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Gastbeitrag Eine stille Revolution für den gläsernen Bankkunden

Banken müssen seit Donnerstag Zugriff auf die Kontobewegungen ihrer Kunden ermöglichen, wenn die es wünschen. Das bietet viele Chancen für Verbraucher, birgt aber auch Risiken.
  • Dorothea Mohn
2 Kommentare
Dorothea Mohn leitet das Team Finanzmarkt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Quelle: PR
Verbraucherschützerin

Dorothea Mohn leitet das Team Finanzmarkt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

(Foto: PR)

Im März steht der europäischen Bankenlandschaft eine stille Revolution bevor. Gemeint ist nicht der drohende Brexit, der das europäische Bankensystem aufwirbelt. Eine stille Revolution steht bevor mit der Abschaffung des Hausbanken-Privilegs auf Kundendaten. Das ist nicht weniger als die Preisgabe eines bislang gehüteten Schatzes: der Kontodaten von Privatkunden. Was noch technisch anmutet, wird schon bald im Alltag der Verbraucher ankommen. Im Open Banking liegt das Potenzial, das Verhältnis von Verbrauchern zu Banken grundlegend zu verändern.

Kreditinstitute müssen ab 14. März anderen Banken, Sparkassen oder App-Anbietern Zugriff auf die Kontobewegungen ihrer Kunden ermöglichen – vorausgesetzt, die Kontoinhaber wollen dies und haben ihr Einverständnis erteilt. Der Datenzugriff ermöglicht zahlreiche innovative Anwendungen, die Verbrauchern Vorteile versprechen.

Der traditionelle Datenschatz der Bankkundendaten wurde zwar schon seit einigen Jahren über Umwege von Technologieunternehmen namens Fintechs erschlossen. Wo Verbraucher bisher ihre vertraulichen Login-Daten preisgeben mussten, erledigen künftig technische Schnittstellen im Hintergrund diesen Job. Der europäische Gesetzgeber hat hierfür mit der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie den Weg geebnet.

Im März startet nun die Testphase, ab September soll das System allen Anbietern und Bankkunden zur Verfügung stehen. Mit Inkrafttreten lautet nun die Prognose: Banken werden zu Plattformen, wie Google, Apple oder Amazon es heute schon sind.

Die neuen Digital-Angebote bieten Verbrauchern Chancen, zum Beispiel einen besseren Überblick über ihre Finanzen. Je genauer ich mein Ausgabenverhalten verstehe, desto souveräner kann ich Konsumentscheidungen treffen. Apps, die meine Zahlungsströme analysieren, können dabei helfen.

Den Alltag erleichtern können auch Angebote, die bequem Abos kündigen und günstigere Tarife vermitteln – gegen Provision versteht sich. Bietet die Hausbank einen Dienst nicht an, können Verbraucher, dank der Schnittstellen, Angebote der Wettbewerber nutzen, ohne dafür die Bank wechseln zu müssen.

Verhindern kann die Hausbank den Datenaustausch nicht. Künftig müssen Verbraucher nicht mehr ihre vertraulichen Logins dafür eingeben, wodurch sie die vollständige Einsicht in ihr Konto ermöglichten. Künftig können Bankkunden die an App-Anbieter oder Wettbewerber übermittelten Daten auf bestimmte Zahlungsvorgänge oder Zeiträume eingrenzen.

Also Chancen ja, aber was ist mit den Risiken? Nichts geht an dieser Stelle ohne eine Einwilligung der Kunden. Aber schon heute werden Datenschutzerklärungen so verfasst, dass deren Unverständlichkeit auch Profite ermöglicht. Wie sollen also Verbraucher die Kontrolle darüber behalten, welche Daten sie freigeben, ob diese Datenfreigabe im vom Anbieter gewünschten Umfang überhaupt erforderlich ist und was danach mit den Daten passieren kann. Die Gewissheit, diese Fragen schon längst nicht mehr beantworten zu können, gehört schon heute zum Verbraucheralltag.

Daten, das klingt abstrakt. Doch wer würde heute mit offenem Portemonnaie durch ein Geschäft laufen und etwa nach der besten vorrätigen Kaffeemaschine fragen? Den Unternehmen Zugang zu unseren Konten zu ermöglichen für noch passgenauere Werbung und Angebote, das erscheint also naiv.

Denn auf meinem Kontoauszug lässt sich vieles über mich erfahren: Wie zahlungskräftig bin ich, wie sehr achte ich aufs Geld, was sind meine Hobbies und wie treu bin ich meinem Mobilfunkanbieter – und meinem Partner? Solche sensiblen Einblicke ins Innenleben fielen bislang unter das Bankgeheimnis. Heute lassen sich mit Hilfe Künstlicher Intelligenz systematisch Profile erstellen, die den Anbietern einiges wert sind. Sind wir uns also tatsächlich bewusst, welchen Preis wir für die schöne neue Welt bezahlen, indem wir Werbeprofis und anderen Unternehmen tiefe private Einblicke ermöglichen?

Eine echte Diskussion darüber, was die Plattformökonomie, Big Data und auch Open Banking für unseren Alltag als Verbraucher bedeuten, hat gerade erst begonnen. Wir sollten uns nicht ohne Not App-Anbietern, die wir gar nicht kennen, und kalifornischen Tech-Konzernen ausliefern. Um von den Chancen innovativer Anwendungen profitieren zu können, muss die Politik dem technisch Machbaren Grenzen setzen, etwa wenn es um die Souveränität der Verbraucher bei der Verwendung ihrer Daten geht.

Die Gefahren der kommerziellen Auswertung von Bewegungsdaten, Handykontakten oder Gefällt-Mir-Angaben blieben lange Zeit abstrakt. Nun, da es ums Geld geht, wacht hoffentlich auch der letzte Schlafwandler auf. Denn nur, wenn wir Lösungen entwickeln, bei denen das Portemonnaie erst einmal in der Tasche bleibt, kann aus der Banken-Revolution eine Erfolgsgeschichte für uns alle werden.

Dorothea Mohn leitet das Team Finanzmarkt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

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2 Kommentare zu "Gastbeitrag: Eine stille Revolution für den gläsernen Bankkunden"

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  • Vielen Dank. Eine gute Beschreibung über die Risiken der neuen Möglichkeiten. Datenschutz wird für jeden immer wichtiger und dieser Bericht zeigt einem verständlich auf, warum man bei den neuen Angeboten die Absicht hinterfragen sollte.

  • Na endlich so verständlich kann man Open Banking auch vermitteln, nicht wie in einem Artikel neulich geschehen blauäugig abgehoben ohne auf das Thema Datensicherheit, etc. auch nur ansatzweise einzugehen.
    Fintechs, Apple Pay benötigt eigentlich niemand wirklich, man kann sie nutzen, das war's dann aber auch.