein.

Deutsche Bundesbank
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Deutsche Bundesbank – 3650 Mitarbeiter

Die deutsche Zentralbank hat in der Main-Metropole ihren Hauptsitz. Hier arbeiten 3650 der deutschlandweit 10.300 Mitarbeiter.

BHF-Bank
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Rang 12: BHF-Bank – 600 Stellen

Nun zu dem eigentlichen Ranking: Der Umfrage zufolge beschäftigt die BHF-Bank in Frankfurt 600 Mitarbeiter. Deutschlandweit sind es rund 1050. Die Privatbank gehörte der Deutschen Bank, wird aber weiterverkauft an den Finanzdienstleistungskonzern RHJ International.

BNP Paribas
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Rang 11: BNP Paribas – 750 Mitarbeiter

Die französische Bank BNP Paribas beschäftigt immerhin 750 Angestellte in Frankfurt. Das Institut will künftig in Deutschland stärker um Privat- und Firmenkunden werben. Weltweit beschäftigt das Institut mehr als 200.000 Menschen.

UBS
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Rang 10: UBS – 750 Mitarbeiter

Die Schweizer Großbank UBS beschäftigt 750 Menschen. Die Deutschlandzentrale sitzt im Opernturm in Frankfurt. Das Gebäude wurde 2007 bis 2009 errichtet.

  • rtr
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