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Gehälter-Studie Den deutschen Bankern droht das Ende der fetten Jahre

Trotz der Krisen in der Finanzwelt verdienen deutsche Banker weiterhin üppig. Doch die guten Zeiten für Finanzprofis könnten bald endgültig vorbei sein.
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Die Wachstums- und Gehaltsunterschiede zwischen den verschiedenen Sparten ist groß. Quelle: dpa
Bankenviertel in Frankfurt am Main

Die Wachstums- und Gehaltsunterschiede zwischen den verschiedenen Sparten ist groß.

(Foto: dpa)

Frankfurt Daniel Merten hat seinen Umzug nicht bereut. „Seit dem Brexit-Votum geht’s mit London bergab. Frankfurt ist im Aufwind“, sagt der Banker. „Nur das Wetter ist genauso schlecht.“ Merten arbeitet für eine große US-Investmentbank und möchte seinen wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Nach 13 Jahren in der britischen Metropole hat ihn seine Bank nach Frankfurt versetzt. Finanziell war der Wechsel kein Verlust – Merten verdient genauso viel wie zuvor. Und selbst schlechter bezahlten deutschen Berufsanfängern empfiehlt er nicht mehr unbedingt umzuziehen.

„London ist völlig abgehoben. Allein die Mieten! In Frankfurt zahle ich für meine Wohnung 40 Prozent weniger.“ Zu seinem Arbeitsplatz in Canary Wharf fuhr Merten jeden Morgen eine halbe Stunde mit der U-Bahn – im Stehen, versteht sich. Nun braucht er zehn Minuten von der Haustür zum Arbeitsplatz. „Frankfurter Banker werden es sich heute zweimal überlegen, ob sie ihre goldene Hängematte verlassen“, sagt Merten.

Lange Jahre gab es für junge Banker, die das große finanzielle Rad drehen wollten, nur ein Ziel: ab nach London oder New York. Bis heute werden in den angloamerikanischen Finanzmetropolen deutlich höhere Gehälter gezahlt. Doch seit dem Brexit-Votum und der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten 2016 ist die Stimmung gekippt.

Die Unsicherheit am Finanzmarkt wächst – und vielen Bankern in Frankfurt dämmert, dass die Jobs in der alten Heimat doch nicht die schlechtesten sind. Neue Zahlen untermauern das: Demnach steigen die Gehälter deutscher Banker seit Jahren leicht überproportional – und das bei vergleichsweise niedrigeren Lebenshaltungskosten und höherer Jobsicherheit. Allzu bequem sollten es sich die Finanzangestellten aber nicht machen: Die goldenen Zeiten könnten bald vorbei sein.

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Die Strategieberatung Willis Towers Watson befragt seit 2001 rund 140 Banken in Deutschland nach ihrer Gehaltsentwicklung – darunter sind heimische, aber auch ausländische Institute. Es ist die umfangreichste derartige Untersuchung. Dem Handelsblatt liegen die neuesten Zahlen exklusiv vor. Das Ergebnis: Trotz Niedrigzinsen, Minimargen und der fortschreitenden Digitalisierung haben deutsche Banker in den vergangenen Jahren deutliche Gehaltssteigerungen verzeichnen dürfen.

So stieg das Grundgehalt in der Finanzindustrie über alle Beschäftigtenklassen von 2016 bis 2018 um rund vier Prozent. Wichtiger als das Grundsalär ist im Bankensektor jedoch die Gesamtvergütung, die auch die Bonuszahlungen mit einbezieht. Hier verzeichnen praktisch alle Bereiche ein noch deutlicheres Plus.

So verdienen Banker mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung (außertariflich bezahlte „AT-Mitarbeiter“) laut der Erhebung seit 2015 über alle Bereiche hinweg 8,2 Prozent mehr, Abteilungsleiter 7,2 Prozent, Bereichsleiter sogar 12,0 Prozent mehr. Zum Vergleich: Nominell ist der Durchschnittslohn 2015 bis 2018 laut Statistischem Bundesamt um rund 8,1 Prozent gestiegen.

„Wir sehen eine moderat positive Gehaltsentwicklung“, erklärt Florian Frank, Leiter des Beratungsbereichs „Talent & Rewards“ von Willis Towers Watson. „Mit einem sprunghaften Wachstum rechnen wir für die Zukunft nicht.“

Große Wachstumsunterschiede

Die Wachstumsunterschiede zwischen den Sparten sind jedoch groß: Während die Gehälter von Abteilungsleitern im Bereich Private Banking und im Asset-Management mit einem Plus von einem Prozent zwischen 2015 und 2018 praktisch stagnierten, legte die Gesamtvergütung von Bereichsleitern in den Zentralfunktionen, zu denen etwa die Bereiche Risikomanagement, Compliance und IT gehören, um stattliche 19 Prozent zu.

