Fusionen und Übernahmen Das Karussell dreht sich 2016 weiter

Die Investmentbanker haben 2015 weltweit noch besser verdient als in den Boom-Zeiten vor der Finanzkrise. Besonders in den USA läuft das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) rund. Anders in Deutschland.
Investmentbanken haben viel Geld mit einer Reihe von Übernahmen verdient. Quelle: dpa
Kettenkarussell

Investmentbanken haben viel Geld mit einer Reihe von Übernahmen verdient.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs war ein goldenes Jahr für die Investmentbanken – weltweit nahm das Volumen an Fusionen und Übernahmen 2015 um 43 Prozent auf den Rekordwert von gut 4,5 Billionen Dollar zu. Damit wurde die bisherige Höchstmarke aus dem Jahr 2007 – der letzten Bonanza vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers und der darauf folgenden Finanzkrise – übertroffen.

Und auch für 2016 sind die notorisch optimistischen „Rainmaker“, die die Milliarden-Deals einfädeln, zuversichtlich, den erreichten Stand zumindest verteidigen zu können. „Die Pipeline an möglichen M&A-Übernahmen ist groß. Denn Unternehmen müssen ihre Wachstumsstory aufrechterhalten. Das Geld in einen reinen Aktienrückkauf zu investieren oder immer höhere Dividenden auszuschütten, ist auf Dauer keine Lösung“, meint Rainer Langel, Deutschlandchef der australischen Investmentbank Macquarie.

Zu den Unsicherheitsfaktoren zählen neben möglichen neuen Terror-Anschlägen auch die Risiken auf dem Markt für Hochzinsanleihen. Vor allem einige Energiekonzern, die unter dem niedrigen Ölpreis leiden, könnten hier ein Auslöser für Verwerfungen sein. Und speziell für Deutschland gibt es noch einige Sonderthemen. „Das M&A-Geschäft in Deutschland wird von politischen Herausforderungen wie der Flüchtlingskrise und dem Kampf um das Überleben der Eurozone überschattet. Das zehrt am Vertrauen der Manager in die Zukunft und bremst die Deals“, meint Leon Saunders Calvet, Global Head of Capital Markets & Advisory, beim Informationsdienstleister Thomson Reuters.

Dabei hätten die Vorstandschefs aus dem Dax und MDax sowie die großen Mittelständler allen Grund, Tempo zu machen. Denn im internationalen Vergleich hinkt der deutsche Markt im M&A-Geschäft hinterher. Das Volumen brach 2015 um 40 Prozent auf 131 Milliarden Dollar ein, die Mammut-Zusammenschlüsse spielten sich woanders ab, etwa zwischen den Pharmakonzernen Pfizer und Allergan, die die globale Liste mit 160 Milliarden Dollar anführen. Unter den weltweiten Top Ten waren alleine sechs Transaktionen rein inneramerikanische Zusammenschlüsse.

2015 war das Rekord-Übernahmejahr
Marriott kauft Starwood
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Die Hotelkette Marriott International übernimmt den Konkurrenten Starwood Hotels & Resorts für umgerechnet gut 12 Milliarden Dollar. Gemeinsam wäre das neue Unternehmen mit über 5.500 Hotels mit 1,1 Million Zimmern der neue Branchenprimus. Es ist der größte Deal in der Hotellerie seit dem Kauf von Hilton durch den Finanzinvestor Blackstone 2007. Doch in diesem Jahr gab es noch einige dickere Geschäfte...

Air Liquide übernimmt Airgas
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Mit einer Milliarden-Übernahme will der französische Gase-Hersteller Air Liquide dem deutschen Konkurrenten Linde den globalen Spitzenplatz in der Branche streitig machen. Die Franzosen verständigten sich mit dem Management des US-Unternehmens Airgas auf einen Preis von 143 US-Dollar je Aktie. Der Deal hat inklusive der Schulden von Airgas ein Volumen von 13,4 Milliarden Dollar.

Vonovia will Deutsche Wohnen übernehmen
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Die größte deutsche Transaktion des Jahres fällt vergleichsweise bescheiden aus. Der Wohnungskonzern Vonovia bietet 15,6 Milliarden Dollar für Deutsche Wohnen.

Abbvie kauft Pharmacyclics
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In der US-Pharmabranche grassiert sichtbar die Konsolidierungswelle. Anfang März griff Abbvie bei Pharmacyclics zu, um die eigene Sparte Krebsforschung auszubauen. Im Mai wurde der Deal abgeschlossen: Das Geschäft ist 21 Milliarden Dollar schwer.

Quelle: Dealogic/Thomson Reuters/Handelsblatt Research Institute

Ace kauft Chubb
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Der Versicherer Ace mit Sitz in Zürich zeigte im Juli Interesse für den Wettbewerber Chubb aus den USA. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen zu einem globalen Schwergewicht in der Sachversicherung werden. Nach der Übernahme soll Ace 70 Prozent am fusionierten Konzern halten. Der Preis für den Deal beträgt rund 28 Milliarden Dollar.

Wells Fargo kauft Finanzsparte von General Electric
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Der Siemens-Konkurrent General Electric verkauft sein Spezial-Finanzportfolio an die US-Bank Wells Fargo – Vermögenswerte von rund 28 Milliarden Euro wechseln den Besitzer. Mit einem Kaufpreis von über 30 Milliarden Euro sei der Deal bislang die größte Transaktion für GE. Das Geschäft soll bis zum ersten Quartal 2016 abgeschlossen sein.

Shire bietet für Baxalta
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Shire will führender Spezialist für Medikamente gegen seltene Krankheiten werden. Deshalb will der in Irland ansässige Arzneimittelhersteller für etwa 30 Milliarden Dollar den US-Rivalen Baxalta schlucken. Das Vorhaben soll trotz Widerstands im Baxalta-Management vorangetrieben werden.

„In Deutschland gibt es ganz klar einen Nachholbedarf“, konstatiert Dirk Albersmeier, Co-Chef M&A für Europa bei der Investmentbank JP Morgan. Weil die Erwartungen der Investoren und Analysten an substanzielle Gewinnsteigerungen hoch seien, würden deutsche Unternehmen über M&A 2016 aktiv werden und Wachstum hinzukaufen. Die deutschen Konzerne setzten zwar traditionell mehr auf organisches Wachstum, müssten aber 2016 aus der Deckung kommen, meint ein Investmentbanker in Frankfurt. „In einigen Branchen läuft das Endspiel der Konsolidierung. Schlecht, wenn man nicht dabei ist“, ergänzt der Insider.

Die Chinesen kommen
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