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Geldhäuser Griechische Banken wollen Problemkredite schneller abbauen als bisher geplant

Die Schrottkredite im Volumen von 82 Milliarden Euro sollen schneller aus den Büchern der Banken verschwinden. Das Problem: Der IWF sieht einen möglichen Kapitalbedarf.
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Griechische Banken wollen den Berg notleidender Kredite schneller abtragen als geplant. Quelle: imago/Florian Schuh
Griechenland

Griechische Banken wollen den Berg notleidender Kredite schneller abtragen als geplant.

(Foto: imago/Florian Schuh)

Athen Unter dem Druck der europäischen Bankenaufsicht SSM wollen die griechischen Banken den Berg notleidender Kredite schneller abtragen als bisher geplant. Die vier systemischen Institute des Landes werden Ende März zugleich mit der Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für 2018 dem SSM auch die neuen Zeitpläne für die Konsolidierung der Kreditbücher vorlegen.

Bisher wollten die Banken das Volumen der notleidenden Forderungen bis Ende 2021 um 50 Milliarden Euro reduzieren. Die neue Zielvorgabe könnte nach Informationen aus Bankenkreisen bei 60 Milliarden liegen. Davon sollen 25 Milliarden in diesem Jahr abgebaut werden. Allein die Eurobank, das zweitgrößte Institut Griechenlands, plant eine Reduzierung von zehn Milliarden.

Die griechischen Geldhäuser haben Schrottkredite im Volumen von knapp 82 Milliarden Euro in den Büchern. Ende 2018 wurden 45,4 Prozent aller ausgereichten Darlehen nicht mehr bedient oder waren akut ausfallgefährdet. Diese Zahlen nannte jetzt Zentralbank-Gouverneur Yannis Stournaras.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Euro-Zone liegt die Quote nach Angaben der EU-Kommission von Ende November 2018 bei 3,4 Prozent. Als akzeptabel gelten höchstens fünf Prozent.

Im vergangenen Jahr bereinigten die Institute ihre Kreditbücher um 12,7 Milliarden Euro. Das zeigt: Die griechischen Banken kommen zwar beim Abbau der Problemkredite voran, aber nur langsam. Darunter leidet die griechische Wirtschaft insgesamt. Die hohen Bestände an notleidenden Darlehen beeinträchtigen die Kreditvergabefähigkeit der Geldinstitute.

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Der Abbau der Problemkredite gilt daher als Schlüssel für die Rückkehr Griechenlands zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum.

Das neue Ziel ist sehr ehrgeizig: Die Geldhäuser wollen die Summe der notleidenden Forderungen bis Ende 2021 unter 25 Milliarden Euro drücken. Dafür liegen mehrere Vorschläge auf dem Tisch. Ein Konzept der griechischen Zentralbank sieht vor, dass die Banken faule Kredite im Nennwert von 40 Milliarden Euro an eine Zweckgesellschaft übertragen, die diese Forderungen verbrieft und verkauft.

Um die Papiere zu unterlegen, sollen die Banken latente Steuergutschriften aus Verlustvorträgen, die sie sich derzeit noch als Eigenkapital anrechnen, zum Teil an die Zweckgesellschaft abtreten. Ein zweiter Plan des Finanzministeriums sieht ebenfalls die Übertragung notleidender Forderungen an eine Art Bad Bank und staatliche Bürgschaften für deren Verbriefung vor.

Noch offen ist, ob die EU-Wettbewerbshüter dies durchgehen lassen oder als verbotene staatliche Beihilfe werten. Eine Entscheidung wird im April erwartet.

Die Hoffnung auf eine schnellere Konsolidierung der Problemkredite und die Rückkehr zu nachhaltigen Gewinnen beflügelt auch die Fantasie der Anleger. Der Athener Bankenindex FTSEB hat seit Jahresbeginn fast 37 Prozent auf 442 Punkte zugelegt. Er ist allerdings von seinem Vorkrisenniveau von 19.000 Punkten Ende 2009 unerreichbar weit entfernt.

Ein großer Kraftakt

Was auf die Aktionäre zukommt, ist ungewiss. Der beschleunigte Abbau der notleidenden Kredite stellt für die Banken einen großen Kraftakt dar. Abschreibungen, Umschuldungen und der Verkauf fauler Darlehen zehren an der Kapitalbasis der Institute. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt deshalb in seinem jüngsten Griechenland-Gutachten vor der Möglichkeit, dass die Banken neue Kapitalspritzen benötigen könnten.

Noch sind die vier systemischen Banken mit einer Kernkapitalquote (Tier 1) von 15,6 Prozent im Branchendurchschnitt recht gut kapitalisiert. Aber offen ist, wie viel Kapital sie für die Bereinigung der Kreditbücher opfern müssen.

In den vergangenen sechs Jahren wurden die Institute bereits  dreimal  rekapitalisiert. Insgesamt 64 Milliarden Euro flossen in die Bankenrettung, davon 46 Milliarden Staatshilfen. 18 Milliarden steuerten private Investoren bei. Bei der letzten Kapitalerhöhung Ende 2015 bekamen die vier systemrelevanten Institute 13,7 Milliarden Euro.

Die Aktionäre sind nicht zu beneiden. Seit der letzten Rekapitalisierung haben die vier Banken rund 70 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Aktuell beträgt er kumuliert knapp 5,8 Milliarden Euro.

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