„Für einzelne Experten in gefragten Bereichen gab es starke Steigerungen“, sagt Frank. Ein Grund für den Anstieg in diesen Sektoren ist laut Dagmar-Elena Markworth von der Personalberatung Odgers Berndtson der EU-Austritt Großbritanniens: „Spezialisten werden durch die wachsenden Unsicherheiten rund um den Brexit gebraucht, aber auch ganz generell durch die gestiegenen regulatorischen Anforderungen.“

Teilweise würden ganze Abteilungen einer Bank abgeworben. So hat ein großes US-Haus Finanzkreisen zufolge eine komplett neue Compliance-Abteilung in Frankfurt aufgebaut – und viele Experten von der Deutschen Bank und der Commerzbank übernommen. „Massive Auswirkungen auf das Gehaltsgefüge in Frankfurt hat ein solcher Schritt aber nicht“, erklärt Markworth.

In absoluten Zahlen sind die Gehaltsunterschiede zwischen den Bankbereichen groß. Am wenigstens erhalten normale Mitarbeiter im Retailbanking: 84.500 Euro. Spitzenverdiener sind die Bereichsleiter im Investmentbanking und Kapitalmarktgeschäft: Sie verdienten vergangenes Jahr 636.000 Euro.

In diesem Bereich zeigen sich dafür die Spätfolgen der Finanzkrise am deutlichsten. Während die Gesamtvergütung für praktisch alle Bankangestellten im Vergleich zu 2005 gestiegen ist, hat das Investmentbanking immer noch nicht die Spitzenwerte von Mitte der Nullerjahre erreicht.

Normale Mitarbeiter verdienten hier 2018 immer noch über 18. 000 Euro weniger als 2005, Bereichsleiter sogar 50.000 Euro. Außerdem zeigt sich, wie wichtig die Boni trotz aller Debatten um Deckelung und Teamprämien für das Investmentbanking und das Kapitalmarktgeschäft sind: Ohne sie fiele die Steigerung seit 2015 deutlich geringer aus.

Deutsche Banken haben aufgeholt

Und wie stehen die deutschen Banker im Vergleich zu ihren angloamerikanischen Kollegen da? Natürlich werde im Investmentbanking in London oder New York absolut immer noch mehr bezahlt, erklärt Andreas Halin, Gründer von Global Mind Executive Search. „Aber die größten Rückstände der Vergangenheit haben die deutschen Banken aufgeholt.“

Das zeigen auch die Zahlen von Willis Towers Watson für den Standort Deutschland. Demnach verdiente ein AT-Mitarbeiter im Investmentbanking einer Inlandsbank 2018 rund 34.000 Euro weniger als bei einer Auslandsbank, im Institutional und Corporate Banking rund 7000 Euro, im Private Banking und im Asset-Management rund 4.000 Euro.

Auch haben die Inlandsbanken ihr Grundgehalt 2018 im Investmentbanking, im Corporate Banking, im Asset-Management und Private Banking um ein bis zwei Prozentpunkte stärker erhöht als die Auslandsbanken. „Dieser Prozess der fortschreitenden Angleichung der Gehaltsniveaus kommt nun zu einem Abschluss“, glaubt Halin. Mit weiteren großen Steigerungen der deutschen Institute, mit denen sie zur ausländischen Konkurrenz aufschließen könnten, rechnet er nicht.

Nicht unbedingt große Sprünge – aber doch eine stabile Aufwärtsentwicklung für fast alle Banker in Deutschland: So könnte man die Zahlen für die Jahre 2015 bis 2018 zusammenfassen. „Die Boni steigen, in der Gesamtvergütung sehen wir eine Seitwärtsbewegung“, bilanziert Dirk Friederich, Managing Partner von Boyden Executive Search.

Könnte sich an diesem Gesamttrend kurzfristig noch etwas ändern, zum Beispiel durch den Brexit? „Hier hängt vieles vom konkreten Ausgang ab“, sagt Friederich. „Bleibt Großbritannien im EU-Binnenmarkt, dann dürften Boni und Gehälter in Frankfurt moderat wachsen. Doch selbst bei einem harten Brexit rechne ich nicht mit einem sprunghaften Anstieg.“

Dafür würden – sieht man von den wenigen besonders gefragten Bereichen wie Legal und Compliance ab – in Frankfurt schlicht zu wenig Jobs geschaffen. Auf einer Finanzfachkonferenz rechneten Ende März knapp zwei Drittel der befragten Personalmanager nicht damit, dass der Brexit zu spürbaren Gehaltssteigerungen führt.

