Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Furcht vor Bankenpleiten Das Gift des Misstrauens

Die Banken stehen vor großen Problemen. Das trägt wesentlich zur Alarmstimmung an den Märkten bei. Denn besonders Bankaktien verlieren dramatisch an Wert. Die Institute leihen sich gegenseitig kaum noch Geld.
Gewitterwolken über der Banken-Skyline von Frankfurt. Quelle: dapd

Gewitterwolken über der Banken-Skyline von Frankfurt.

(Foto: dapd)

Jürgen Stark ist Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. Er weiß um die Macht des Wortes. Er weiß aber auch um die Macht des Unausgesprochenen und die Angst vor dem Vermuteten.
Deshalb formulierte Stark im Handelsblatt-Gespräch so offen wie möglich und so undeutlich wie nötig. "Banken in bestimmten Regionen des Euro-Gebiets bevorzugen es, ihre überschüssige Liquidität bei der EZB zu deponieren, anstatt sie an andere Banken auszuleihen. Dieses Signal nehmen wir ernst", sagte er.

Diese Worte rufen Erinnerungen an den September 2008 wach, als die Investmentbank Lehman Brothers pleiteging und der sogenannte Interbankenmarkt, an dem sich die Geldhäuser untereinander Geld leihen, in Schockstarre verfiel. Nur dank staatlicher Geldinfusion wurde der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems verhindert.

Jetzt stehen die Banken erneut vor großen Problemen: Nicht nur die peripheren Staaten der Euro-Zone leiden an Überschuldung. Mit Italien und jetzt auch Frankreich rücken Kernländer ins Visier der Märkte. Und die Schulden dieser Länder liegen in Form von Staatsanleihen zum Großteil bei Banken. Verlieren sie an Wert, belastet das deren Bilanzen.

Und im Ernstfall taucht erneut die Frage auf: Wer rettet die Banken? Der Retter von gestern jedenfalls - die Staaten - sind heute in deutlich schlechterem Zustand als damals.

Das alles versetzt die Märkte in Alarmstimmung. Bankaktien verlieren dramatisch an Wert. Innerhalb von vier Wochen verlor der europäische Aktienindex Stoxx-Europe-600- Banks fast 30 Prozent. "Zurzeit werden die Banken gemieden, die besonders viele Anleihen aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien halten", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Viel bedrohlicher als die Kursverluste allerdings ist der drohende Liquiditätsengpass - die sensibelste Stelle im Bankensystem. Die Banken, die die Lage ihrer eigenen Branche am besten beurteilen können, misstrauen einander. Als Alarmsignal gilt der sogenannte Euribor-Overnight-Index-Swap-Spread, der den Zinsunterschied zwischen einem Übernachtkredit und dem Dreimonatskredit abbildet. Seit Anfang Juli hat sich dieser Index auf einen Wert von 0,7 verdreifacht. Er liegt jetzt auf dem Niveau vom Frühjahr 2009, als die Schockwellen nach der Lehman-Krise gerade abebbten. Auf dem Höhepunkt der Krise lag dieser Wert bei 2,0. "Refinanzierung und Liquidität sind derzeit ein Riesenthema", sagt Thomas Stögner, Bankanalyst von Macquarie Securities.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Für Kreditausfallversicherungen werden rekordverdächtige Summen fällig
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Furcht vor Bankenpleiten - Das Gift des Misstrauens