Frankfurter Vermögensverwalter Bethmann Bank feiert während Stellenabbau-Phase starken Jahresauftakt

Bei der Bethmann Bank hält der Sparkurs weiter Einzug. Das Vertrauen – und das Geld – der Kunden sind dem Vermögensverwalter dennoch sicher.
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Der Vermögensverwalter zieht zeitnah innerhalb Frankfurts vom Bethmannhof ins Marienforum. Quelle: Wikipedia
Bethmann

Der Vermögensverwalter zieht zeitnah innerhalb Frankfurts vom Bethmannhof ins Marienforum.

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Die Frankfurter Bethmann Bank AG, die einst Johann Wolfgang von Goethe zu ihren Kunden zählte und derzeit einen Sparkurs durchläuft, hat im ersten Quartal netto rund 200 Millionen Euro an Kundengeldern eingesammelt. „Der Jahresauftakt war stark“, sagte CEO Hans Hanegraaf im Interview mit Bloomberg. Das verwaltete Vermögen beläuft sich nun auf 38,7 Milliarden Euro.

Zu einem Zugpferd für die Tochter der niederländischen ABN Amro Bank NV, die sich vornehmlich um private Kunden mit Anlagen ab 500.000 Euro kümmert, hat sich dabei nach eigenen Angaben das Angebot für private Anleger entwickelt, in Private Equity zu investieren – ein Bereich, der wegen hoher Anlagebeträge sonst eher institutionellen Investoren vorbehalten ist.

Der Geschäftsbereich war vor etwa vier Jahren mit dem Kauf des deutschen Private-Banking-Geschäfts der Credit Suisse Group AG neu hinzugekommen.

„In Zeiten niedriger Zinsen sind viele Kunden daran interessiert, zusätzliche Ertragsquellen zu finden“, sagte Hanegraaf. „Die Nachfrage nach Private Equity ist da.“ Solche Investments versprechen höhere Ertragschancen, sind aber auch mit größeren Risiken verbunden.

Zuletzt war das deutsche Geschäft von ABN Amro, das neben dem Private Banking bei Bethmann auch Corporate Banking umfasst, etwas unter Druck geraten. Insgesamt sank der operative Gewinn vor Steuern von 72 Millionen Euro 2016 auf acht Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Laut Geschäftsbericht 2017 reduzierte ABN Amro die Goodwill-Bewertung von Bethmann von 99 Millionen Euro auf 63 Millionen Euro, „basierend auf Erwartungen zu Profitabilität und Kapitaleinsatz“. Bis 2020 soll die Anzahl der Stellen bei der Privatbank von 535 auf 480 sinken.

Milliarden-Summe in Private Equity investiert

Mit Blick auf Private-Equity-Investments erklärte Hanegraaf, Bethmann wähle entsprechende Fonds weltweit aus und mache sie Anlegern über exklusive Investmentlösungen zugänglich. Der Mindestanlagebetrag liege bei 200.000 Euro. Bislang hätten sich mehr als 3000 Anleger mit insgesamt rund einer Milliarde Dollar an diesen Lösungen beteiligt.

Auch andere Anbieter profitieren von der Nachfrage privater Investoren nach Private-Equity-Investments. So hat die Berliner Liqid Asset Management GmbH gerade einen zweiten solchen Fonds aufgelegt. Der Einstieg ist hier ab 200.000 Euro möglich, da die Anlagen parallel mit HQ Trust GmbH – dem Vermögensverwalter der Familie Harald Quandt – gezeichnet werden.

„Unseren ersten Private-Equity-Fonds hatten wir vorzeitig geschlossen, da dieser noch erfolgreicher von Anlegern angenommen wurde, als wir es erwartet hatten“, sagte Christian Schneider-Sickert, CEO von Liqid.

Wachstum verspricht sich die Bethmann Bank indes auch im Kreditgeschäft. „Diesen Bereich wollen wir ausbauen“, sagte Hanegraaf. „Das kann dabei helfen, Erträge zu erhöhen. Kern bleibt aber die Vermögensverwaltung.“

Beim Kreditgeschäft geht es dem CEO zufolge nicht nur um Lombardkredite, sondern beispielsweise auch darum, Unternehmern den Kauf von anderen Gesellschaften zu finanzieren oder Zwischenfinanzierungen für Immobilienkäufe zu ermöglichen.

Vorbereitungen für Umzug in Frankfurt laufen

Bereits im vollen Gange sind die Vorbereitungen für den Umzug vom Stammsitz Bethmannhof in das Marienforum ganz in räumlicher Nähe zur Deutschen Bank AG in Frankfurt. Losgehen soll es im ersten Quartal 2019, sagte Hanegraaf.

Das Marienforum wird auch Heimat für die deutsche Geschäftskundensparte von ABN Amro. Angemietet wurden insgesamt rund 8000 Quadratmeter. Daten von BNP Paribas Real Estate zufolge handelte es sich um einen der größten Flächen-Abschlüsse im Bankenviertel im ersten Quartal dieses Jahres.

Dass aufgrund des Personalabbaus nicht alle Frankfurter Mitarbeiter diesen Umzug mitmachen werden, steht auch im Zusammenhang mit der Übernahme der Credit-Suisse-Aktivitäten. Damals waren 160 Mitarbeiter der Schweizer Bank zu Bethmann gekommen.

„Der Kauf des Credit-Suisse-Geschäfts war eine gute Entscheidung“, sagte Hanegraaf, nicht zuletzt wegen der Private-Equity-Aktivitäten. „Wir sind offen für weitere Übernahmen. Unsere Mutter will das Privatkundengeschäft außerhalb der Niederlande ausbauen. Daher werden wir jede Offerte prüfen.“

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