Geldhaus verliert A-Rating Neuer Rückschlag für die Deutsche Bank – S&P senkt Bonitätsnote

Die Herabstufung des Geldhauses durch die Ratingagentur S&P macht die ohnehin komplizierte Situation der Deutschen Bank noch ein bisschen komplizierter.
Update: 01.06.2018 - 09:24 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank: S&P senkt Bonitätsnote Quelle: Bloomberg
Deutsche-Bank-Gebäude in Frankfurt

Die Ratingagentur S&P machte Ernst und senkte die Bonitätsnote des größten deutschen Geldhauses.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtKein Tag ohne schlechte Nachricht für die Deutsche Bank. Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) hat die Bonitätsnote des Geldhauses gekappt. Dabei sind die Bonitätsnoten der Deutschen Bank bereits ein bis zwei Stufen schlechter als die vieler Konkurrenten. Mit der nun veröffentlichten Herabstufung durch S&P drohen dem Geldhaus weiter steigende Finanzierungskosten.

Der seit April amtierende Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wandte sich in einem Brief an die Mitarbeiter und bekräftigte die finanzielle Stärke des Instituts. Das Niveau des Kredit- und Marktrisikos des größten deutschen Geldhauses sei selten so niedrig gewesen wie derzeit, erklärte er. Der Refinanzierungsplan für das laufende Jahr sei weit fortgeschritten – zu guten Zinsen.

Konkret geht es um das sogenannte Long-Term-Issuer-Credit-Rating, die zentrale Einschätzung für die Bonität einer Bank: Bislang wurde die Deutsche Bank dort mit der Note A- bewertet. Nach der Herabstufung liegt diese Note jetzt bei BBB+.

Auch Moody‘s prüft eine Herabstufung der Deutschen Bank. Die dritte große Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote und den Ausblick für die Bank nach dem Wechsel an der Spitze von John Cryan zu Christian Sewing dagegen nicht angerührt. Nach einer Herabstufung im September war die Bewertung mit „BBB+“ aber bereits eine Note schlechter als bei S&P und Moody's.

S&P fürchtet, dass sich nach dem Führungswechsel die Sanierung des größten heimischen Geldhauses noch länger als erwartet hinziehen könnte – oder dass der Umbau noch teurer als erwartet ausfällt. Deshalb haben die Bonitätswächter bereits im April angekündigt, dass sie das Rating der Deutschen Bank überprüfen werden.

Christian Sewing, hat bereits angekündigt, dass sich die Bank aus Teilen des Investmentbankings zurückziehen will. Die einstige Sparte hatte zuletzt nur noch magere Renditen erwirtschaftet.

Stattdessen will Sewing stärker auf stabilere Ertragsquellen wie das Privatkundengeschäft, die Vermögensverwaltung und das Transaction Banking setzen. Durch den Strategieschwenk sollen mindestens 7.000 Jobs wegfallen, und der Umbau wird noch einmal 800 Millionen Euro an Umbaukosten verschlingen.

Für die Deutsche Bank kommt die Nachricht aus dem Hause S&P zur Unzeit – nicht allein, weil ihre Bonitätsnoten bereits jetzt niedriger sind als die vieler ihrer Wettbewerber.

Hinzu kommen die Zweifel vieler Analysten an der neuen Strategie und die generell schlechte Stimmung gegenüber europäischen Banken durch die Angst vor einem Wiederaufflackern der Euro-Krise.

Dann war am Donnerstag noch durchgesickert, dass die US-Notenbank Fed das amerikanische Geschäft des Frankfurter Geldhauses bereits vor einem Jahr als „in schwierigem Zustand“ eingestuft hatte. Ein solcher Tadel ist selten und ist mit Auflagen der Aufseher verbunden.

