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Frankfurter Baustellen Fassaden der Macht

Bau-Boom in Frankfurt: Organisationen wie die Europäische Zentralbank oder die Schweizer Großbank UBS arbeiten unter Hochdruck an ihrer Außendarstellung.
Der Architekt Wolf Prix vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au steht neben einem Modell, das den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) darstellt. Foto: dpa Quelle: dpa

Der Architekt Wolf Prix vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au steht neben einem Modell, das den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) darstellt. Foto: dpa

(Foto: dpa)

FRANKFURT. An der Sonnemannstraße im Ostend ist Geschichte greifbar. In der massiven Großmarkthalle, die sich hier zwischen Gründerzeitbauten und dem Osthafen auf einer Länge von mehr als 200 Metern erhebt, wurden schon 1928 Obst und Gemüse gehandelt. Bis zum Zweiten Weltkrieg. Da funktionierten die Nationalsozialisten den wuchtigen Bau zur Sammelstelle für die Deportation von Juden um. Nach dem Krieg kamen die Händler zurück, und sie zogen erst 2004 weiter in ein modernes Handelszentrum am Rande Frankfurts. Seither liegt das riesige Gelände brach.

Wenn Thorsten Bürklin auf die Großmarkthalle schaut, blickt er in die Zukunft. Vor Augen hat er den Entwurf des Wiener Architektenbüros Coop Himmelb(lau) für den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB), der bis zum Jahr 2011 auf dem Gelände an der Sonnemannstraße entstehen soll.

"Aufregend" findet Bürklin den Entwurf, der die denkmalgeschützte Halle in einen Komplex mit zwei Wolkenkratzern einbindet, die sich s-förmig in den Himmel schrauben. Und doch ist Bürklin mit dem geplanten Neubau bis heute nicht richtig warm geworden, was vor allem an dem gläsernen Riegel liegt, der sich künftig durch die Großmarkthalle bohren soll: "Das ewig Schräge von Coop Himmelb(l)au ist auf die Dauer doch etwas langweilig", sagt der Architektur-Professor, der auch einen Doktor-Titel in Philosophie hat.

An der Bedeutung des Projekts für das Ostend und Frankfurt ändert das nichts. Vorausgesetzt, die EZB findet bald einen Generalunternehmer für das Projekt - die erste Ausschreibung brach die Zentralbank im Juni ergebnislos ab -, wird der Neubau das Stadtbild der Mainmetropole stark verändern. So wie es die vielen Bankentürme zuvor getan haben. Die Finanzbranche bestimmt Frankfurts Optik ebenso maßgeblich, wie sie die Wirtschaft in der Region prägt. Hinter den wichtigsten Bauprojekten am Main stehen fast immer die Banken. Sie investieren Milliardenbeträge, halten so das Stadtbild in Bewegung und stärken Frankfurts Position im Wettbewerb der Finanzstandorte.

Aber auch für die eigene Wettbewerbsposition der Banken sind die Neubauten wichtig: "Je auffälliger ein Gebäude erscheint, desto höher ist seine Medienpräsenz und damit die Werbewirkung", erklärt Bürklin. "Jedes Gebäude transportiert ein Image und trägt so zur Corporate Identity des Unternehmens bei."

Ob die äußere Fassade zum jeweiligen Institut passt, steht auf einem anderen Blatt. Beispiel EZB: Die beiden Hochhaustürme, die die Zentralbank in einigen Jahren beziehen will, sieht Bürklin klar in der Linie des Dekonstruktivismus. Dekonstruktivismus, das heißt: raus aus der bestehenden Ordnung, raus aus den Achsen und dem 90-Grad-Winkel. Anstelle der geometrischen Strenge treten verschlungene Formen. "Das Ganze verkörpert spielerische Leichtigkeit, Offenheit und Flexibilität", erklärt Bürklin - Eigenschaften, für die die EZB in der öffentlichen Wahrnehmung bisher nicht steht. Und auch nicht stehen kann: Geldpolitik ist ein knallhartes Geschäft, das untrennbar mit Ordnung und Macht verbunden ist. Insofern ist der Neubau vor allem Fassade, eine "Maskerade der Macht", wie es Bürklin nennt.

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