Ab 2020 wächst der Spardruck

Dafür erwarteten drei Viertel einen Stellenabbau aufgrund der Digitalisierung und des veränderten Marktumfelds. Dirk Friederich hält es allerdings für wahrscheinlich, dass die kommenden Jahre weniger erfreulich verlaufen. Die Zeiten, in denen die Gehälter in der Finanzbranche schneller stiegen als in der Realwirtschaft, dürften nun enden: „Das Ziel der deutschen Banken ist, ihre Angestellten zu halten, gerade jetzt, wo viele durch Fusionsspekulationen verunsichert sind. Daher zahlen sie nun noch einmal gute Boni aus. Ab 2020 könnte das anders werden, wenn der Spardruck wächst“, meint Friederich.

Sollte es tatsächlich zur Großfusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank kommen, rechnen Beobachter mit einem „Blutbad“: Bis zu 30.000 Jobs könnten bei den beiden größten deutschen Privatbanken abgebaut werden, um die erhofften Effizienzgewinne zu heben.

Die Gewerkschaften laufen bereits Sturm gegen die Planspiele. Und auch bei den Volksbanken und den Sparkassen stehen Einsparungen bevor, um mit den anhaltenden Niedrigzinsen fertig zu werden. Zuletzt warnte der Finanzstabilitätsrat in Basel, dass die Digitalisierung und der Eintritt großer Technologiekonzerne Bankjobs auf breiter Front gefährden könnte. Die guten Zeiten könnten sehr schnell enden.

Daniel Merten, der London-Flüchtling der großen US-Investmentbank, empfiehlt seinen deutschen Kollegen dennoch Gelassenheit. Wer in Frankfurt Angst vor dem Abstieg habe, der solle einmal mit Bankern in London reden, in Mayfair oder South Kensington. „Viele Investmentbanker, die ich kenne, haben Angst, ihren gewohnten Lebensstandard nicht halten zu können.“ In London gebe es viele, die noch mehr verdienten – zum Beispiel in der Private-Equity-Branche.

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1 Kommentar zu "Gehälter-Studie: Den deutschen Bankern droht das Ende der fetten Jahre"

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  • Ist das noch Journalismus? Ist das Dummheit? Oder ist es Stimmungsmache?
    Da schreibt Herr Höltermann, mir noch nicht als Bankenexperte aufgefallen, über das drohende Ende der fetten Jahre für "die Banker". für bestimmte Banker? Für welche Banker? Erst bei genauem Hinsehen und Lesen des ganzen Textes fällt auf, dass es im Artikel nur um die AT-bezahlten Beschäftigten und um Bereichs- und Abteilungsleiter geht. Zu dem fehlenden Teil, den normalen Bankangestellten, wie wir normalen Kunden und Zeitungsleser ihn kennen, geht es in dem Artikel mit keinem Wort!
    Und so überrascht es auch nicht, dass die im Text und in einer recht verwirrenden Tabelle genannten Zahlen mit der Lebenswelt des Normalbankers nichts zu tun haben. So wird das Jahresgehalt eines AT-Beschäftigten, je nach Bereich in dem sie/er arbeitet, mit 77.500 bis 115.500 Euro angegeben. Tatsächlich verdient der Normalbanker in der TG 6 Endstufe (die am stärksten besetze Gehaltsgruppe) unter 50.000 Euro. Fette Zeiten?
    Im Text und in der Tabelle des Artikels kommt es weiter sehr auf die zum Teil hohen zweistelligen Zuwachsraten bei den Gehältern zwischen 2015 und 2018 an. Auch dies hat mit der Wirklichkeit der Normalbanker nichts zu tun, die Tarifgehälter stiegen in dieser Zeit nur um unter 4 %. Das hat noch nicht mal gereicht die niedrige Inflationsrate (von 4,25) auszugleichen! Fette Jahre?
    Bleibt der Bezug zur Finanzkrise und denn Exzessen bei den Gehältern der Investmentbanker davor. Und ja, die Tabelle zeigt, dass die Investmentbanker im Schnitt weniger verdienen, als 2005. Und sie zeigt auch, dass die Retailbanker, also die im Geschäft mit Privatkunden jetzt im Schnitt deutlich besser bezahlt werden. Was sicher mit der wieder wichtiger gewordenen Rolle dieses Segments in der Wahrnehmung der Vorstände zu tun hat. Ein gutes Zeichen!
    Ein solcher Artikel mitten in die ver.di-Tarifverhandlungen im Bankgewerbe? Absicht? Oder Dummheit?
    Ich hoffe eher, dass der Abschluss deutlich über der Inflationsrate liegt.

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