Die Folge: Die Aktien der Bank brachen um mehr als sieben Prozent ein und markierten mit 9,16 Euro den niedrigsten Schlussstand aller Zeiten. Niedriger notierte die Aktie im Handelsverlauf nur im Herbst 2016, als wegen einer drohenden Milliarden-Geldstrafe in den USA Anleger am Fortbestand der Bank zweifelten. Damals lag der Kurs im Handelsverlauf bei 8,83 Euro.

Rückendeckung gab es am Freitag von der europäischen Bankenaufsicht. Die unter dem Dach der EZB angesiedelte Behörde habe die Reaktionen des Instituts auf etwaige Bedenken der Aufsicht offenbar überzeugt, hieß es in Finanzkreisen. Die Bank verfüge nun über eine gute Kapital- und Liquiditätsausstattung. Die Aufseher seien mit den Plänen, die das neue Management vorantreibe, zufrieden.

In der Deutschen Bank gehen viele davon aus, dass die Verschlechterung des Ratings bereits in den Börsenkursen vorweggenommen wurde. Analysten und Fondsmanager warnen dennoch vor negativen Konsequenzen, auch wenn es für das Frankfurter Geldhaus noch schlimmer hätte kommen können.

Michael Hünseler Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft Assenagon fasst die Lage so zusammen: Die Herabstufung des Long-Term-Issuer-Ratings „hat mehr Signalwirkung, als dass sie spürbaren Schaden anrichten würde“. Aber dennoch drohe die Entscheidung die Erträge der Bank zusätzlich zu belasten.

Schlimmer wäre es gewesen, wenn S&P auch das sogenannte Senior-Non-Preferred-Unsecured-Rating für unbesicherte Schulden der Bank gesenkt hätte. Im Moment steht diese Bewertung bei BBB-, das heißt, die Bonitätsnote fällt gerade noch in den sogenannten Investmentgrade, den Ratingbereich für Anleihen mit guter Qualität.

Wäre auch diese Bewertung herabgestuft worden, hätten viele Fondsmanager, die nur in Bonds mit Investmentgrade investieren dürfen, ihre Deutsche-Bank-Anleihen verkaufen müssen. Die Folge: deutlich steigende Refinanzierungskosten.

Auch das Long-Term-Issuer-Rating liegt nach der Herabstufung noch im Investmentgrade-Bereich, so dass die Gefahr einer Kettenreaktion geringer ist.

Schädlich ist die Herabstufung trotzdem: „Unmittelbar wären solche Felder der Deutschen Bank betroffen, die ein vorzeigbares Counterparty-Rating erfordern wie zum Beispiel das Derivategeschäft“, erläutert Fondsmanager Hünseler. Das heißt, dass das wichtige Kapitalmarktgeschäft der Bank unter der Herabstufung leiden könnte.

Denn die Frankfurter sind sehr aktiv beim Handel mit Finanzinstrumenten wie Derivate und Swaps. Das Geldhaus verkauft zum Beispiel den Finanzabteilungen von Unternehmen Produkte, die sie vor Währungs- oder Zinsrisiken schützen.

Doch institutionelle Investoren, Unternehmen und Banken achten bei solchen Geschäften mittlerweile stärker darauf, bei welcher Bank sie Absicherungsgeschäfte abschließen, weil sie bei einer Pleite der Bank ohne Zins- und Währungsschutz dastehen würden. Im angelsächsischen Fachjargon nennt man diese Gefahr Counterparty Risk. Deshalb reduzieren einige Firmen ihre Geschäfte mit Banken, deren Bonität unter ein gewisses Niveau sinkt.

Abgesehen davon erschwert ein schlechteres Rating der Bank, ihre Absicherungsprodukte zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Schließlich wird es in dem Fall auch für die Deutsche Bank tendenziell teurer, sich selbst im Derivatebereich abzusichern.

Deshalb befürchtet Analyst Amit Goel von der britischen Bank Barclays, dass die Herabstufung durch S&P wie eine Art Katalysator wirkt, der den Verlust von Marktanteilen und Kunden beschleunigt. Und das wäre das Letzte, was die Bank in ihrer aktuellen Situation brauchen könne.

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