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Geldinstitut Deutsche Bank wartet auf US-Stresstest – Scheitern ist nicht ausgeschlossen

Am Abend wird der erste Teil der Prüfung durch die US-Behörden veröffentlicht. Die Deutsche Bank attestiert sich Fortschritte. Aber reicht das aus?
Update: 21.06.2019 - 15:27 Uhr Kommentieren
Die Deutsche Bank hat den ersten Teil des Stresstests der US-Bankenaufsicht bestanden. Doch der zweite Teil steht noch aus. Quelle: AP
Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hat den ersten Teil des Stresstests der US-Bankenaufsicht bestanden. Doch der zweite Teil steht noch aus.

(Foto: AP)

Frankfurt Der Bankenstresstest der US-Aufseher ist für die Deutsche Bank bisher eine eher unangenehme Erfahrung gewesen. Gleich drei Mal 2015, 2016 und 2018 fiel die Bank durch und musste sich heftige Kritik gefallen lassen. Die Aufseher machten „erhebliche Schwächen“ bei der US-Tochter des Frankfurter Geldhauses aus.

Am Freitagabend werden das erste Ergebnis des diesjährigen Stresstests der US-Notenbank Fed vorstellt. Erneut gilt ein Scheitern nicht als ausgeschlossen, auch wenn sich die Bank selbst Fortschritte attestiert. Für die Banken hängt vom US-Stresstest eine Menge ab, denn im schlimmsten Fall drohen Auflagen und Einschränkungen des Betriebs.

Die US-Zentralbank prüft die wichtigsten in den Vereinigten Staaten aktiven Banken seit der Finanzkrise 2008 jährlich in sogenannten Stresstests. Dabei geht es darum festzustellen, ob die Geldhäuser einen wirtschaftlichen Rückschlag durchstehen können– etwa eine schwere Rezession oder einen Einbruch des Aktien- oder Immobilienmarktes.

Die Prüfung besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil wird „Dodd-Frank-Act Stress Test“ (DFAST) genannt, weil er im gleichnamigen Finanzreformpaket verabschiedet wurde. Darin wird ermittelt, ob die Institute in drei verschiedenen wirtschaftlichen Szenarien ausreichend kapitalisiert wären.

Dabei werden standardisierte Annahmen für die Kapitalplanung gemacht, die für alle Institute gleichermaßen gelten. Die Ergebnisse des DFAST-Tests werden bereits heute Abend deutscher Zeit veröffentlicht. Der Test ist allerdings der unwichtigere, denn dieser Teil der Prüfung hat keine regulatorischen Konsequenzen für die Banken.

Diesen ersten Teil der Prüfung hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren jeweils bestanden. Beim zweiten Teil des Programms sieht das allerdings anders aus.

Fed hat großen Ermessensspielraum

Der wichtigere Teil des Stresstests ist die sogenannte umfassende Kapitalanalyse – die Comprehensive Capital Analysis and Review, kurz CCAR. Hier prüft die Fed, wie die Banken ihre Bilanzen verwalten und ob sie stark genug sind, um Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen.

Im Unterschied zu den DFAST-Szenarien werden hier die eigentlichen Bankbilanzen analysiert. Bei ausländischen Instituten, die – wie die Deutsche Bank – eine Holding in den USA haben, geht es um die Frage, ob sie Kapital an den Mutterkonzern überweisen dürfen.

Die Fed hat hier einiges an Ermessensspielraum. Die Notenbank untersucht bei diesem Teil der Prüfung vor allem qualitative Aspekte, darunter „die Fähigkeit eines Instituts, zu identifizieren, abzuwägen und zu entscheiden, welches die angemessene Höhe an Kapital für die eingegangenen Risiken ist“. Dieser Teil des Stresstests wird am kommenden Donnerstag veröffentlicht.

Bei der US-Zwischenholding der Deutschen Bank entdeckte die US-Notenbank Fed, die gleichzeitig einer der wichtigsten Bankenaufseher ist, 2018 gleich eine ganze Reihe von Defiziten bei der Kapitalplanung, bei Umsatz- und Verlust-Modellen, beim Risikomanagement sowie den internen Audit-Funktionen. Von Fortschritten war in dem Bericht damals nicht die Rede.

Die Deutsche Bank hat bereits seit Jahren Probleme mit der Fed und weiteren US-Regulierern. Erst vor kurzem hat Kate Clifford, Chief Operating Officer in den USA, die Deutsche Bank verlassen. In ihrer Rolle war Clifford unter anderem für die Beziehungen zu Aufsehern und Regulierern zuständig.

Nachdem die Bank vor einem Jahr erneut am zweiten Teil des Stresstests gescheitert war, hatte sich der damals frisch ernannte Vorstandschef Christian Sewing selbst auf den Weg in die USA gemacht. Damals versicherte Sewing „wir sind zuversichtlich, die Hürden in den nächsten zwölf Monaten zu nehmen.“

An diesem Freitag will sich die Bank im Vorfeld nicht aus dem Fenster lehnen: „Uns sind die Ergebnisse des US-Stresstest noch nicht bekannt Die Ergebnisse werden erst am 27. Juni von der Federal Reserve bekannt gegeben. Wir respektieren den Prozess und werden selbstverständlich die Entscheidung der Federal Reserve akzeptieren“, sagte ein Sprecher.

In diesem Jahr durchleuchten die Aufseher in den USA neben der Deutschen Bank noch vier weitere ausländische Geldhäuser, die mit substanziellem Geschäft in den Vereinigten Staaten vertreten sind: die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die britische Barclays und die kanadische Toronto-Dominion-Bank.

Während sie die volle Prüfung absolvieren mussten, hat die Fed die heimischen Häuser vom qualitativen Teil des Tests befreit: Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan und die Bank of America wurden damit in diesem Jahr weniger hart angepackt als die Konkurrenz aus dem Ausland.

Mehr: Lesen Sie hier, warum der Deutschen Bank strafrechtliche Verfolgung wegen Geldwäsche drohen könnte.

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